Der niederländische Rundfunkverband NPO hat seine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2027 in der bulgarischen Küstenstadt Burgas nach massiven internen Protesten überraschend wieder abgesagt. Mindestens 36 Länder mit insgesamt 600 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern haben ihre Zusage für den Musikwettbewerb bestätigt, der vom 11. bis 15. Mai stattfindet.
Kehrtwende in Hilversum nach Protesten von Sendermitarbeitern
Die Niederlande werden beim kommenden Eurovision Song Contest 2027 in Bulgarien nun doch keinen eigenen Beitrag an den Start schicken. Zwar hatte die öffentlich-rechtliche Rundfunkorganisation NPO im September eine Rückkehr zum Musikwettbewerb in Aussicht gestellt, doch diese Entscheidung wurde am Dienstag offiziell revidiert.
Ausschlaggebend für den erneuten Rückzug war der heftige innerstädtische Widerstand.
Wenn wir feststellen, dass das Thema derart heikel ist und für so gespaltene Reaktionen sorgt, halte ich es für unverantwortlich, einen Sender dazu zu verpflichten, die Organisation für 2027 zu übernehmen.
Jet de Ranitz, Vorstandschefin der NPO
Laut den Worten von NPO-Mediendirektor Jurre Bosman ist bereits seit längerer Zeit bekannt, dass die Mitwirkung Israels in der Bevölkerung auf unterschiedliche Resonanz stößt und zu Kontroversen sowie Spaltungsprozessen führt. NPO-Chefin Jet de Ranitz betonte zudem, dass es noch zu früh sei, 2027 am Wettbewerb teilzunehmen, und verwies ausdrücklich auf die gegenwärtigen Empfindlichkeiten im Zusammenhang mit Israel. Nach Beratungen mit dem Rundfunkrat und Gesprächen mit den Sendern stellte sich heraus, dass keine Anstalt bereit war, die Verantwortung für einen niederländischen Beitrag zu übernehmen. Auch Eurovision-Direktor Martin Green äußerte sich zu der Entscheidung und erklärte, man sei zutiefst betrübt, verstehe die Entscheidung aber.
Ganz verzichten müssen niederländische Fans allerdings nicht auf das Fernsehereignis. Der nationale Nachrichtensender NOS plant, die Halbfinals und das Finale im kommenden Mai live zu übertragen, ohne einen eigenen Act ins Rennen zu schicken.
Politische Boykotte und offene Fragen im Teilnehmerfeld
Die Debatte um die Präsenz Israels bei dem europäischen Musikwettbewerb sorgt im Vorfeld der 71. Die damaligen Boykotte führten dazu, dass die Einschaltquoten zurückgingen: Rund 131 Millionen Menschen verfolgten den ESC 2026, etwa 35 Millionen weniger als im Vorjahr.
Im Zuge dessen fasste auch das Führungsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders RÚV im späten September den Entschluss, die Europäische Rundfunkunion EBU davon in Kenntnis zu setzen, dass Island im Jahr 2027 fernbleiben wird, sofern Israel nicht von der Veranstaltung ausgeschlossen wird.
Unterdessen hat die Europäische Rundfunkunion EBU den beteiligten Sendern aus Spanien und Slowenien eine Frist bis Dezember eingeräumt, um über eine mögliche Teilnahme zu entscheiden, nachdem sich der Chef des spanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks klar für einen Boykott ausgesprochen hatte. Auch in Belgien ist die Debatte um Israels Teilnahme nicht beendet, wo turnusgemäß der flämische Rundfunk VRT für den belgischen Beitrag verantwortlich ist.
Kanadas Premiere und der Zeitplan in da der Arena Burgas
Trotz der Absagen und offenen Fragen steht das vorläufige Teilnehmerfeld fest. Insgesamt 36 Länder haben ihre Teilnahme an dem Musikwettbewerb bestätigt. Eine historische Neuerung markiert dabei der Beitritt Übersee: Kanada feiert seine Premiere beim Wettbewerb, nachdem das Land im Juli vollwertiges EBU-Mitglied geworden ist und nun sein Recht auf eine ESC-Teilnahme in Anspruch nimmt. Auch Nordmazedonien kehrt nach einer vierjährigen Pause auf die Bühne zurück.

Die Semifinale sind für den 11. und 13. Mai angesetzt, wobei sich in Summe jeweils 20 Länder für das große Finale am 15. Mai 2027 in der Arena Burgas qualifizieren. Im Finale warten bereits die vier großen Zahler Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien sowie Gastgeber Bulgarien.
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