Österreichs Bildungssystem verzeichnet bei den Kernkompetenzen Lesen und Mathematik einen historischen Tiefstand, während Naturwissenschaften einen leichten Aufwärtstrend zeigen.
Die schulischen Leistungen in Österreich geraten massiv unter Druck. Die jüngste Auflage des PISA-Tests der Industriestaatenorganisation OECD zeigt in den Kernfächern eine stark rückläufige Entwicklung beim Lesen und Rechnen. Während die 15- bis 16-Jährigen im Bereich der Naturwissenschaften einen leichten Aufwärtstrend verzeichnen, stürzten die Kompetenzen in den vergangenen drei Jahren drastisch ab.
Ergebnisse der PISA-Studie und historische Tiefstände
Die veröffentlichten Daten zeichnen ein düsteres Bild der schulischen Basiskompetenzen. Die am Dienstag veröffentlichte PISA-Studie stellt dem heimischen Schulsystem weiterhin ein schlechtes Zeugnis aus. Im Fach Mathematik sank die Leistung innerhalb von drei Jahren um zehn Punkte. Noch gravierender fällt der Einbruch beim Lesen aus, wo ein Minus von 13 Punkten registriert wurde. Beide Werte bedeuten jeweils einen neuen Tiefststand für das österreichische Bildungssystem.
Besonders kritisch zeigt sich der Umstand, dass gerade einmal 72 Prozent der Jugendlichen das erforderliche Mindestniveau beim Lesen erreichen laut den vorliegenden Berichten.
Politische Reaktionen auf die Leseschwäche und Sprachdefizite
Für FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl sind die aktuellen PISA-Ergebnisse symptomatisch für den besorgniserregenden Zustand unseres Bildungssystems. Wenn nämlich Österreich beim Lesen mittlerweile sogar hinter der Türkei liegt, dann ist es laut Brückl schon fünf nach Zwölf. Es steht fest, dass die anhaltende Einwanderung nach Österreich und die damit verbundenen sprachlichen Barrieren in den Klassenzimmern einen wesentlichen Teil zu dieser negativen Entwicklung beitragen.
Brückl bewertet besonders kritisch die Aussagen von Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr, der die durch die PISA-Studie schwarz auf weiß belegte Leseschwäche zwar als eine seiner größten Sorgen bezeichnet, sich aber gleichzeitig damit rühmt, die verpflichtenden Deutschförderklassen abgeschafft zu haben. „Wer das sinnerfassende Lesen völlig zu Recht als Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben bezeichnet, kann nicht im selben Atemzug die gezielte Deutschförderung aufweichen und das der Bevölkerung auch noch als Erfolg verkaufen, erklärte Brückl.
Wiederkehr hatte laut FPÖ-Bildungssprecher bereits in seiner fünfjährigen Amtszeit als Wiener Bildungsstadtrat ausreichend Zeit, um zu beweisen, ob seine Konzepte in der Praxis funktionieren. Die Bilanz in der Bundeshauptstadt, die sich nun auch in den bundesweiten PISA-Daten niederschlägt, zeigt jedoch ein anderes Bild, so der freiheitliche Bildungssprecher.
Auswirkungen auf den Schulalltag und geforderte Reformen
Geblieben sind ein eklatanter Lehrermangel, massive Sprachprobleme in den Klassen und ein Schulsystem, das unter immer größerem Druck steht. Seit seinem Amtsantritt auf Bundesebene spricht der Minister permanent von Pilotprojekten, bleibt aber Antworten auf die drängendsten Fragen schuldig. „Von der Diskussion über eine sechsjährige Volksschule über die Streichung des Sprachunterrichts bis hin zur forcierten politischen Bildung erleben wir derzeit ein bildungspolitisches Chaos“, forderte Brückl. Was unsere Schulen jetzt aber dringend brauchen, um bei künftigen PISA-Studien wieder im Spitzenfeld zu landen, sind Stabilität, Verlässlichkeit und klare Zielsetzungen statt ideologischer Schnellschüsse, die letztlich nur zu Lasten von Schülern, Eltern und Lehrkräften gehen.”

Die PISA-Zahlen lügen nicht und zeigen den Handlungsbedarf schonungslos auf, während Wiederkehr über Digitalisierung, neue Schulmodelle und Reformprojekte reden kann, so viel er will. Wenn nämlich Jugendliche immer schlechter lesen und rechnen können, hat das Bildungssystem seine elementarste Aufgabe verfehlt. Gerade einmal 72 Prozent erreichen überhaupt das Mindestniveau beim Lesen, und gleichzeitig sitzen weiterhin Kinder in Klassen, die dem Unterricht sprachlich kaum folgen können. Besonders für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen braucht es eine gezielte und intensive Förderung, bevor aus anfänglichen Sprachdefiziten dauerhafte Bildungsdefizite werden. Unser Ansatz lautet daher ganz klar: erst Deutsch, dann Schule. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse wird jedes weitere Bildungsversprechen zu einer reinen Versprechung.
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