Navi Pillay, die südafrikanische Juristin und ehemalige UN-Menschenrechtschefin, ist am Freitag mit dem Nobelpreis 2026 für ihren Einsatz für das Völkerrecht und den internationalen Gerichtshof ausgezeichnet worden. Die Verleihung in Oslo fällt in eine Zeit wachsender geopolitischer Spannungen und politischer Angriffe auf internationale Justizinstitutionen.
Die Auszeichnung ist mit 12 Millionen schwedischen Kronen dotiert, was laut AP und Al Jazeera umgerechnet etwa 1,2 Millionen US-Dollar entspricht. Der Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, begründete die Entscheidung in Oslo mit dem unermüdlichen Einsatz der 85-Jährigen für universelle Rechtsprinzipien.
Leben im dienst der Gerechtigkeit von Südafrika bis den Haag
Navanethem Pillay wurde 1941 in Durban als Kind einer Familie tamilischer Abstammung während der Apartheid geboren. Sie gehörte zu den juristischen Pionierinnen ihres Landes. Im Jahr 1967 eröffnete sie als erste Frau eine Anwaltskanzlei in der damaligen Provinz Natal und verteidigte später politische Aktivisten wie Nelson Mandela gegen das rassistische Regime. Später wurde sie die erste nicht-weiße Frau am Hohen Gerichtshof Südafrikas.
Ihre internationale Karriere führte sie an zahlreiche Schlüsselpositionen der Weltjustiz. Laut Reuters und ABC News amtierte sie als Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda (ICTR), war Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (ICC) und diente von 2008 bis 2014 als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Laut Associated Press hat sie zudem einen Master of Law (1982) und einen Doktortitel der Rechtswissenschaften (1986) von der Harvard University erworben. Der Nobelkomitee-Zitierung zufolge zieht sich ein roter Faden von ihrem frühen Kampf gegen die Rassentrennung bis zu ihren aktuellen Aufgaben auf internationaler Ebene durch ihre gesamte Laufbahn.
Reaktion in Nürnberg und weltweite Reaktionen auf den Preis
Die Nachricht über die Verleihung erreichte die Juristin während eines Besuchs im Nuremberg Forum in Deutschland. An diesem historischen Ort hatten die Alliierten 1945 und 1946 die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes geführt.
Vor versammeltem Publikum in Nürnberg warnte Pillay vor den aktuellen Tendenzen in der Weltpolitik. Laut Al Jazeera und CBS News betonte sie humorvoll in Bezug auf US-Präsident Donald Trump und Anspielungen auf Vorjahressiegerin Maria Corina Machado: „If you clap a little bit more, I may share this prize with Trump.“ Die Institutionen des Völkerrechts stünden unter erheblichem politischen Druck, während weltweit Kriege und bewaffnete Konflikte zunahmen.”
Internationale Führungspersönlichkeiten reagierten unterschiedlich auf die Entscheidung aus Norwegen. Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa nannte die Ehrung laut CBC News eine tiefgreifende Würdigung von Integrität und dem lebenslangen Engagement der Juristin. UN-Generalsekretär António Guterres betonte, die Auszeichnung sei eine Anerkennung für alle, die das Recht über die Gewalt stellen.
Scharfe Kritik aus Jerusalem und Spannungen mit den USA
Die Verleihung an die südafrikanische Juristin rief jedoch auch heftigen Widerspruch hervor. Die Regierung in Israel verurteilte die Entscheidung scharf. Das israelische Außenministerium reagierte auf der Plattform X mit heftigen Vorwürfen, nannte die Verleihung eine groteske Instrumentalisierung zur Legitimierung von Judenhass und kritisierte die Rolle, die Pillay als Leiterin einer UN-Untersuchungskommission zu den Ereignissen im Gazastreifen eingehen hatte. Laut CBC News wies der israelische UN-Botschafter in Genf, Daniel Meron, die Entscheidung ebenfalls als Unterstützung für Antisemitismus zurück.
Gleichzeitig fiel die Bekanntgabe mit anhaltenden diplomatischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Institutionen der internationalen Strafgerichtsbarkeit zusammen. Die US-Regierung hatte kurz vor der Bekanntgabe des Nobelpreises weitere Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verhängt. US-Präsident Donald Trump kritisierte das Nobelkomitee öffentlich und verbreitete einen Beitrag seines ehemaligen Impeachment-Anwalts David Schoen auf Truth Social, in dem Pillay unter anderem als unbeugsamer Kritiker Amerikas und Israels bezeichnet und die Entscheidung scharf kritisiert wurde.
Ausblick auf die offizielle Preisverleihung in Oslo
Pillay setzt ihre Arbeit als Juristin fort und ist derzeit als ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof (ICJ) in dem Verfahren von Gambia gegen Myanmar tätig. Die feierliche Übergabe der Nobelmedaille und der Urkunde findet traditionsgemäß am 10. Dezember in Oslo statt – genau an dem Tag, an dem der Stifter Alfred Nobel verstarb.
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