Eine neue Langzeitanalyse aus den USA zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen spätem Essen am Abend und einem erhöhten Risiko für Lebererkrankungen.
Daten aus drei US-Grosskohorten zeigen 30 Prozent Risikoanstieg
Wer nach dem Abendessen oder sogar erst nach dem Zubettgehen noch einmal zum Kühlschrank greift, riskiert nicht nur eine unruhige Nacht, sondern offenbar auch die langfristige Gesundheit der Leber.
Das belegen Auswertungen von fast 200.000 Menschen aus drei bekannten amerikanischen Langzeitstudien: der Nurses’ Health Study, der Nurses’ Health Study II und der Health Professionals Follow-up Study, wie die OHSU News berichteten. Die Teilnehmer dokumentierten über einen langen Zeitraum regelmäßig ihre Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.
Im Vergleich zu Personen mit geregelten Essenszeiten wiesen späte Esser eine um 20 bis 30 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, an einer Lebererkrankung zu erkranken. Im Fokus standen dabei die metabolisch bedingte steatotische Lebererkrankung (MASLD) — die früher als Fettleber bezeichnet wurde — sowie die Leberzirrhose, die schwerste Form vernarbten Lebergewebes.
Dr. Robert Wilechansky von der OHSU erklärte: „Einige Studien haben diesen Gedanken bereits angedeutet, aber dies gehört zu den ersten Langzeitanalysen, die den Zusammenhang mit der Fettlebererkrankung explizit herstellen.laut der OHSU News.

An der Untersuchung waren neben Wilechansky und McHill auch Kevin Casey, M.P.H., Dr. Andrew Chan, Ph.D., sowie Dr. Tracey Simon vom Massachusetts General Hospital in Boston beteiligt. Die Forscher analysierten die Daten über einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 16 Jahren, wobei die Teilnehmer im Median 59 Jahre alt waren und alle zwei bis vier Jahre Fragebögen ausfüllten.
Innnerer Rhythmus der Leber und veränderte Insulinempfindlichkeit
Die Leber arbeitet wie viele andere Stoffwechselorgane nach einem eigenen zirkadianen Rhythmus. Wenn Nahrung zugeführt wird, während der Körper eigentlich auf Schlaf und Ruhe programmiert ist, läuft die Verstoffwechselung weniger effizient ab. Everyday Health betonte, dass in der Nacht auch die Insulinsensitivität sinkt, was die Fett- und Glukoseverarbeitung erschwert.
Late-night eating may increase risk of fatty liver disease.https://t.co/4wIAe2OMZD pic.twitter.com/y0oPpcQOXh
Dr. Andrew W. McHill, Schlaf- und Zirkadianphysiologe sowie Mitautor der Studie an der Oregon Health & Science University (OHSU), verwies darauf, dass Schichtarbeiter ein ähnliches Muster zeigen. Durch den gestörten Tag-Nacht-Rhythmus kämpfen sie überproportional oft mit Fettleibigkeit, Diabetes und Herzleiden.
Ergebnisse und geplante Folgestudien in Oregon
Trotz der Grösse und der langen Laufzeit der Datensätze handelt es sich um eine rein beobachtende Studie. Ein direkter kausaler Beweis, dass ausschliesslich das späte Essen die Leberschäden verursacht, lässt sich daraus nicht ableiten, wie die Studienautoren selbst betonen. Andere Faktoren wie Gesamtkalorienzahl, Ernährung Qualität oder Bewegung flossen zwar in die statistischen Berechnungen ein, doch unerkannte Einflussfaktoren bleiben bestehen.

Experten werten den zeitlichen Faktor als neues Puzzleteil in der Ernährungsforschung und der sogenannten Chrononutrition. The Lund Report berichtete, dass das Forschungsteam um Wilechansky bereits Probanden für eine neue klinische Untersuchung rekrutiert. Diese soll genauer messen, ob frühere Essenszeiten messbare gesundheitliche Verbesserungen bei bestehenden Lebererkrankungen bewirken können.
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