Der Verkauf der Porsche-Beratungstochter MHP an den indischen IT-Konzern Tata Consultancy Services stößt bei Mitgründer Lutz Mieschke auf scharfe Kritik. Der am 24. August 2026 unterzeichnete Vertrag bewertet das Unternehmen mit 320 Millionen Euro – eine Summe, die der frühere Gesellschafter angesichts des Umsatzes und historischer Bewertungen als Schande bezeichnet.
Der Autobauer Porsche hat seine Management- und IT-Beratungstochter MHP an die indische Tata-Group verkauft. August 2026 von der Tata Consultancy Services mit Sitz in Mumbai unterzeichnet. Während der Schritt offenbar Teil der Strategie des Mutterkonzerns VW war, reagiert einer der beiden Gründer des Unternehmens fassungslos auf den Deal.
MHP-Mitgründer Lutz Mieschke kritisiert Tata-Deal scharf
MHP wurde im Jahr 1996 im baden-württembergischen Ettlingen von Ralf Hofmann und Lutz Mieschke gegründet; der Firmenname leitet sich von „Mieschke, Hofmann und Partner ab. Lutz Mieschke – der nicht mit dem früheren Finanzvorstand der Porsche AG, Lutz Meschke, verwechselt werden darf – war bereits 2007 als Geschäftsführer zurückgetreten und hatte 2010 seine Gesellschafteranteile abgegeben. Mit dem aktuellen Verkauf an den indischen Konzern ist er jedoch absolut nicht einverstanden.
In einem am 24. August auf LinkedIn veröffentlichten Beitrag machte der Mitgründer seinem Ärger Luft. Er betonte, dass der wahre Wert des Unternehmens nicht in einer Börsenmitteilung liege, sondern in seinen Menschen und seiner Kultur
.
Bewertung von 320 Millionen Euro für MHP wirft Fragen auf
Im Zentrum der Kritik von Lutz Mieschke steht der offizielle Kaufpreis. Laut einer Mitteilung an die Börse in Mumbai wurde der Unternehmenswert von MHP bei der Transaktion mit 320 Millionen Euro beziffert. Der Gründer zeigt sich angesichts dieser Zahl fassungslos: Für eine Beratung mit rund 5.000 Mitarbeitern und über 700 Millionen Euro Jahresumsatz. Im Ernst!
Mieschke verweist in seiner Abrechnung auf frühere Bewertungen und Transaktionen. Demnach hatte die WirtschaftsWoche berichtet, dass der Wert des Unternehmens vor der Komplettübernahme durch Porsche noch bei rund 1,5 Milliarden Euro gelegen haben soll. Auch im Vorjahr, als erste Verkaufspläne die Runde machten, sei der Wert mit über einer Milliarde Euro beziffert worden.
Zudem weist der Gründer darauf hin, dass Porsche die verbleibenden Anteile von 18,2 Prozent des Mitgründers Ralf Hofmann im Jahr 2024 zu Konditionen erworben hatte, die ebenfalls einen Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro implizierten. Demgegenüber stehe nun ein Gesamtwert von 320 Millionen Euro für 100 Prozent der Anteile, ergänzt um eine angebliche Umsatzgarantie von Porsche in Höhe von über 1 Milliarde Euro.
Blick auf historische Bewertungen und offene Fragen
Die Diskrepanz zwischen früheren Bewertungen und dem aktuellen Transaktionswert war zuvor bereits von Medien beleuchtet worden. Die WirtschaftsWoche hatte die Frage aufgeworfen, ob der MHP-Unternehmenswert vom damaligen Porsche-Finanzchef Lutz Meschke womöglich zu hoch angesetzt worden war, um dem Vertrauten Ralf Hofmann einen überhöhten Preis für dessen verbliebene 18 Prozent zu zahlen.
Lutz Mieschke greift diese Fragestellung in seinem LinkedIn-Post auf, bezeichnet sie jedoch ausdrücklich als Gedankenexperiment
, da ihm detaillierte Einblicke in die Verträge fehlen. Seine persönliche Schlussfolgerung bleibt dennoch hart: Dieser Preis wird dem, was Generationen von MHPlern aufgebaut haben, nicht gerecht. Das ist meiner Meinung nach eine Schande, und es tut mir sehr leid für alle, die zum 30-jährigen Erfolg von MHP beigetragen haben!