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Welt

Putin und Trump in Peking: China wird zur Weltmacht

Russlands Präsident Wladimir Putin besuchte im Mai 2026 Peking, nur wenige Tage nach dem Aufenthalt von US-Präsident Donald Trump. In der Großen Halle des Volkes inszenierte Chinas Staatschef Xi Jinping eine neue globale Hierarchie, in der Peking zum Gravitationszentrum aufsteigt, während Moskau und Washington zunehmend in eine Abhängigkeit von Chinas Gunst geraten.

Die neue Hierarchie in der Großen Halle des Volkes

Die neue Hierarchie in der Großen Halle des Volkes
cluster (priority): Ntv
Die diplomatische Choreografie in Peking lässt kaum Raum für Interpretationen: Xi Jinping ist derzeit der mächtigste Mann der Welt. Innerhalb einer Woche empfing er die Präsidenten der zwei größten Militärmächte des Westens und Ostens, wobei beide Gäste in der Großen Halle des Volkes fast wie Bittsteller wirkten. Während Donald Trump seinen chinesischen Amtskollegen mit Komplimenten überhäufte, setzte Xi klare politische Grenzen. Besonders deutlich wurde dies bei der Taiwan-Frage, die Xi als rote Linie markierte, deren falsches Management durch die USA unweigerlich zu einem Konflikt führen würde, wie taz.de berichtet. Interessant ist das unterschiedliche Protokoll der Besuche. Trump absolvierte einen offiziellen Staatsbesuch, während Putin lediglich zu einem Arbeitsbesuch nach China reiste. Trotz dieses formalen Unterschieds signalisierte Peking gegenüber Moskau eine tiefere, fast familiäre Vertrautheit. Die FAZ hebt hervor, dass Putin bereits am Flughafen vom einflussreichen Außenminister und Politbüromitglied Wang Yi empfangen wurde – ein ranghöherer Empfang als der von Trump, der vom Vizepräsidenten Han Zheng abgeholt wurde. „Mein lieber Freund, es gibt ein passendes chinesisches Sprichwort: Ein Tag getrennt voneinander fühlt sich an, als wären drei Herbste vergangen.“ Wladimir Putin, Russlands Präsident, via Spiegel Diese Inszenierung, die der Spiegel als Sonne beschreibt, um die alle anderen Planeten kreisen, dient Xi dazu, Trump zu schmeicheln und gleichzeitig zu demonstrieren, dass sein wahrer strategischer Partner in Moskau sitzt.

Russlands Abhängigkeit und das Scheitern der Gaspipeline

Russlands Abhängigkeit und das Scheitern der Gaspipeline
cluster (priority): IPG Journal
Hinter der Fassade der unerschütterlichen Beziehungen und der freundschaftlichen Kooperation verbirgt sich eine massive Asymmetrie. Russland tritt zwar weiterhin als Großmacht auf, doch die wirtschaftliche Realität im vierten Kriegsjahr ist düster. N-tv analysiert, dass Moskau abseits von Atomwaffen und Rohstoffen kaum noch konkurrenzfähig ist. Die Sanktionen und gezielte ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und Öltanks haben das Land isoliert und in eine existenzielle Abhängigkeit von Peking getrieben. China ist mittlerweile der weltweit wichtigste Abnehmer russischer Rohstoffe. Diese Machtposition nutzt Xi konsequent aus. Ein prominentes Beispiel ist die Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“. Obwohl Putin dieses Projekt seit Jahren forciert, wurde es auch bei seinem 25. China-Besuch nicht durchgewunken. Xi lässt Moskau spüren, dass die strategische Partnerschaft nach seinen Regeln funktioniert. Die Diskrepanz zeigt sich auch in den harten Daten:
Faktor Russische Föderation Volksrepublik China
Bevölkerung Rückläufige Geburtenrate und Lebenserwartung Rund 1,4 Milliarden Einwohner
Wirtschaftsstruktur Starke Abhängigkeit von Rohstoffexporten Aufstrebende globale Wirtschaftsmacht
Geopolitischer Status Isoliert, auf chinesische Gunst angewiesen Zentraler Vermittler und Machtzentrum

Die Vision der „Großen Drei“ gegen die „Großen Zwei“

Putin Gets Trump Treatment From Xi in China
In den Gesprächen prallen grundlegend verschiedene Vorstellungen einer neuen Weltordnung aufeinander. Putin spielt bewusst mit der Idee einer Weltordnung der „großen Drei“, in der Moskau, Peking und Washington die zentralen Achsen der Weltpolitik bilden. Laut Analysen des IPG Journals sieht Putin in China den wichtigsten Pfeiler dieser multipolaren Ordnung. Seine aktuelle Rhetorik knüpft dabei direkt an seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz von 2007 an, in der er bereits das Ende der westlichen Hegemonie prophezeite. Donald Trump hingegen verfolgt eine völlig andere Logik. Er beschreibt die Welt eher als ein System der „großen Zwei“, in dem für Russland kein Platz in der ersten Reihe vorgesehen ist. Diese Differenz macht die Position Chinas noch stärker: Xi kann beide Seiten bespielen, während Putin versucht, seine Relevanz durch die Nähe zu Peking zu retten. Trotz der Unterzeichnung von rund vierzig Absichtsabkommen bleibt die Beziehung zwischen Moskau und Peking eine Zweckgemeinschaft, die primär durch die gemeinsame Ablehnung des US-geführten Westens zusammengeschweißt wird.

Strategische Stabilität und das Iran-Dilemma

Strategische Stabilität und das Iran-Dilemma
cluster (priority): Spiegel
Xi Jinping verfolgt ein doppeltes Spiel. Gegenüber den USA vereinbart er eine „konstruktive strategische Stabilität“, um Zeit zu gewinnen und ein Patt zu erzeugen. Gleichzeitig vertieft er die Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran, um ein „gerechteres und vernünftigeres System globaler Ordnung“ aufzubauen, wie Xi es formulierte. Besonders kritisch ist die Rolle Pekings im Kontext des Iran-Konflikts. China agiert hier nicht als neutrale Friedensmacht. Während staatliche Unternehmen die iranische Regierung mit Überwachungstechnik versorgen, drängt Xi gleichzeitig auf ein Ende der Kampfhandlungen. Der Grund ist pragmatisch: Die Sperrung der Straße von Hormus schadet der chinesischen Exportwirtschaft und gefährdet die Energieversorgung. Die aktuelle Lage zeigt, dass China die Instabilität im Westen und die Verstrickung der Nuklearmächte in regionale Kriege nutzt, um seine eigene Position zu festigen. Xi sieht darin eine historische Chance, das Fundament des gegenseitigen Vertrauens mit seinen Partnern im Osten zu stärken, während er die demokratischen Staaten in einem Zustand der Orientierungslosigkeit lässt. Was bleibt, ist das Bild einer Welt, in der das Recht des Stärkeren wieder offener gilt als seit Jahrzehnten. China wird nicht die multilaterale Weltordnung stürzen, aber es interpretiert ihre Regeln so, dass sie den eigenen Interessen dienen – sei es bei der Annexion Taiwans oder der Unterstützung Russlands Kriegsmaschinerie als größter Energielieferant.
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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