Bei einer massiven Welle nächtlicher russischer Angriffe auf die Ukraine sind nach Behördenangaben am 8. September 2026 zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden. Allein in der Hauptstadt Kiew forderten Luftschläge nach Angaben der Stadtverwaltung und des Staatlichen Notdienstes mindestens zwei Todesopfer und zehn Verletzte, während im ganzen Land Energie- und Zivilinfrastruktur schwer getroffen wurde.
Tödliche Luftschläge treffen die ukrainische Hauptstadt Kiew
Die ukrainische Hauptstadt geriet in der Nacht ins Visier schwerer Luftangriffe, bei denen nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte und des Staatlichen Notdienstes ballistische Raketen sowie Marschflugkörper und Drohnen eingesetzt wurden. Betroffen waren mindestens fünf Bezirke in Kiew, in denen Explosionen und Brände registriert wurden. Die ukrainische Luftstreitkräfte gaben an, dass die Hauptrichtungen der nächtlichen russischen Angriffe die Regionen Odesa und Kiew waren, wobei an 29 Standorten Angriffe verzeichnet wurden.
Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete, dass zehn Menschen in der Stadt verletzt wurden. Herabfallende Trümmerteile lösten in einem Stadtteil Brände an einem fünfstöckigen Wohnhaus und einem dreistöckigen Gebäude aus. Insgesamt beschädigten die Angriffe nach offiziellen Angaben mindestens 14 Hochhäuser, ein Wohnheim, eine Schule, eine Klinik, Lagerhäuser und andere Anlagen.

Die Angriffe auf die Hauptstadt folgten unmittelbar nach dem Abzug der US-Friedensgesandten Jared Kushner und Steve Witkoff, die zuvor nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskiy aus Kiew abgereist waren. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha erklärte auf X zu den Ereignissen:
„The moment the US president’s peace envoys left, (Russian President Vladimir) Putin launched another massive, horrific attack against Kyiv“
Andrii Sybiha fügte hinzu:
„His ballistic missiles speak louder than his words on diplomacy“
Foreign Minister Andrii Sybiha
Sybiha forderte Verbündete auf, den Druck auf Moskau zu erhöhen und Abfangraketen bereitzustellen, um ballistische Raketen abzuschießen. Nach den Berichten im Anschluss an Gespräche in Moskau hatte der Kreml zuvor erklärt, er schließe die Wiederaufnahme von Dreierverhandlungen nicht aus.
Verheerende Opferzahlen bei Angriffen im ganzen Land
Die Welle der Attacken erfasste neben Kiew zahlreiche weitere Regionen der Ukraine. In der südöstlichen ukrainischen Stadt Krywyi Rih starben mindestens 15 Menschen in einem überfüllten Einkaufszentrum bei russischen Drohnenangriffen. Dies berichtete Olexander Hanscha, der Militärgouverneur der Region Dnipropetrovsk, auf der Nachrichtenplattform Telegram. Hanscha teilte mit, dass die Zahl der Verletzten bis zum Abend auf 130 gestiegen war, darunter 23 Kinder. 29 Personen erlitten schwere Verletzungen, darunter fünf Kinder.

Präsident Volodymyr Zelenskyy beschrieb den Vorfall in einem Facebook-Post als absolut zynischen und hinterhältigen Angriff auf ein gewöhnliches Einkaufszentrum. Nach seinen Angaben starteten die Drohnen ihren Angriff in zwei Wellen. Zelenskyy berichtete: Eine halbe Stunde nach dem ersten Angriff und dem Ausbruch eines Feuers gab es einen weiteren Angriff auf die Einsatzkräfte. Er betonte: Angriffe wie diese sind einfach Akte des Terrorismus. Die Welt müsse entsprechend reagieren – durch echten Druck auf den Aggressor. Damit Frieden herrscht, muss Russland wirklich zur Rechenschaft gezogen werden. In seiner abendlichen Videobotschaft sprach Zelenskyy von der äußersten Grausamkeit
der Russen und sagte: Sie sind einfach Bestien. Wir werden sie definitiv dafür zur Rechenschaft ziehen.
Weitere Angriffe ereigneten sich in der Region Sumy, wo zehn Menschen in einem Lokalzug bei einem Angriff von Kampfdrohnen verletzt wurden, sowie durch russische Drohnenangriffe, die in der südkrainischen Hafenstadt Odessa mindestens neun Verletzte forderten. Der regionale Militärverwalter Oleh Kiper schrieb auf Telegram: Der Feind setzt den Terror gegen die Zivilbevölkerung in der Region Odessa fort.
Nach Angaben der Agentur Ukrinform wurden bei den russischen Drohnenangriffen ein Restaurant und mehrere Privathäuser getroffen. In Saporischschja starben ein Mann und eine Frau bei einem Drohnenangriff auf eine Kleingartenanlage, wie der regionale Militärverwalter Iwan Fedorow auf Telegram mitteilte, während in einer Gemeinde von Saporischschja durch weitere Drohneneinschläge der Strom ausfiel.
An der ukrainisch-moldauischen Grenze wurden laut Behördenangaben bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Kontrollpunkt mindestens zwei Zivilisten getötet, und drei weitere Menschen wurden bei der Attacke in der Nacht in Starokosatsche verletzt, wie der Gouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper, sagte. Darüber hinaus griffen russische Streitkräfte am Morgen des 8. September einen Kiew-Sumy Passagierzug in der Oblast Sumy an, was einen Brand und die Evakuierung von 90 Personen auslöste; es wurden keine Opfer gemeldet. In der südkrainischen Hafenstadt Mykolajiw wurde in der Nacht ein Mensch bei einem Luftangriff getötet, wie örtliche Behörden mitteilten, und weitere Menschen wurden verletzt sowie Hafen-, Transport- und zivile Infrastruktur beschädigt.
Grenzüberschreitende Vorfälle und russische Berichte
Auf russischer Seite meldete das Verteidigungsministerium, dass in der Nacht 596 Drohnen abgefangen worden seien. In Noworossijsk in der südrussischen Region Krasnodar wurden vier Menschen getötet, wie Gouverneur Wenjamin Kondratjew auf Telegram mitteilte. Zudem forderte ein ukrainischer Angriff am Donnerstag in der russischen Grenzregion Belgorod vier Todesopfer, darunter zwei medizinische Mitarbeiter. Die offizielle Einsatzzentrale der Region teilte auf Telegram mit, dass zu den Toten in Shebekino, direkt an der Grenze zur Ukraine, ein Arzt, ein Sanitäter und ein Ehepaar gehörten; drei weitere Personen wurden verletzt. Der Leiter der von Russland kontrollierten Teile der Ostukraine in der Region Donezk erklärte indessen, dass drei Zivilisten bei Drohnenangriffen in drei verschiedenen Bezirken der Region ums Leben kamen.

Unterdessen warf der ukrainische Militärgeheimdienst HUR Russland vor, ausländische Rekruten in seiner Armee mit sogenannten Inventarnummern
zu kennzeichnen. Diese Nummern würden demnach mit haltbarer Farbe auf Ausrüstung oder direkt auf die Haut aufgebracht, regelmäßig erneuert und könnten der Kontrolle sowie der Suche nach Deserteuren dienen. Der Geheimdienst veröffentlichte dazu Fotos, wobei die Angaben sich unabhängig nicht überprüfen lassen.
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