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Technik und Wissenschaft

Quallen legen Atomkraftwerke lahm

Gleichzeitig treibt Illinois in den USA den Neustart der Kernkraft voran.

Quallenmassen stoppen Reaktoren im französischen Kraftwerk Gravelines

Bereits im vergangenen Jahr ereignete sich ein ähnlicher Vorfall, der den Betrieb für zwei Tage lahmlegte. Um sich gegen eine Wiederholung zu wappnen, hatte der Betreiber im Vorfeld Kameras installiert und Fischerboote in Bereitschaft versetzt. Nun patrouillieren drei Fangschiffe rund um die Uhr vor der Küste, um die Quallen präventiv abzufischen und auf hoher See wieder freizulassen. Experten führen das massive Auftreten von Schwärmen auf steigende Wassertemperaturen zurück, die für die Tiere optimale Bedingungen schaffen.

Dürre zwingt das ungarische AKW Paks zu historischer Abschaltung

Während in Frankreich zu viele Meeresbewohner den Betrieb störten, sorgt in Mitteleuropa extreme Trockenheit für drastische Einschnitte. Ungarn kündigte an, sein einziges Kernkraftwerk Paks im Zentrum des Landes vollständig herunterzufahren. Grund ist der sinkende Pegel der Donau, der die Kühlwasserversorgung unmöglich macht. Ministerpräsident Peter Magyar erklärte, dass es sich um den ersten kompletten Stillstand in der 44-jährigen Geschichte des sowjetisch gebauten Vier-Reaktor-Blocks handelt.

Hungary plans to shut down only nuclear power plant amid drought
Photo: aljazeera.com

Die Leistung des Kraftwerks, das fast die Hälfte des ungarischen Strombedarfs deckt, brach am Freitag auf 965 Megawatt ein und sank über Nacht auf magere 240 Megawatt. Normalerweise liefert die Anlage rund 2.000 Megawatt. Kritisch ist ein Wasserstand von minus 134 Zentimetern am Pegel Paks, der eine Zwangsabschaltung auslöst. Der Fluss sinkt voraussichtlich sogar auf 144 Zentimeter und bricht damit den historischen Minusrekord von 98 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Die anhaltende Hitzewelle führt im ganzen Land bereits zu umfassenden Wassernutzungsbeschränkungen für über 100 Städte und Gemeinden.

Illinois öffnet nach fast vier Jahrzehnten die Tür für neue AKW

Völlig andere Vorzeichen herrschen im US-Bundesstaat Illinois, wo Gouverneur JB Pritzker mit der Unterzeichnung des Clean and Reliable Grid Affordability Act ein fast vierzigjähriges Moratorium für den Bau großer Kernkraftwerke beendete. Das Verbot stammte aus dem Jahr 1987 und war damals von dem damaligen Gouverneur James Thompson zeitgleich mit dem Bundesschritt zur Endlagerung im US-Bundesstaat Nevada beschlossen worden. Nachdem das Projekt um das Yucca-Bergwerk im Jahr 2010 politisch gestoppt wurde, blieb die Zwischenlagerung an den bestehenden Standorten jedoch ungelöst.

Quallen legen Atomkraftwerke lahm
Photo: aol.com

Das Land reagiert nun auf drohende Engpässe bei der Stromversorgung und will mit dem Bau von Reaktoren mindestens zwei Gigawatt zusätzliche Energie erzeugen. Neun lokale Gemeinschaften und Institutionen im Bundesstaat haben bereits ihr Interesse bekundet, neue Nuklearanlagen oder forschungsnahe Mikroreaktoren zu beherbergen. Laut Pritzker genießt die Atomkraft in der Region eine breite Akzeptanz, da elf bestehende Reaktoren an sechs Standorten bereits die Hälfte des dortigen Grundlaststroms erzeugen. Senatorin Sue Rezin betonte, dass die Diskussion sich grundlegend gewandelt habe.

„The conversation has shifted from whether we need nuclear to how we get the projects built.“

Sen. Sue Rezin

Indiana setzt auf ausgemusterte Kohlekraftwerke für Mini-Reaktoren

Im benachbarten Indiana geht die Entwicklung vor allem mit dem Umbau alter Kohleindustriestandorte einher. Der Energieversorger Indiana Michigan Power plant die Stilllegung der Kohleeinheiten des großen Rockport-Kraftwerks am Ohio River. Spencer County Commissioner Jim Seiler bezeichnete den vollständigen Wegfall des Betriebes als verheerend für die Schulen und die gesamte Region. Nun wird geprüft, ob sich der Standort für kleinere modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) eignet.

Quallen legen Atomkraftwerk in Frankreich lahm | AFP

Die Regierung von Gouverneur Mike Braun unterstützt den Vorstoß im Rahmen eines neuen Landesprogramms, das Gemeinden über Atomenergie aufklären und die Ansiedlung von Entwicklern erleichtern soll. Kritiker wie Kerwin Olson vom Citizens Action Coalition warnen allerdings, dass solche Projekte zu stark ins Geld gehen und die Strompreise für Verbraucher in die Höhe treiben könnten, zumal in den USA bislang noch kein SMR-Projekt im kommerziellen Betrieb vollendet wurde.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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