Die Bank of Japan hat ihren Leitzins auf 1,25 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit 1995. Entgegen gängigen ökonomischen Mustern schwächten sich die Renditen japanischer Staatsanleihen und der Yen ab, während der Nikkei 225 zulegte. Auslöser waren zwei abweichende Stimmen im Board, die auf eine weniger aggressive Geldpolitik hindeuten.
Die japanischen Finanzmärkte zeigten am Freitag eine bemerkenswerte Dynamik, als die Bank of Japan (BOJ) ihren Leitzins auf 1,25 Prozent erhöhte. Normalerweise führen Zinserhöhungen zu einem stärkeren Yen, steigenden Anleiherenditen und fallenden Aktienkursen. In Tokio passierte jedoch das genaue Gegenteil. Die japanische Währung gab nach, die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen sanken, und der Aktienmarkt reagierte mit Kursgewinnen.
Überraschende Dissidenten im BOJ-Board dämpfen Straffungserwartungen
Der Hauptgrund für die unkonventionelle Marktreaktion lag in einer überraschenden Spaltung der Notenbanker. Die Entscheidung zur Zinserhöhung fiel mit einer 7:2-Mehrheit. Die zwei abweichenden Stimmen zugunsten unveränderter Zinsen kamen überraschend, erklärte Hirofumi Suzuki, Chef-FX-Strategiedirektor bei der Sumitomo Mitsui Banking Corporation, wie CNBC berichtete.
Die beiden Ratsmitglieder Toichiro Asada und Ayano Sato stimmten gegen den Schritt. Asada argumentierte, dass die Kernteuerung unter zwei Prozent liege und die wirtschaftliche Lage keinen strafferen Kurs rechtfertige. Die Inflationsrate für den Monat August lag bei 1,7 Prozent und war damit gegenüber dem Juli-Wert von 1,8 Prozent leicht rückläufig. Sato betonte zudem, dass sich die Wirtschafts- und Preisentwicklung im Vergleich zum Vormonat kaum beschleunigt habe.
Die Zinserhöhung selbst entsprach den Markterwartungen, aber die beiden abweichenden Stimmen waren eine müde Überraschung. Das Ergebnis hat die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen etwas gedämpft und einen dovish Eindruck vermittelt. Hirofumi Suzuki, Chef-FX-Stratege bei SMBC
Nikkei-Rallye und Reaktionen am Devisenmarkt
Infolge der Beschlüsse geriet der Yen deutlich unter Druck. September. Der schwächere Yen trieb im Gegenzug die exportorientierten japanischen Aktien an. Der Nikkei-Index kletterte um 1,7 Prozent auf 65.221,53 Punkte und überwand damit erstmals seit mehr als einer Woche die psychologisch wichtige Marke von 65.000 Zählern. Vor allem Technologiewerte profitierten stark von dieser Entwicklung; Chiphersteller wie Lasertec und Advantest verzeichneten Kurssprünge von 9 Prozent beziehungsweise 7,3 Prozent.
Auch die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) reagierten differenziert.
Ausblick auf den geldpolitischen Kurs von Gouverneur Ueda
Experten richten ihren Blick nun auf den weiteren Zisnpfad und die künftigen Äußerungen von BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die japanische Notenbank in den kommenden Quartalen in Schritten von jeweils 25 Basispunkten weiter anziehen könnte. Sam Jochim, Ökonom bei EFG International, rechnet mit Zinsschritten im Abstand von etwa drei Monaten, bis die zugrundeliegende Inflation die Zwei-Prozent-Marke erreicht. Er prognostiziert einen Endzins zwischen 1,75 Prozent und 2 Prozent im Jahr 2027.

Dennoch mahnen Analysten zur Vorsicht. Kanako Nakamura, Ökonomin beim Daiwa Institute of Research, wies daraufhin, dass die Abweichlerstimmen im Board zeigen, dass politischer Druck auf die Notenbank weiter existiert. Zudem bleibt abzuwarten, wie stark geopolitische Risiken und hohe Rohölpreise aus dem Nahen Osten das Wachstum bremsen werden; die Notenbank selbst räumte ein, dass diese Faktoren das wirtschaftliche Tempo dämpfen können.
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