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Technik und Wissenschaft

Voyager 1: Befehlszyklus dauert fast zwei Tage ab November 2026

Die NASA-Sonde Voyager 1 hat eine Distanz erreicht, bei der ein Funksignal über 23 Stunden benötigt, um die Erde zu erreichen. Im November 2026 wird sie als erstes menschengemachtes Objekt die Marke von einem Lichttag Distanz überschreiten. Dies bedeutet, dass ein einfacher Befehlszyklus nun fast zwei volle Tage in Anspruch nimmt.

Die Kommunikation mit Voyager 1 gleicht heutzutage weniger einem Telefonat als vielmehr dem Versenden eines Briefes. Die im September 1977 gestartete Sonde befindet sich mittlerweile etwa 16 Milliarden Meilen von der Erde entfernt und rast mit einer Geschwindigkeit von rund 38.000 Meilen pro Stunde vom Sonnensystem weg. Die physikalische Distanz hat eine operative Grenze erreicht, die das Zeitmanagement der Ingenieure am Jet Propulsion Laboratory (JPL) grundlegend verändert.

Die operative Herausforderung der Lichttag-Distanz

Die operative Herausforderung der Lichttag-Distanz
Befehl Signal

Die Projektionen von Space Daily weisen darauf hin, dass Voyager 1 Mitte November 2026 einen symbolischen, aber operativ bedeutsamen Meilenstein erreichen wird: den Abstand von einem vollen Lichttag zur Erde. Diese Distanz entspricht etwa 25,9 Milliarden Kilometern. Ab diesem Zeitpunkt benötigt ein Signal exakt 24 Stunden für den einen Weg.

Für das Team am Boden bedeutet dies, dass jeder einzelne Befehl und jede darauf folgende Antwort mindestens 48 Stunden Zeit beanspruchen. Es ist eine Latenz, die keinen Raum für schnelle Fehlerkorrekturen lässt. Während die Schwestersonde Voyager 2 auf einer anderen Trajektorie und mit geringerer Geschwindigkeit unterwegs ist, wird sie diesen Meilenstein voraussichtlich erst im November 2035 erreichen – ein Zeitpunkt, an dem sie vermutlich nicht mehr sendefähig sein wird.

Die Komplexität ergibt sich jedoch nicht nur aus der Zeitverzögerung. Da sich the Sonde mit etwa 17 Kilometern pro Sekunde relativ zur Sonne bewegt, legt sie in den 23,5 Stunden, die ein Signal zur Erde benötigt, weitere 1,4 Millionen Kilometer zurück. Die Daten, die heute in einer Antenne des Deep Space Network landen, wurden an einem Ort ausgesendet, den die Sonde bereits weit hinter sich gelassen hat.

Interstellares Dial-up und die technische Begrenzung

Die technische Herausforderung wird durch eine extrem geringe Bandbreite verschärft. Laut Berichten von news.google.com ist die Übertragungsrate von Voyager 1 mit etwa 160 Bits pro Sekunde vergleichbar mit einem alten Dial-up-Internetanschluss. Da die Signalstärke mit zunehmender Entfernung abnimmt, sind massive Antennenarrays notwendig, um die schwachen Impulse überhaupt noch aufzufangen.

„Wenn ich an einem Montagmorgen um 8 Uhr einen Befehl sende und sage: ‚Guten Morgen, Voyager 1‘, werde ich die Antwort von Voyager 1 am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr erhalten.“
Suzy Dodd, Projektmanagerin bei NASAs Jet Propulsion Laboratory

Um diese extremen Bedingungen zu überstehen, wurde Voyager 1 so konstruiert, dass sie die meisten unvorhergesehenen Ereignisse autonom handhabt. Sollte ein kritisches Problem auftreten, versetzt sich die Sonde in einen sicheren Zustand, um auf Anweisungen von der Erde zu warten, während die Ingenieure die Zeitspanne von zwei Tagen für eine Analyse überbrücken müssen.

Reparatur aus der Ferne nach dem Speicherausfall

Reparatur aus der Ferne nach dem Speicherausfall
cluster (priority): Universe Space Tech

Die Fragilität dieser Verbindung wurde im November 2023 deutlich, als Voyager 1 aufhörte, kohärente wissenschaftliche und technische Daten zu senden. Die Ursache war ein einzelner defekter Speicherchip in einem der drei Bordcomputer. Da eine physische Reparatur in der interstellaren Leere unmöglich ist, mussten die Ingenieure einen komplexen Workaround finden: Die betroffene Software wurde in kleinere Teile zerlegt und in verschiedenen Abschnitten des Computerspeichers neu abgelegt.

Da keine funktionierenden Hardware-Simulatoren für die uralte Technik existieren, musste die Qualitätssicherung manuell erfolgen. Linda Spilker, die leitende Wissenschaftlerin für Voyager 1 am JPL, beschrieb diesen Prozess als eine Art traditionelle Durchsicht.

„Drei verschiedene Personen gingen den Patch des Codes, den wir hochsenden wollten, Zeile für Zeile durch und suchten nach Dingen, die sie übersehen haben könnten.“
Linda Spilker, Projektwissenschaftlerin am JPL

Spilker bezeichnete dies als „eine Art reine Sichtprüfung der Software, die wir hochgesendet haben“. Der Patch erreichte die Sonde am 18. April 2024, und zwei Tage später, am 20. April, bestätigte das Signal aus der Tiefe des Alls, dass die Modifikation wie gewünscht funktionierte.

Energiehaushalt und das Ende der Instrumente

Energiehaushalt und das Ende der Instrumente
cluster (priority): Space Daily

Trotz der erfolgreichen Software-Rettung kämpft die Sonde gegen einen unaufhaltsamen physikalischen Prozess: die Erschöpfung ihrer Energiequelle. Die Radioisotopen-Thermoelektrik-Generatoren (RTG) verlieren kontinuierlich an Leistung, was die NASA zwingt, wissenschaftliche Instrumente systematisch abzuschalten, um die Kernfunktionen aufrechtzuerhalten.

Wie Universe Space Tech berichtet, wurde am 17. April 2026 der Detektor für geladene Teilchen niedriger Energie (LECP) an Bord von Voyager 1 deaktiviert. Diese Maßnahme war geplant und notwendig, um die verbleibende Energie für andere Systeme zu sichern.

Die Liste der bereits ausgeschalteten oder deaktivierten Systeme ist lang:

  • Imaging Science Subsystem (ISS): Weitwinkel- und Telekameras (Februar 1990)
  • Infrared Interferometer Spectrometer (IRIS): (Juni 1998)
  • Plasma Science (PLS): Aufgrund degradierter Leistung (Februar 2007)
  • Low-Energy Charged Particles (LECP): (April 2026)

Es ist wahrscheinlich, dass die verbleibenden Instrumente innerhalb der nächsten Jahre vollständig ausfallen werden. Dennoch bleibt Voyager 1 ein technologisches Wunderwerk, das seit fast 49 Jahren operiert und uns Daten aus Regionen liefert, die kein anderes menschengemachtes Objekt je erreicht hat. Die kommenden Monate bis zum Erreichen des Lichttags im November 2026 markieren das letzte Kapitel einer Mission, die die Grenzen unseres Verständnisses von Raum und Zeit buchstäblich ausdehnt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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