Das Start-up Tensordyne bringt Ende Oktober 2026 seine ersten neuartigen KI-Chips auf den Markt, die mithilfe einer 400 Jahre alten logarithmischen Rechenmethode komplexe Multiplikationen in einfache Additionen umwandeln. Die in München und Sunnyvale ansässige Firma verspricht damit eine massive Senkung des Energieverbrauchs und der Betriebskosten in Rechenzentren.
Die ersten Tensordyne-Chips verlassen die Produktion in Taiwan
Der Auftragsfertiger TSMC hat die ersten fertiggestellten Siliziumwafer mit den daumennagelkleinen Bausteinen per E-Mail an das Unternehmen gemeldet. Gilles Backhus, Gründer und Strategiechef von Tensordyne, bestätigte den Abschluss der letzten Tests und den erfolgreichen Gewinn erster Kunden. Mit einem Marktwert von 1,3 Milliarden Dollar und 125 Mitarbeitern treibt das Unternehmen nun die Feinmontage vorangetrieben.
Im Orderbuch stehen nach Angaben aus dem Unternehmen Aufträge im Wert von 200 Millionen Dollar. Für 2027 plant das Start-up eine weitere Expansion. Die Finanzierung wird dabei von Investoren aus Asien, Amerika und Europa gestützt, während die laufenden Einnahmen und Kassen nach früheren Finanzierungsrunden gut gefüllt bleiben.
John Napiers 400 Jahre alter Mathe-Trick als Effizienzhebel
Im Kern der Tensordyne-Technologie steht ein historisches mathematisches Konzept. Im 17. Jahrhundert entwickelten der Schotte John Napier und der Schweizer Jost Bürgi unabhängig voneinander die Logarithmen. Dieses Prinzip erlaubt es, aufwendige Multiplikationen als einfache Additionen darzustellen.
So haben wir für unsere Chips einen Weg gefunden, die aufwendigen Multiplizierer durch einfache Addierer zu ersetzen.
Gilles Backhus, Strategiechef von Tensordyne
Da die Multiplikation auf Silizium erhebliche Rechenleistung und viel Strom erfordert, verbraucht der neue Ansatz deutlich weniger Energie. Jeder Drei-Nanometer-Baustein besteht aus 134 Milliarden Transistoren und arbeitet mit Strukturen, die Tausende Male feiner sind als ein menschliches Haar.
Wirtschaftlicher Druck und hohe Inferenzkosten in Rechenzentren
Hintergrund der Entwicklung ist eine fundamentale Kostenkrise im Sektor der künstlichen Intelligenz. OpenAI gab im Jahr 2025 schätzungsweise 34 Milliarden Dollar aus, und sowohl OpenAI als auch Anthropic wenden inzwischen mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen für die Inferenz auf, also die eigentliche Ausführung ihrer Modelle. Gleichzeitig steuert das Kapitalvolumen der Hyperscaler im kommenden Jahr auf 1 Billion Dollar zu.
| Kennzahl oder Angabe | Wert |
|---|---|
| Unternehmenswert von Tensordyne | 1,3 Milliarden Dollar |
| Auftragsbestand im Buch | 200 Millionen Dollar |
| Transistoren pro Tensordyne-Chip | 134 Milliarden |
Rechenzentren stehen vor dem Dilemma, entweder extrem teure oder zu slowe Systeme zu betreiben. Marc Bolitho, der das Geschäftsmodell von Tensordyne leitet, betont, dass der Markt nach einer profitablen Option verlangt. Das Unternehmen setzt auf eine luftgekühlte Systemarchitektur, die sich im Gegensatz zu wassergekühlten Alternativen in rund 80 Prozent der bestehenden Rechenzentren einsetzen lässt, ohne dass Kunden ihre gesamte Architektur von Grund auf neu planen müssen.
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