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Welt

Rekord-El-Niño im Pazifik: Fachleute uneins über Folgen für Schweizer Winter

Ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis im Pazifik hat Anfang Oktober 2026 erstmals die 30-Grad-Marke bei den Meeresoberflächentemperaturen in der Region „Niño 3.4“ überschritten. Weltorganisationen und Klimaforscher erwarten eine weitere Verstärkung bis Dezember. Während das Phänomen weltweit extreme Wetterlagen und Ernteausfälle befeuert, bleibt ein direkter Einfluss auf den Schweizer Winter meteorologisch umstritten.”

Rekordtemperaturen in der Region Niño 3.4

Die klimatischen Bedingungen im äquatorialen Pazifik haben ein historisches Ausmaß erreicht. Oktober 2026 zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 die 30-Grad-Marke überschritten hat. Dieser Wert liegt 3,39 Grad über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020.

Der Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven erklärte, eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und sehr wahrscheinlich auch weit davor noch nie gegeben. Er spricht mittlerweile klar von einem außergewöhnlichen „Super“-Ereignis. Die starken El-Niños von 1997 und 2015 seien in dieser Region zu dieser Jahreszeit mehr als ein Grad Celsius kühler gewesen. Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestätigt die enorme Erwärmung: Für den Zeitraum Oktober bis Dezember geht die WMO von einer Differenz von rund 3,7 Grad über dem saisonalen Durchschnitt aus.”

Rekord-El-Niño im Pazifik: Fachleute uneins über Folgen für Schweizer Winter
Foto: Forschung und Wissen

Globale Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft

Die Auswirkungen dieser klimatischen Verschiebungen sind global spürbar. An der Westküste Südamerikas sowie in Teilen Ostafrikas steigt das Risiko von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Im östlichen und zentralen Pazifik erhöht sich das Risiko für Hurrikane, während in anderen Gebieten wie Australien, Indonesien und Teilen Südamerikas Dürren und Waldbrände drohen. Klimaforscherin Dr. Kim Cobb von der Brown-Universität betont, dass man sich auf ein „Worst-Case-Szenarioeinstellen müsse.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) warnt vor den sozialen Folgen. In Brasilien sind über 30 Millionen Minderjährige klimatischen Risiken ausgesetzt, die ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden bedrohen. Allein im Jahr 2024 beeinträchtigten Überschwemmungen in Rio Grande do Sul die Bildung von 741.000 Schülern, während die extreme Dürre im Amazonasgebiet 436.000 weitere Schüler schädigte. Auch Indien verzeichnete laut dem India Meteorological Department (IMD) in den vergangenen Monaten weniger Regen als üblich und erlebte den wärmsten August seit Messbeginn 1901.

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Debatte über die Folgen für Europa

In Europa warnen Meteorologen, dass El Niño den stratosphärischen Polarwirbel schwächen und so Voraussetzungen für anhaltende Kälteperioden schaffen könnte. Grahame Madge, Klimasprecher des britischen Wetterdienstes Met Office, bestätigte einen Zusammenhang zwischen El Niño und der Möglichkeit kälteren Wetters im späteren Winterverlauf. Jedoch betonen Experten wie der Meteorologe Peter Wick, dass eine Ableitung, man bekomme in der Schweiz einen besonders kalten oder schneereichen Winter, reine Spekulation sei.

Meteorologe Johannes Habermehl ergänzt, dass Europa keineswegs völlig unberührt bleibe. Typisch für starke El-Niño-Winter sei ein zweigeteiltes Bild: Im Frühwinter dominieren oft milde Westwinde, während bei einer Schwächung des Polarwirbels Hochdruckblockaden über dem Nordatlantik entstehen können, die eisige Polarluft nach Mitteleuropa leiten. Auch der knackige Winter 2009/10 lief unter El-Niño-Einfluss. Dennoch bleibt die Wahrscheinlichkeit eines ungewöhnlich kalten Winters ungewiss, da sich das Signal über dem Atlantik mit anderen Faktoren mischt.

Rekord-El-Niño im Pazifik: Fachleute uneins über Folgen für Schweizer Winter
Foto: Vietnam.vn

Langfristige Perspektiven und Hitzerekorde

Der europäische Klimadienst Copernicus meldete für September einen neuen globalen Rekord der Meeresoberflächentemperaturen von 21,05 Grad Celsius, was den Vorjahreswert um 0,13 Grad übertrifft. Experten weisen darauf hin, dass El Niño keine neue Wärme auf den Planeten bringt, sondern lediglich vorhandene Wärme freisetzt. Helge Gößling vom AWI ergänzt, dass 2027 im Jahresmittel einen noch höheren Allzeitrekord aufstellen könnte, ähnlich wie es 1998 und 2016 auf die starken Ereignisse von 1997 und 2015 folgte. Langfristig entscheidend für neue Hitzerekorde bleibt laut wissenschaftlicher Einschätzung die menschengemachte Erwärmung, da künftige El-Niño-Ereignisse auf einem immer höheren Ausgangsniveau aufsetzen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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