Die Niederlande werden beim Eurovision Song Contest 2027 in Bulgarien doch keinen eigenen Act an den Start schicken. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkorganisation NPO zog ihre zuvor angekündigte Rückkehr nach massiven Protesten von Sendern und Mitarbeitern wegen der umstrittenen Teilnahme Israels wieder zurück.
Die Beziehung zwischen den Niederlanden und dem europäischen Musikwettbewerb bleibt zerrüttet. Nach einem Boykott im Jahr 2026 hatte die NPO im September noch angekündigt, im kommenden Jahr wieder mit einem gemeinsamen Projekt zum Eurovision Song Contest zurückzukehren. Doch dieser Plan hielt dem internen Druck nicht stand.
Mitarbeiterproteste und fehlende Senderunterstützung zwingen NPO zum Rückzug
Auslöser für die Kehrtwende war ein offener Brief von mehr als 400 Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Sender im Oktober. Unter dem Titel Niet mijn Songfestival kritisierten die Mitarbeitenden scharf, dass Israel trotz des Gaza-Krieges am Wettbewerb teilnehmen darf. Die Unterzeichner warfen den Verantwortlichen vor, mit zweierlei Maß zu messen.
In den folgenden Wochen versuchte die NPO, andere Rundfunkanstalten wie WNL für die Organisation zu gewinnen. Letztlich scheiterten diese Gespräche jedoch daran, dass sich kein Sender fand, der die alleinige Verantwortung für die Teilnahme der Niederlande übernehmen wollte.
Foto: Sueddeutsche
EBU bestätigt Teilnehmerfeld für Burgas und bedauert den niederländischen Schritt
Ungeachtet der Absage aus Den Haag laufen die Vorbereitungen für die kommende Ausgabe auf Hochtouren. Der 71. Eurovision Song Contest findet vom 11. bis 15. Mai 2027 in der Arena Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste statt. Die beiden Halbfinals sind für den 11. und 13. Mai geplant, während das große Finale für den 15. Mai angesetzt ist. Der Siegertitel erreichte in elf Ländern Platz 1 der Charts, in fünf weiteren eine Platzierung unter den Top 5 sowie in fünf zusätzlichen Ländern eine Platzierung in den Top 10. Insgesamt erzielten die 35 Lieder des Wettbewerbs von Januar bis August fast 600 Millionen Abrufe auf allen verfügbaren Audio- und Video-Streaming-Plattformen.
Die Europäische Rundfunkunion (EBU) veröffentlichte eine vorläufige Teilnehmerliste mit 36 Ländern; im Vorjahr nahmen 35 Länder teil. Zu den bestätigten Ländern gehört neben Deutschland, das als einer der größten Geldgeber direkt für das Finale gesetzt ist, auch Kanada. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt CBC/Radio-Canada wurde im Juli 2026 als Vollmitglied in die EBU aufgenommen, womit der Weg für eine Premiere frei ist. Nordmazedonien kehrt nach vierjähriger beziehungsweise mehrjähriger Pause ebenfalls zum Wettbewerb zurück. Die EBU hat den öffentlich-rechtlichen Sendern RTVE in Spanien und RTVSLO in Slowenien eine Nachfrist bis Dezember eingeräumt, da ihre Teilnahme nach den letztjährigen Boykotten von Spanien, Slowenien, Irland, Island und den Niederlanden noch nicht endgültig entschieden ist. Irland hat hingegen bereits im September seinen erneuten Verzicht bekanntgegeben; der Sender RTÉ begründete dies mit der humanitären Lage im Gazastreifen und nannte die Zahl von 20.000 im Gazastreifen gestorbenen Kindern. Tschechien sagte seine Teilnahme Anfang Oktober aus finanziellen Gründen und wegen Budgetkürzungen ab.
In einer Welt, die sich zunehmend gespalten anfühlt, bringt der Wettbewerb Menschen durch Musik zusammen – über Grenzen, Sprachen und Kulturen hinweg. Das ist heute wichtiger denn je.
Martin Green, ESC-Direktor
ESC-Direktor Martin Green zeigte sich zutiefst betrübt über den Schritt der Niederlande, betonte jedoch gleichzeitig: Wir verstehen ihre Entscheidung und respektieren die Stärke der Gefühle, die dahintersteht. Er fügte hinzu, dass die Ansichten über den Wettbewerb derzeit tief empfunden werden und stark auseinandergehen.
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Fernsehübertragung in den Niederlanden
Trotz des erneuten Verzichts auf einen eigenen Beitrag müssen niederländische Fans nicht gänzlich auf den Musikwettbewerb verzichten.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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