NASA hat am 23. Oktober 2026 einen beschleunigten Plan für das Artemis-Programm vorgestellt, wonach die unbemannte Erdorbit-Testmission Artemis III für Mitte 2027 angesetzt ist. Die erste bemannte Mondlandung soll im Jahr 2028 entweder mit einem Landsystem von SpaceX oder von Blue Origin erfolgen.
Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA treibt die Vorbereitungen für die Rückkehr von Menschen zum Mond mit einem vereinfachten und straffen Zeitplan voran. Während die Teams im Vehicle Assembly Building des Kennedy Space Center in Florida bereits damit begonnen haben, die Mega-Mondrakete für den nächsten Testflug zu montieren, stehen die beteiligten Privatunternehmen unter hohem Zeitdruck, wie die beteiligten Behördenvertreter mitteilten.
Artemis III als komplexer Erdorbit-Test im Jahr 2027
Die für Mitte 2027 anvisierte Mission Artemis III wird laut NASA eine der komplexesten Operationen in der Geschichte der Agentur. Erstmals sollen drei verschiedene Trägerraketen und drei unterschiedliche Raumfahrzeuge in rascher Abfolge starten und in einer Erdumlaufbahn zusammentreffen. Die vierköpfige Besatzung, bestehend aus drei NASA-Astronauten und einem italienischen Raumfahrer, wird an Bord der Orion-Kapsel ins All geschossen.

Zuvor soll eine unbemannte Testversion des landetauglichen Blue Moon Mark 2 von Blue Origin mit einer New-Glenn-Rakete in einen Erdorbit von rund 439 Kilometern Höhe gebracht werden. Dort wartet das Gefährt bis zu 30 Tage auf das Eintreffen von Orion. Nach dem Andockmanöver werden zwei Astronauten in das Landegerät umsteigen, um Lebenserhaltungssysteme, Avionik, Kommunikationsanlagen und Triebwerke zu testen.
Wenige Tage später folgt der Start einer von SpaceX entwickelten Starship-Variante, die ebenfalls im Erdorbit mit Orion koppelt. Die Astronauten werden jedoch nicht in das Starship-Kabinensystem umsteigen; stattdessen dient die Begegnung der Erprobung der Kopplungsschnittstellen und des Zusammenspiels beider Raumfahrzeuge.
Wahl zwischen SpaceX und Blue Origin für die Landung 2028
Die im Erdorbit gesammelten Daten sollen der NASA als Grundlage dienen, um zu entscheiden, welche der beiden Firmen den Zuschlag für die erste bemannte Mondlandung erhält. Ursprünglich war die Landung für die Mission Artemis III vorgesehen; nun wurde sie auf die Mission Artemis IV im Jahr 2028 verlegt, um die Risiken von Verzögerungen durch technische Hürden oder Lieferkettenprobleme zu verringern.
Beide Unternehmen verfolgen unterschiedliche technische Ansätze für ihre Landefahrzeuge. SpaceX setzt auf die gigantische Starship-Rakete, die für den Weg zum Mond auf komplexe und bislang in dieser Form noch nie durchgeführte Betankungsmanöver im Erdorbit angewiesen ist. Experteneinschätzungen zufolge könnten dafür zwischen 10 und 40 Starts notwendig sein. Blue Origin hingegen plant den Einsatz von drei kleineren Blue-Moon-Mark-1-Fahrzeugen als Schlepper, die den größeren Mark-2-Lander in eine erdnahe Mondumlaufbahn befördern sollen.
Wir haben engagierte Teams, die Hand in Hand mit beiden Anbietern arbeiten, voranschreiten und alles tun, was wir tun können, um zu unterstützen. Unabhängig davon, wer zuerst geht, planen beide Anbieter bemannte Mondlandemissionen im Jahr 2028.
Jeremy Parsons, Artemis-Programmdirektor der NASA
Rückkehr zum Mond und Lösung eines alten Orion-Problems
Neben den Fortschritten bei den Landsystemen hat die NASA laut Administrator Jared Isaacman eine technische Hürde gelöst, die das Raumschiff Orion seit Jahren begleitet hat. Wegen der begrenzten Leistungsfähigkeit seines Servicemoduls verfügte das Raumschiff bisher nicht über genügend Schubkraft (Delta-V), um von der Erde aus in eine niedrige Mondumlaufbahn zu gelangen und von dort direkt zur Erde zurückzukehren. Bislang war die Agentur daher auf Zwischenstationen wie das geplante Lunar Gateway angewiesen.

Durch eine Partnerschaft mit der United Launch Alliance wird nun eine erweiterte Version der Centaur-V-Oberstufe entwickelt. In Kombination mit der Kernstufe des Space Launch System (SLS) versetzt diese Modifikation die NASA in die Lage, Orion direkt in eine niedrige Mondumlaufbahn zu steuern. Laut Programmmanager Jeremy Parsons verringert ein niedrigerer Orbit den Treibstoffbedarf des Blue-Moon-Landers beim Abstieg zur Oberfläche und beim Aufstieg erheblich und bietet der Besatzung im Notfall schnellere Startoptionen vom Mond.
Was wir unternehmen, ist ambitioniert. Es ist außerordentlich schwierig, und jahrelange Entscheidungen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Mauern dieser Agentur, haben uns Zeit und Ressourcen gekostet, die wir nie übrig hatten. Aber die Agentur, die wir wiederbeleben, und die außergewöhnlichen Fahrzeuge, die unsere Industriepartner bauen, sind jeden Bruchteil dieser Anstrengung wert. Dies wird keine Wiederholung der Fahnen und Fußabdrücke sein.

Die Landungen sind für die Region des Mondsüdpols geplant, wo in dauerhaft im Schatten liegenden Kratern vermutete Wassereisvorkommen als Ressource für künftige Stationen dienen könnten. Dennoch hofft das Unternehmen, den Flugbetrieb um die Jahreswende wieder aufnehmen zu können, während SpaceX für den November einen erneuten Testflug seiner Starship-Rakete in Aussicht stellt.