Nach dem Fund von zwölf getöteten Frauen östlich von Johannesburg hat der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa am Dienstag eine landesweite Notfallaktion angekündigt.
Südafrika steht nach einer schrecklichen Mordserie vor drastischen Schritten zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit. Präsident Cyril Ramaphosa kündigte am Dienstag einen multidisziplinären und landesweiten Großeinsatz an, der sich auf besonders gefährdete Zonen konzentrieren soll. Auslöser für die staatliche Kehrtwende ist die Entdeckung von zwölf Frauenleichen in den vergangenen zwei Monaten in einem Gebiet östlich von Johannesburg.
Die Verbrechen haben im Land eine heftige Debatte über das Ausmaß von geschlechtsspezifischer Gewalt entfacht. Südafrika verzeichnet statistisch eine der weltweit höchsten Raten in diesem Bereich. In der jüngsten Aussprache räumte das Staatsoberhaupt ein, dass der Staat in den vergangenen Jahren nicht genug getan hat, um Frauen und Mädchen vor Verbrechen zu bewahren.
Keine Beweise für einen einzelnen Täter bei zwölf Toten
Der Fund der Leichen in enger geografischer Nähe zueinander hatte in der Bevölkerung große Ängste geschürt. Viele Bürger befürchteten, dass ein einzelner Serientäter für die Serie verantwortlich sein könnte. Zu diesem Aspekt äußerte sich die Regierung deutlich.

There has understandably been widespread fear that the discovery of these women in close proximity could indicate the work of a single perpetrator. At present, the police have not found evidence establishing that these killings were committed by a single perpetrator.
Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika
Bislang hat die Polizei im Zusammenhang mit den Verbrechen vier Festnahmen durchgeführt.
Sicherheitsaudits für Kommunen und schärfere Regeln gegen Alkoholmissbrauch
Als Sofortmaßnahme müssen alle südafrikanischen Gemeinden ohne Verzögerung Frauen-Sicherheitsaudits starten. Diese Überprüfungen sollen Schwachstellen im urbanen Raum aufdecken und beheben. Dazu gehört ein genauer Blick auf defekte Straßenbeleuchtungen, verwilderte öffentliche Flächen, verlassene Gebäude sowie unzureichend gesicherte Parks und Transportwege.
Zusätzlich kündigte Ramaphosa ein spezielles Maßnahmenpaket an, um die Kriminalitätsrate im Zusammenhang mit Alkoholkonsum zu senken. Das Konzept zielt darauf ab, den schädlichen Konsum von Rauschmitteln einzudämmen, der als Verstärker bei interpersoneller Gewalt gilt.
Alcohol does not cause gender-based violence and it can never excuse it. Responsibility always lies with the perpetrator. But harmful alcohol use is a significant aggravating factor in interpersonal violence, and it must be addressed as part of our wider prevention effort.
Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika
Über die rein polizeiliche und gesetzgeberische Ebene hinaus betonte das Staatsoberhaupt, dass die Ursachen tiefer wurzeln. Gewalt gegen Frauen beginne nicht erst im Moment eines Angriffs, sondern im gesellschaftlichen Alltagsdenken und bei Ungleichbehandlungen.
Statistiken zur Gewaltkriminalität im Land
Die Dimension der Gewalt in Südafrika verdeutlichen offizielle Zahlen aus jüngster Zeit. Zwischen April und Juni dieses Jahres wurden landesweit 5.427 Menschen getötet. Obwohl die reguläre Polizeistatistik keine direkte Differenzierung der Opfer nach Geschlecht vornimmt, dokumentierte die Südafrikanische Menschenrechtskommission (South African Human Rights Commission) im selben Zeitraum die Tötung von 569 Frauen. Weitere 1.052 Frauen überlebten demnach versuchte Morde.
Mit Blick auf die tiefen gesellschaftlichen Strukturen forderte der Präsident die männliche Bevölkerung zu einem Umdenken auf. Die Last der Bekämpfung dürfe nicht länger allein auf den Schultern der Frauen lasten, und die Lösung dürfe niemals darin bestehen, Frauen in ihrer Freiheit einzuschränken.
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