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Technik und Wissenschaft

NASA entdeckt Warnzeichen für El Niño im Pazifik

Meteorologen warnen vor einem außergewöhnlich starken El Niño, der die Meeresoberfläche im Pazifik auf Rekordwerte erwärmen und den Meeresspiegel stellenweise um bis zu 40 Zentimeter ansteigen lassen könnte. Das Klimaphänomen treibt nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO die globalen Temperaturen nach oben und bedroht weltweite Ernten und Fischbestände.

Wassertemperaturen und Meeresspiegel steigen auf Rekordwerte

Im tropischen Pazifik bahnt sich ein historisches Klimaphänomen an. Nach Modellrechnungen der WMO-Chefin Saulo könnte die Meerestemperatur von November bis Januar 3,8 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen. Bislang lag die höchste Abweichung bei etwa drei Grad. Als El Niño gilt bereits eine Erwärmung ab 0,5 Grad.

Die Wassertemperaturen im zentralen Pazifik werden nach Angaben von Beamten der Vereinten Nationen voraussichtlich um diesen Wert über dem Durchschnitt liegen, wobei der Höhepunkt um Dezember erwartet wird. In Beobachtungsaufzeichnungen hat es laut Angaben noch nie einen derartigen Anstieg gegeben. WMO-Chefin Saulo erklärte dazu, der aktuelle El Niño könne wortwörtlich die Messskalen überschreiten, die seit vier Jahrzehnten verwendet werden. Die Meeresoberflächentemperaturen im Überwachten Gebiet des tropischen Pazifiks lagen im September bereits um 4,0 Grad über dem Vergleichswert, womit ein früherer Höchstwert aus dem Dezember 1997 übertroffen wurde.

Gleichzeitig drückt das warme Wasser den Meeresspiegel in die Höhe. Satellitenmessungen der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigen einen Anstieg um 30 bis 40 Zentimeter über Normalnull im östlichen Pazifik. Hierbei könnte der angekündigte Super-El-Niño vom Küstengebiet Mexikos bis nach Ecuador zu einem derartigen temporären Anstieg des Wasserspiegels führen, dass dieser den prognostizierten Zuwachs von vier bis fünf Jahrzehnten erreicht – und das innerhalb einer einzigen Saison.

NASA entdeckt Warnzeichen für El Niño im Pazifik
Foto: Der Standard

Die Antwort lautet: erheblich. Entlang der Küste von Mexiko bis Ecuador könnte der prognostizierte Super-El-Niño der Jahre 2026 und 2027 den Meeresspiegel vorübergehend um einen Betrag anheben, der vier bis fünf Jahrzehnten des prognostizierten Meeresspiegelanstiegs entspricht – und das in einer einzigen Saison.

Tiefblaue Ozeane und schwindendes Phytoplankton

Die massiven Veränderungen unter der Wasseroberfläche lassen sich aus dem All beobachten. Aufnahmen des Nasa-Satelliten Pace zeigen eine Umfärbung des Pazifiks von Grün zu tiefem Blau. Verantwortlich dafür ist das Schwinden von Phytoplankton, das normalerweise durch Chlorophyll für die grünliche Färbung sorgt. Matthew Kehrli vom Pace-Team der NASA veranschaulicht diese Beobachtung mit dem Hinweis, dass erstaunlich sei, wie viele verschiedene Töne der Ozean annehmen könne.

Da die Mikroorganismen am Beginn der Nahrungskette stehen, zieht ihr Ausbleiben gravierende Folgen nach sich. Fische finden weniger Nahrung, was in der Folge auch Bestände von Seevögeln und Meeressäugern gefährdet. Vor der Küste Perus hat die Regierung den Sardellenfang bereits mehrmals ausgesetzt, während hungrige Pelikane in Städten und Häfen nach Futter suchen. Auch für die Korallenriffe der Welt bringt das diesjährige Phänomen ein erschreckendes zusätzliches Risikoniveau mit sich, da Korallen extrem empfindlich auf Hitze reagieren und der Klimawandel das Auftreten von Korallenbleichen bereits verstärkt.

NASA entdeckt Warnzeichen für El Niño im Pazifik
Foto: WELT

Globale Wetterextreme und wirtschaftliche Risiken

Die Auswirkungen des Phänomens reichen weit über den Ozean hinaus. In Asien, Vietnam und Hongkong sorgten ungewöhnlich hohe Temperaturen im Herbst für Rekordwerte. In Bien Hoa in der Provinz Dong Nai sowie in Nha Be in Ho-Chi-Minh-Stadt herrschte ebenfalls brütende Hitze mit Temperaturen von über 35 Grad Celsius. In El Salvador leidet das Vieh unter extremer Dürre, während in anderen Regionen wie im südlichen Afrika, Teilen Südostasiens, dem Nordwesten Nordamerikas und der Westseite Südamerikas heftigere Regenfälle und Überschwemmungen drohen. Auf Borneo und Sumatra brennen zudem seit Monaten Wälder und trockengelegte Torfböden, wobei der Rauch bis nach Malaysia zieht und dort zu Schulschließungen führte. Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas wurden im September fast viermal so viele Brandherde registriert wie im Vorjahr.

UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher warnte vor wirtschaftlichen Schocks für die Weltwirtschaft sowie vor Konflikten, Vertreibungen und Migration. Er beschrieb das Ereignis als ein gewaltiges, zerstörerisches Phänomen, das über Lateinamerika, Ost- und Südafrika, Asien und die Pazifikregion hinwegfegen wird. Wegen akuter Lebensmittelknappheit könnten schätzungsweise 50 Millionen Menschen in Bedrängnis geraten, während Berechnungen von Fachleuten des Climate Impact Lab der Universität Chicago zufolge die hitzebedingten Folgen von El Niño bis Ende Februar 2027 global etwa 450.000 Menschen das Leben kosten könnten. Nothilfekoordinator Fletcher und WMO-Chefin Saulo forderten deshalb rasche Vorbereitungen, um gefährdete Menschen rechtzeitig zu unterstützen.

Indirekte Folgen und die Rolle des Klimawandels

Direkte Auswirkungen auf das Wetter in Mitteleuropa fallen nach Einschätzung von Meteorologen zwar gering aus, doch Deutschland ist als Teil der Weltwirtschaft abhängig von globalen Lieferketten.

El-Niño-Lagebericht: Wetterphänomen sorgt weltweit für Chaos diese Woche
Foto: Euronews

Klimaforscher betonen zudem, dass El Niño lediglich eine natürliche Klimaschwankung darstellt, deren Effekte durch den fortgeschrittenen Anstieg der globalen Treibhausgaskonzentrationen massiv verstärkt werden.

Wetterexperte Dominik Jung erklärte gegenüber Medien, dass sich vor der Küste Südamerikas eine unheimliche Entwicklung abspiele, während Harald Kunstmann gegenüber :newstime ausführte, dass El-Niño-Jahre noch einmal deutlich wärmer ausfallen als normale Jahre und sich der globale Erwärmungstrend dadurch weiter verstärkt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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