Friedrich Merz reiste am Sonntag zu einem Überraschungsbesuch nach Kiew, während Russland die Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt mit ballistischen Raketen und raketengetriebenen Drohnen massiv verstärkte.
Angesichts der anhaltenden Luftangriffe haben die Ukraine und Deutschland ein 1,5-Milliarden-Dollar-Abkommen zur Bekämpfung russischer Drohnenangriffe besiegelt.
Milliardenabkommen in Kiew besiegelt
Bundeskanzler Friedrich Merz traf am Sonntag zu einem unangekündigten Solidaritätsbesuch in Kiew ein und wurde bei seiner Ankunft laut der Agentur Reuters von Luftalarm und Explosionen begrüßt (Bericht über den Besuch). Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird zudem ein Abkommen über die gemeinsame Produktion verschiedener Drohnentypen finalisiert. Die Kooperation setzt auf gemeinsame technologische Entwicklung.
Laut Zamon.uz reiste Merz in Begleitung einer Delegation, der die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie die Leiter von Unternehmen wie Siemens Energy, Hensoldt, Diehl Defence und Quantum Systems angehörten. Merz betonte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy, dass Deutschland als Europas größter Unterstützer fest an der Seite Kiews stehe. Laut Zamon.uz besuchten Merz und Zelenskyy zudem das Gebäude der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, das in der Vorwoche durch einen russischen Drohnenangriff beschädigt worden war und bei dem laut dieser Quelle mindestens zwei Menschen getötet wurden; Reuters berichtete ebenfalls über diesen Besuch. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete ferner, dass Merz forderte: Mr. Putin, put an end to this senseless war.
We are ready for negotiations, but attacks against Ukrainian civilians must stop.
„Die Ukraine steht vor entscheidenden Wochen. Deshalb bin ich heute nach Kiew gereist mit der Botschaft: Ihr könnt euch auf uns verlassen. Deutschlands Sicherheit hängt auch vom Ausgang dieses Krieges ab. Deshalb helfen wir auch aus eigenem Interesse.“
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Nordbrücke bei Angriffen getroffen
Die russischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf die Verkehrswege der ukrainischen Hauptstadt im Zuge einer viertägigen Serie von Drohnenschlägen intensiviert. Am Sonntagmorgen traf eine Drohne den Pivnichnyi-Brücke (Nordbrücke) zum zweiten Mal in Folge, wobei laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko und der BBC zwei Personen verletzt wurden. Laut der BBC verzeichnete auch die Pivdennyi-Brücke (Südbrücke) im Laufe der Woche mehrere Treffer.
Die Infrastruktur über den breiten Dnipro-Fluss verbindet den westlichen und östlichen Teil der Millionenstadt, in der laut der BBC schätzungsweise drei millionen Menschen leben, von denen viele stark auf U-Bahnen und Züge angewiesen sind. Nach Angaben der BBC-Berichterstattung nutzen täglich zahlreiche Fahrzeuge die Brücken. Mehrere Brücken wurden durch die anhaltenden Angriffe beschädigt oder teilweise gesperrt, was im morgendlichen Berufsverkehr zu massiven Staus führte. Laut Zamon.uz wurden am Sonntagmorgen viermal Luftalarme in Kiew ausgerufen, während in verschiedenen Teilen der Stadt Explosionen und Luftabwehrgeräusche zu hören waren.

Ein Anwohner namens Roman beschrieb die Situation gegenüber der BBC mit den Worten: To get from the left bank to the right one and back – it’s just hell
. Neben den Verkehrswegen traf eine separate russische Drohnenattacke laut Klitschko eine Fernwärmeleitung, wodurch es im nordöstlichen Stadtteil Desnyanskyi vorübergehend an Warmwasser mangelte.
Luftangriffe im Umland treffen Regionen
Die Bombardements beschränken sich nicht nur auf das Zentrum von Kiew. Die ukrainische Luftwaffe meldete, dass Russland über Nacht insgesamt 135 Drohnen, darunter 52 raketengetriebene Modelle, gestartet hatte. Laut dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskyy forderte ein Angriff auf ein Lagerhaus in der nordöstlichen Region Sumy ein Menschenleben, während im zentralen Dnipro sechs Personen nach dem Treffer auf eine Kommunikationsanlage verletzt wurden (Angaben zu den Luftangriffen).
Zuvor hatte das russische Außenministerium gewarnt, dass massive Vergeltungsschläge gegen Kiew und andere ukrainische Städte fortgesetzt werden, und ausländische Staatsbürger sowie Diplomaten zum Verlassen des Landes aufgefordert (eine ähnliche Warnung war im Mai erfolgt).
Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte unterdessen mit, dass die Vereinigten Staaten technische Gespräche mit beiden Kriegsparteien über ein Ende des Krieges vorschlagen (Angaben zu diplomatischen Schritten). Ob diese Initiative zu konkreten Verhandlungen führt, ist angesichts der fortgesetzten Angriffe und der verhärteten Fronten im über vier Jahre andauernden Konflikt bislang offen.

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