Nach einer dreitägigen Feuerpause hat Russland im Ukraine-Krieg massive Luftangriffe mit Raketen und Drohnen auf Kiew sowie weitere Regionen gestartet. Berichte über Tote und Verletzte überschlagen sich, während US-Unterhändler Gespräche über eine mögliche Beendigung des Konflikts führen und die Ukraine ihrerseits Drohnenangriffe auf russisches Territorium ausführt.
Nächtliche Luftangriffe und schwere Schäden in der Ukraine
Russische Raketen und Drohnen treffen Kiew und weitere Regionen

Nach dem Ablauf einer kurzzeitigen Angriffspause hat Russland die Bombardements auf ukrainische Städte wieder aufgenommen. Die meisten Opfer wurden aus den Regionen Dnipropetrowsk im Osten und Lwiw im Westen des Landes gemeldet. In der Region Dnipropetrowsk wurden nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung, Oleksandr Hanscha, sechs Menschen getötet und zehn weitere verletzt. Zivile Infrastruktur sei beschädigt oder zerstört worden. Unter den Toten seien ein sechsjähriges Mädchen sowie Jungen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren, teilte er mit. Die Behörden in der östlichen Region Poltawa teilten derweil mit, dass bei einem Angriff auf ein Lagerhaus ein Mensch getötet worden sei. Die Behörden warnten zudem, die Zahl der Toten könne noch steigen. In Lwiw, der Hauptstadt der gleichnamigen Region im Westen des Landes, stieg die Zahl der Verletzten nach einem russischen Raketenangriff auf 30. Die Rettungsarbeiten dauerten an, sagte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Maksym Kosyzkyj. Bürgermeister Andrij Sadowyj teilte mit, es seien mehr als 20 Wohngebäude, eine Schule und zwei Kindergärten beschädigt worden. Unter den Verletzten seien auch Kinder. Die Hauptstadt Kyjiw wurde nach Angaben der Pressestelle der Nationalpolizei erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Ein 31-jähriger Mann sei getötet worden, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Nach dem Ende einer dreitägigen Angriffspause wegen des Besuchs ranghoher US-Vermittler in Kiew hat Russland seine Attacken auf die ukrainische Hauptstadtregion wieder aufgenommen. Medien berichteten unter Berufung auf Behördenangaben von mindestens zwei Toten. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten mehrere heftige Explosionen in Kiew, nachdem Luftalarm ausgelöst worden war. Die Militärverwaltung der ukrainischen Hauptstadt meldete einen Raketenangriff. Das Nachrichtenportal Kyiv Independent
schrieb, laut Bürgermeister Vitali Klitschko seien mehrere Menschen unter den Trümmern eines schwer beschädigten Wohnblocks verschüttet worden. Zuvor hatte die Militärverwaltung mitgeteilt, dass wegen der Gefahr eines Drohnenangriffs durch den „Feind“ Luftalarm in Kiew ausgelöst worden sei. Sie forderte die Bewohner auf, Schutzräume aufzusuchen. Nach Angaben der Behörden wurden sowohl in Kiew als auch in Boryspil östlich von Kiew sowie in der rund 70 Kilometer südwestlich gelegenen Stadt Fastiw Gebäude getroffen. Attacken wurden auch aus den südukrainischen Großstädten Dnipro und Saporischschja sowie der Hafenstadt Odessa gemeldet. Dort soll beim Beschuss eines 19-stöckigen Wohnhauses mindestens drei Menschen verletzt werden.
Witkoff und Kushner führen Gespräche in Moskau und Kiew
US-Vermittlungsversuche und diplomatische Gespräche

Witkoff und Kushner waren in Moskau und Kiew. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass hatte zuvor bestätigt, dass die von Russlands Staatschef Wladimir Putin angeordnete kurzzeitige Feuerpause während des Besuchs von US-Unterhändlern in der Ukraine stattfand. Russland hat seine schweren Luftangriffe nach diesem Besuch wieder aufgenommen.
Ukrainische Drohnen treffen Urlaubsresort in Archipo-Osipowka
Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Logistik und Raffinerien
Parallel zu diesen Entwicklungen hat die Ukraine Angriffe auf russisches Territorium und auf der von Russland annektierten Krim durchgeführt. Nach russischen Behördenangaben starben durch ukrainische Angriffe auf russischem Gebiet und auf der Krim mehrere Menschen, darunter Zivilisten und ein Kind. Im russischen Urlaubsort Archipo-Osipowka am Schwarzen Meer sind nach Behördenangaben Menschen in einem Resort durch Trümmerteile einer ukrainischen Drohne getötet worden. Der Ort liegt in der Region Krasnodar nahe dem bei Touristen beliebten Gelendschik. Über die Zahl der Opfer gehen die Angaben auseinander. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf die russischen Behörden, die Zahl der Toten sei auf vier gestiegen, darunter ein Kind, zehn Menschen seien verletzt worden. Die Nachrichtenagentur AFP nannte dagegen drei Tote und 13 Verletzte, darunter Kinder. Der Gouverneur der Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, erklärte, der Angriff habe zivile Infrastruktur betroffen.
Ukrainische Drohnen greifen Wildberries-Lager in Russland an
Kein Tag vergeht derzeit, ohne dass ein Lager des Online-Händlers Wildberries im Rauch aufgeht. Die Ukraine hat den größten Online-Händler Russlands zum Ziel erkoren – und ist dabei ziemlich erfolgreich. Lichterloh in Flammen steht das Wildberries-Lager von Krasny Bor nahe Sankt Petersburg. Es wurde in der Nacht auf Dienstag von ukrainischen Drohnen getroffen, wie REUTERS berichtete. Am Montag traf es das Wildberries-Warenlager in Khryastovo in der russischen Region Wladimir, etwa 180 Kilometer östlich von Moskau. Auf einem verwackelten Handyvideo, das die BBC veröffentlicht hat, ist zu sehen und zu hören, wie eine propellergetriebene Drohne in einem Gebäude einschlägt und nur Sekundenbruchteile später ein riesiger Feuerball den Himmel erhellt. In der Nacht auf Dienstag schlugen dann weitere ukrainische Drohnen in Wildberries-Lagern in Sankt Petersburg und in der Region Twer ein. Und in der Stadt Samara brannte ein weiteres Lagerhaus des Online-Händlers vollkommen aus, sämtliche gelagerten Güter seien dabei vernichtet worden, so die russischen Behörden. Es war dies der bereits 18. erfolgreiche Angriff auf ein Lager des riesigen Online-Händlers, seit die Ukraine am 18. Juli begonnen hatte, die Liefer-Infrastruktur des als russisches Amazon
bezeichneten Unternehmens ins Visier zu nehmen.
Zudem wurden Ziele in russischen Städten getroffen. Die russische Stadt Rostow am Don wurde in der Nacht von einem schweren Drohnenangriff getroffen. Laut Gouverneur Juri Sljusar beschädigten Trümmer ein Umspannwerk und sorgten in mehreren Stadtteilen für Stromausfälle. Auch sechs Privathäuser wurden demnach beschädigt. Tote oder Verletzte gab es nach Sljusars Angaben nicht. Die Brände in einer Ölraffinerie im russischen Jaroslawl sind vollständig gelöscht, gab der Gouverneur der Region bekannt. Die Brände waren in der Nacht nach ukrainischen Drohnenangriffen ausgebrochen.
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