OpenAI führt Werbung bei ChatGPT in der Schweiz ein. Betroffen sind ab heute, dem 24. August, kostenlose Konten sowie das Einstiegsabo Go für rund acht Franken bzw. acht Euro. Teurere Tarife wie Plus und Pro bleiben werbefrei.
Der Umbruch im Alltag von KI-Nutzern ist da. Seit heute, dem 24. August, bekommen Anwender in der Schweiz Werbung im ChatGPT-Interface angezeigt. Die Schweiz gehört laut dem «SRF» zu 31 europäischen Märkten, in denen Anzeigen starten. Deutschland gehört dazu, ebenso Österreich sowie Frankreich, Italien, Spanien, Polen, die Benelux-Staten und Skandinavien. Nach fast drei Jahren ohne Reklame führt OpenAI nun auch in Europa Anzeigen ein. Damit vollzieht OpenAI einen spürbaren Strategiewechsel, den das Unternehmen in den USA bereits seit sechs Monaten erprobt. Nach Angaben von «SRF» nutzen weiterhin mehr als 80 Prozent der monatlich über eine Milliarde Anwender die kostenlose ChatGPT-Version. Die hohen Betriebskosten der KI-Systeme erhöhen zugleich den Druck auf OpenAI, weitere Einnahmequellen zu erschliessen. Das «Manager Magazin» verweist neben Werbung auch auf günstigere Einstiegsabonnements als Teil dieser Strategie.
Wer von der Neuerung betroffen ist und welche Konten werbefrei bleiben
Die neue Werbeschaltung betrifft keineswegs nur das rein kostenlose Modell des Chatbots. Auch wer sich für das günstigere Einstiegsabo Go entscheidet, das monatlich mit rund acht Franken beziehungsweise acht Euro zu Buche schlägt, muss künftig mit Einblendungen leben. Wer dagegen einen der höherwertigen Tarife nutzt, bleibt verschont. Werbefrei bleiben nur die Tarife Plus für 23 Euro monatlich, das deutlich teurere Pro-Abo (103 Euro) sowie die Geschäftskunden-Angebote Business, Enterprise und Edu.

Zugleich hat OpenAI Ausnahmen definiert. Personen, die das Unternehmen als jünger als 18 Jahre einschätzt, sollen laut Unternehmensangaben keine Reklame ausgespielt bekommen. Gleiches gilt für sogenannte temporäre Chats, deren Inhalte nicht im normalen Chatverlauf gespeichert werden. Wie die Einblendungen aussehen, zeigt das Beispiel: Eine Frage nach dem passenden Reiseziel im Herbst, eine Antwort in drei Absätzen – und darunter, abgetrennt eine Anzeige für Flüge. Die Anzeige erscheint unmittelbar unterhalb der eigentlichen Antwort, abgetrennt durch eine graue Linie und gekennzeichnet als „gesponsert“.
Datenschutz und personalisierte Werbung im europäischen Raum
Angesichts der tiefen Einblicke, die Nutzer in ihren Unterhaltungen mit KI-Systemen gewähren, stehen Fragen des Datenschutzes im Vordergrund. OpenAI betont, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Chatverläufe oder persönliche Daten erhalten. Zudem sollen Anzeigen keinen Einfluss darauf haben, welche Antworten ChatGPT erzeugt.

Zum Start in Europa soll die Werbung nicht individuell personalisiert werden. Laut dem «Spiegel» können jedoch das aktuelle Gesprächsthema sowie begrenzte Informationen wie ungefährer Standort und Gerätetyp berücksichtigt werden. Für den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz ist personalisierte Werbung nach den aktuellen Angaben zunächst nicht verfügbar. OpenAI erklärt, dass frühere Chats und Erinnerungen zunächst nicht zur Auswahl dieser Anzeigen verwendet werden. Grundsätzlich kann OpenAI personalisierte Anzeigen künftig anhand bestimmter Nutzersignale auswählen, wofür Nutzer entsprechende Einstellungen beziehungsweise Funktionen aktivieren müssten. Werbung kann zudem bei bestimmten sensiblen Themen wie Politik oder psychischer Gesundheit ausgeschlossen werden.
Marktforscher sehen verhaltene Nutzerakzeptanz und Risiken für Firmen
Die Einführung stösst in der Praxis auf ein eher verhaltenes Echo. Ein Team der Hochschule Luzern hat gemeinsam mit der Tessiner Agentur Linkfloyd bei Personen in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Italien Entwürfe von Werbeformaten auf Chat-GPT getestet. Die Reaktionen sind eher ernüchternd. «Grundsätzlich möchten die Nutzer keine Werbung haben, und wenn schon, dann Bannerwerbung und keinesfalls Anzeigen, die direkt in den Gesprächsfluss eines KI-Chatbots eingebettet sind», sagt Sophie Hundertmark von der Hochschule Luzern.

Ausserdem variiert die Akzeptanz je nach Branche stark. «Die Akzeptanz unterscheidet sich auch stark je nach Branche. Bei Reisen oder Software ist sie viel grösser als bei Finanzen, Gesundheit oder Mode», so Hundertmark. Für Unternehmen bedeute das, dass sie sehr vorsichtig vorgehen sollten, so die Forscherin. Da Werbung auf Chat-GPT vorerst eine tiefe Akzeptanz habe, könne sie aufdringlich und kontraproduktiv wirken. Zudem gebe es gerade in der Schweiz eine grosse Bereitschaft, auf ein Bezahl-Abo zu wechseln, um keine Werbung angezeigt zu bekommen.
«Werbekunden werden deshalb mit ihren Botschaften vor allem Menschen erreichen, die aufs Geld schauen müssen», sagt Hundertmark. Für eine Firma, die sich an Zielgruppen mit weniger Einkommen richtet beziehungsweise günstigere Produkte anbietet, sei das sicher okay. Für Banken, die ihre Hypotheken anpreisen, werde Werbung auf Chat-GPT eher nicht funktionieren. Derzeit sei auch noch nichts darüber bekannt, wie Werbekunden von Chat-GPT steuern können, welche Kundengruppen ihre Botschaften zu sehen bekommen. Laut Hundertmark unternehmen Firmen derzeit grosse Anstrengungen, ihre Produkte und Dienstleistungen auf der Webseite so zu beschreiben, dass diese von KI-Chatbots überhaupt wahrgenommen oder sogar empfohlen werden. Wenn man dann auch noch im richtigen Kontext auftauchen möchte, müsse man besonders viel Aufwand betreiben. «Banken zum Beispiel möchten sichtbar sein für Menschen, die gerade geerbt haben beziehungsweise wohlhabend sind, und weniger für Menschen, die kurz vor dem Privatkonkurs stehen.»
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