Zum Inhalt springen
Welt

Russische Angriffe legen Stromnetze und Energieanlagen in Kiew lahm

Nach massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Energieinfrastruktur sind in Kiew und zahlreichen Regionen der Ukraine Hunderttausende Haushalte ohne Strom. Die Angriffe vom 13. und 14. Oktober 2026 trafen unter anderem das Heizkraftwerk TETs-4, während die ukrainische Führung der US-Regierung vorwirft, durch ausbleibende Frühwarnungen die Angriffe zu begünstigen.

Russische Angriffe treffen Kiewer Energieanlagen und legen Stromnetze lahm

Die ukrainische Hauptstadt Kiew und umliegende Regionen wurden in der Nacht zum 14. Oktober 2026 von einer massiven Angriffswelle getroffen. Nach Angaben der ukrainischen Behörden setzte Russland 39 ballistische Raketen und mehr als 120 Kampfdrohnen ein, um gezielt das ukrainische Stromnetz zu zerstören. Betroffen waren unter anderem wichtige Versorgungseinrichtungen wie das Heizkraftwerk TETs-4 in Kiew sowie das Wärmekraftwerk Darnitskaya (WKW-4), das eine Kapazität von 160 Megawatt aufweist und den militärisch-industriellen Komplex der Hauptstadt versorgt. Das russische Verteidigungsministerium erwähnte zudem das Wärmekraftwerk CHPP-5 sowie CHPP-6, das Wärmekraftwerk Trypilska und das Umspannwerk Kyivska, welches die Ringstraße der Hauptstadt mit Strom aus Kernkraftwerken versorgt.

Kyiv Metro Halted After Russian Strikes Trigger Power Failure Across Ukraine’s Capital | Watch

Durch die Bombardements fielen in Kiew und sieben weiteren Regionen, darunter Dnipropetrowsk, Donezk, Saporischschja, Sumy, Charkiw, Chmelnyzkyj und Tschernihiw, die Stromversorgungen aus. Allein in der Hauptstadt und ihrem Umland waren nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj rund 600.000 Menschen ohne Strom und zeitweise auch von Wasserausfällen betroffen, da Pumpen ohne Elektrizität nicht arbeiten können. In der Metro von Kiew schaltete sich nach einem Treffer auf ein E-Werk das Notlicht ein, während Züge und Rolltreppen zum Stillstand kamen. Nach Angaben des ukrainischen Energiekonzerns Centerenergo war das Kraftwerk Smijewskaja, das neben Charkiw auch die Gebiete Poltawa und Sumy versorgt, bereits zuvor schwer zerstört worden, wobei das russische Militär Angriffe trotz früherer Meldungen über eine vollständige Zerstörung fortsetzte.

Vorwürfe aus Kiew und Streit um ausgebliebene US-Frühwarnungen

Inmitten der Angriffe erhob die ukrainische Staatsführung schwere Vorwürfe gegen Washington. Präsident Selenskyj und Regierungsvertreter beklagten, dass die USA beim Anflug ballistischer Raketen keine Warnungen an Kiew übermittelt hatten. Das ukrainische Ortungssystem habe die Geschosse erst kurz vor dem Einschlag erfasst. Die ukrainischen Luftstreitkräfte teilten mit, dass von den Partnern erneut keine Informationen über Raketenstarts auf russischem Gebiet eingegangen seien, während US-Präsident Donald Trump gegenüber Reportern erklärte, man übermittle weiterhin Aufklärung an Kiew.

Russische Angriffe legen Stromnetze und Energieanlagen in Kiew lahm
Foto: Der Standard

Das Ausbleiben der Datenübertragung fällt zeitlich mit Berichten zusammen, wonach die USA Druck auf Kiew wegen früherer Angriffe auf russische Ölraffinerien ausüben. Ein US-Regierungsvertreter bestritt jedoch Vorwürfe, dass sich die Haltung Washingtons beim Geheimdienstaustausch verändert habe. Zugleich berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung über Einschränkungen bei militärischen Satellitenabonnements des Systems Starshield, die direkt von der US-Regierung kontrolliert werden (wie die FAZ darlegt).

Zivile Opfer und Schäden im gesamten Land

Die neuerlichen Luftschläge forderten auch Menschenleben. In Kiew starben nach Angaben der Polizei mindestens fünf Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt, als ein neunstöckiges Wohngebäude im Stadtbezirk Desnjanskyj getroffen wurde und in Brand geriet. Auch in anderen Landesteilen wie der Region Dnipropetrowsk und Saporischschja meldeten die Zivilschutzbehörden Tote und Verletzte. Ukrainische Stellen zählten in der Hauptstadt neben den drei Heizkraftwerken erhebliche Schäden an insgesamt 26 Standorten des Stromnetzes sowie an vier Anlagen der Öl- und Gaswirtschaft.

Das UN-Menschenrechtsbüro und Hilfsorganisationen blicken mit großer Sorge auf die humanitäre Lage vor dem kommenden Winter. Danielle Bell, Leiterin der UN-Menschenrechtsbeobachtungsmission in der Ukraine, warnte vor denselben Herausforderungen im nächsten Winter, insbesondere bei einer Wiederaufnahme der Angriffe. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 registrierte man Dutzende Angriffe auf Heizkraftwerke sowie Hunderte auf Stromerzeugung und -übertragung. Experten und Netzbetreiber wie Ukrenergo-Chef Witalij Sajtschenko erklärten, dass zerstörte Hochspannungsmasten und schwer beschädigte Kraftwerke angesichts ausgebuchter Hersteller von Ersatzausrüstung nur langwierig oder durch Notlösungen ersetzt werden können.

Reaktionen aus Moskau und Forderungen nach neuen Sanktionen

Moskau brüstete sich offen mit den Treffern. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastruktur in Kiew und Charkiw und begründete dies mit deren Bedeutung für den ukrainischen Rüstungssektor. Das Ministerium meldete zudem die Abwehr von Hunderten ukrainischen Drohnen, während der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin ebenfalls von zahlreichen abgewehrten Drohnen im Anflug auf die Region Moskau berichtete.

Russische Angriffe legen Stromnetze und Energieanlagen in Kiew lahm
Foto: Visit Ukraine

Präsident Selenskyj rief den US-Präsidenten Donald Trump angesichts der demonstrativen Missachtung der von Washington geforderten Energie-Waffenruhe zu harten Sanktionen gegen Russland auf.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.