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Gesundheit

Rheumakranke vor Infektionen schützen

Patienten mit rheumatischen Erkrankungen tragen aufgrund immunsuppressiver Therapien ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen, wie die Ständige Impfkommission (STIKO) in ihren aktuellen Leitlinien festlegt. Zur Prävention empfiehlt die STIKO insbesondere Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken und COVID-19, wobei der Zeitpunkt der Immunisierung entscheidend für die Wirksamkeit und Sicherheit ist.

Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus erythematodes erfordert oft den Einsatz von Medikamenten, die das Immunsystem gezielt dämpfen. Während diese Wirkstoffe die Gelenkzerstörung bremsen, schwächen sie gleichzeitig die Abwehr gegen bakterielle und virale Erreger. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) weist darauf hin, dass insbesondere biologische Therapien die Anfälligkeit für opportunistische Infektionen steigern.

Einfluss von Biologika und DMARDs auf das Infektionsrisiko

Die medikamentöse Therapie stützt sich heute oft auf Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs (DMARDs) oder Biologika. TNF-alpha-Inhibitoren, eine weit verbreitete Klasse von Biologika, blockieren ein Protein, das für die Koordination der Immunantwort essenziell ist. Dies führt dazu, dass der Körper Infektionen schlechter lokalisiert und bekämpft. Ein kritisches Risiko stellen dabei reaktivierte Infektionen dar. Laut klinischen Daten der DGRh können latente Tuberkulosen unter einer TNF-Blockade aktiv werden. Deshalb ist ein Screening auf Tuberkulose mittels IGRA-Test oder Tuberkulin-Test vor Beginn dieser Therapie zwingend vorgeschrieben. Auch JAK-Inhibitoren, eine neuere Klasse von zielgerichteten Medikamenten, erhöhen laut Zulassungsstudien das Risiko für Herpes-Zoster-Infektionen. Die präventive Impfung muss idealerweise vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie erfolgen, um eine optimale Immunantwort zu gewährleisten. Prof. Dr. med. Hans-Georg Schmidt, Rheumatologe an der Charité Berlin

Impfstrategien der STIKO für immunsupprimierte Patienten

Die Ständige Impfkommission (STIKO) unterscheidet strikt zwischen Totimpfstoffen und Lebendimpfstoffen. Totimpfstoffe, wie sie bei der Influenza- oder Pneumokokken-Impfung zum Einsatz kommen, gelten auch unter laufender Therapie als sicher. Die Wirksamkeit kann jedoch reduziert sein, da das Immunsystem weniger stark auf das Antigen reagiert. Lebendimpfstoffe, darunter die Gelbfieber-Impfung oder bestimmte MMR-Vakzine, stellen ein Risiko dar. Bei einer starken Immunsuppression können diese Impfstoffe eine systemische Infektion auslösen, anstatt nur eine Immunantwort zu provozieren. Die STIKO rät daher dazu, Lebendimpfungen entweder vor dem Start der Therapie oder in therapiefreien Intervallen durchzuführen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Pneumokokken-Impfung. Da Lungenentzündungen bei Rheumapatienten häufiger verlaufen und schwerwiegender sind, wird eine sequentielle Impfung mit verschiedenen Vakzinen empfohlen, um ein breites Spektrum an Serotypen abzudecken.

Überwachung und Früherkennung opportunistischer Infektionen

Neben der Vakzinierung ist ein engmaschiges Monitoring Teil des Behandlungsstandards. Ärzte achten auf unspezifische Symptome, da Immunsuppressiva oft die typische Entzündungsreaktion, wie etwa hohes Fieber, unterdrücken. Eine leichte Temperaturerhöhung kann bei einem Patienten unter Biologika bereits auf eine schwere systemische Infektion hindeuten. Ein Vergleich der Risikoprofile zeigt, dass die Kombinationstherapie aus Methotrexat und einem TNF-Inhibitor das Infektionsrisiko stärker erhöht als die Monotherapie mit einem dieser Wirkstoffe. Klinische Beobachtungen belegen, dass die Rate an schweren Infektionen in Kombinationsgruppen signifikant ansteigt. Zur weiteren Absicherung setzen Kliniken auf eine strikte Hygiene und die Schulung der Patienten. Dazu gehört die Information darüber, wann eine Therapie kurzzeitig pausiert werden muss, etwa bei einer akuten schweren Infektion, um dem Körper die Abwehr zu ermöglichen.

Aktueller Stand der mRNA-Vakzinierung 2026

Die Entwicklung von mRNA-Impfstoffen hat die Prävention bei Rheumapatienten verändert. Diese Impfstoffe sind keine Lebendimpfstoffe und können daher sicher während der Therapie verabreicht werden. Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass die Antikörpertiter bei Patienten unter B-Zell-depletierenden Therapien, wie Rituximab, langsamer ansteigen. Um diese Lücke zu schließen, diskutieren Fachgesellschaften über verkürzte Intervalle für Auffrischungsimpfungen in dieser spezifischen Patientengruppe. Die Herausforderung bleibt die Balance zwischen dem notwendigen Schutz der Gelenke und der Aufrechterhaltung einer funktionierenden Immunabwehr. Die langfristige Sicherheit neuer JAK-Inhibitoren wird weiterhin beobachtet, insbesondere im Hinblick auf die Häufigkeit von Gürtelrose. Patienten werden daher vermehrt auf die spezifische Herpes-Zoster-Impfung hingewiesen, bevor die Behandlung mit diesen Wirkstoffen beginnt. Bitte konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt oder Rheumatologen, um einen individuellen Impfplan zu erstellen, der auf Ihre spezifische Medikation und Ihren Gesundheitszustand abgestimmt ist.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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