Die NASA plant bis 2029 den Aufbau einer permanenten Basis auf der Mondoberfläche und verwirft damit ihre ursprünglichen Pläne für eine Raumstation im Mondorbit. Unter der Leitung von Jared Isaacman setzt die Behörde auf eine beschleunigte Strategie, um der Konkurrenz aus China zuvorzukommen und eine dauerhafte menschliche Präsenz am Südpol zu etablieren.
Abkehr vom Lunar Gateway: Der strategische Kurswechsel
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Die US-Raumfahrtbehörde hat ihre Strategie für die Rückkehr zum Mond radikal geändert. Ursprünglich sah der Plan vor, mit dem Lunar Gateway eine Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes zu errichten, die als Zwischenstation für Landungen und als Sprungbrett für spätere Mars-Missionen dienen sollte. Wie Tagesschau berichtet, wurde dieser Bau gestoppt. Stattdessen landen Astronauten nun direkt auf der Oberfläche, wo der Aufbau einer bemannten Station fast zeitgleich beginnen soll.
Dieser Richtungswechsel ist kein rein technischer, sondern ein politischer Akt. NASA-Administrator Jared Isaacman hat die Pläne umgestellt, um die Geschwindigkeit der US-Präsenz im All massiv zu erhöhen. Die Behörde will nicht mehr nur periodisch besuchen, sondern dauerhaft besetzen.
„Angesichts der täglich zunehmenden Konkurrenz durch unseren größten geopolitischen Gegner müssen wir schneller vorankommen, Verzögerungen beseitigen und unsere Ziele erreichen“
Jared Isaacman, NASA-Chef
Der Druck ist spürbar. Während die Artemis-Missionen bereits erste Erfolge feierten, haben technische Probleme bei Test-Missionen zu Verzögerungen geführt, die die NASA nun durch einen aggressiveren Zeitplan kompensieren will.
Der Drei-Phasen-Plan zur permanenten Besiedlung
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Um die Mondbasis zu realisieren, verfolgt die NASA eine phasenweise Architektur. Laut Informationen von Scinexx investiert die Behörde in den nächsten sieben Jahren 20 Milliarden US-Dollar in dieses Vorhaben. Der Prozess gliedert sich in drei konkrete Schritte:
Phase 1 (Beginn 2024 bis 2029): Fokus auf unbemannte Missionen. Kommerzielle Sonden bringen Rover, thermoelektrische Generatoren und Kommunikationstechnologien auf den Mond. Hierzu zählt auch der Einsatz des Mondrovers VIPER.
Phase 2: Wiederholte bemannte Landungen zur Vorbereitung der Infrastruktur. Zum Einsatz kommen semi-habitable Systeme, darunter ein in Japan entwickeltes Mondfahrzeug mit integrierter Lebenserhaltung.
Phase 3: Bau der permanenten Mondstation. Schwere Landefähren transportieren große Bauteile, darunter Mehrzweck-Habitate aus Italien und ein Mondfahrzeug aus Kanada.
Bis 2029 sollen insgesamt 25 Missionen durchgeführt werden, wobei in der ersten Phase etwa vier Tonnen Fracht auf der Oberfläche landen. Bis 2032 plant die NASA die Fertigstellung semi-ständiger Unterkünfte.
Ressourcenkrieg am Südpol: Eis und Energie
NASA enthüllt Pläne für eine permanente Mondbasis in Stadtgröße
Die Wahl des Standorts ist kein Zufall. Die NASA konzentriert sich auf den Südpol des Mondes. Wie ORF berichtet, bietet diese Region zwei entscheidende strategische Vorteile: In den tiefen, schattigen Kratern wird Wassereis vermutet, das als Quelle für Trinkwasser, Sauerstoff und Raketentreibstoff dienen kann. Gleichzeitig gibt es hochgelegene Bereiche mit nahezu permanenter Sonneneinstrahlung, was die Energieversorgung über Solarkraftwerke sichert.
Um diese Ziele zu erreichen, setzt die NASA verstärkt auf private Partner. Ein zentrales Element ist die Landefähre Endurance von Blue Origin, die eine präzise Landung und autonome Navigation ermöglichen soll. Bevor Menschen die Basis beziehen, sollen Drohnen die Oberfläche erkunden und Forschungsinstrumente sowie Kameras installieren.
Geopolitischer Wettlauf: Die China-Variable
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Hinter der Eile der NASA steht die Angst, die technologische Führung im All zu verlieren. China verfolgt ambitionierte Ziele und plant laut Berichten, bis 2030 Menschen auf der Mondoberfläche zu landen. Russland ist aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten derzeit ins Hintertreffen geraten, doch Peking bleibt der primäre Rivale.
Experten bezweifeln teilweise die Realisierbarkeit der straffen US-Zeitpläne. Der Mondforscher Simeon Barber sieht die NASA unter massivem politischem Druck und gibt zu bedenken, dass China den USA beim Erreichen der Oberfläche tatsächlich zuvorkommen könnte. Der Erfolg wird hier nicht mehr in Jahrzehnten, sondern in Monaten gemessen.
Atomantriebe und die Mission zum Mars
Parallel zur Mondbasis reaktiviert die NASA Pläne für nukleare Energietechnologien, um die Distanzen zum Mars zu bewältigen. Bis Ende 2028 soll die erste atomgetriebene Raumsonde, die Space Reactor-1 Freedom (SR-1), zum Roten Planeten geschickt werden.
Die technische Spezifikation der SR-1 zeigt den ambitionierten Ansatz:
Komponente
Spezifikation
Reaktorleistung
20 Kilowatt
Brennstoff
Niedrig angereichertes Uran und Urandioxid
Zweck
Stromversorgung für elektrischen Antrieb
Diese Entwicklung markiert eine Kehrtwende in der NASA-Strategie, da ähnliche Pläne bereits 2023 diskutiert, dann aber zurückgestellt worden waren. Die Kombination aus einer dauerhaften Mondbasis und nuklear angetriebenen Sonden soll den Weg für eine menschliche Expansion im Sonnensystem ebnen, sofern die technischen Hürden der sicheren Landung und Lebenserhaltung bewältigt werden.
Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.
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