Electronic Arts schließt das traditionsreiche kanadische Spielestudio BioWare nach mehr als drei Jahrzehnten und beendet die Entwicklung am nächsten Mass Effect
-Ableger. Der abrupte Schritt erfolgt im Rahmen einer konzernweiten Umstrukturierung, die rund 400 Entlassungen weltweit zur Folge hat.
Das Ende einer Ära in Edmonton: BioWare schließt nach 30 Jahren
Das von Electronic Arts übernommene Studio BioWare stellt seinen Betrieb im kanadischen Edmonton ein. Die Entscheidung wurde am 21. Oktober 2026 über die offiziellen Kanäle des Unternehmens bekannt gegeben. Damit endet die Geschichte eines Entwicklers, der das Rollenspiel-Genre über Jahrzehnte mit prägte. Gegründet wurde das Studio im Jahr 1995 von Greg Zeschuk, Ray Muzyka und Augustine Yip. Zu seinen Glanzzeiten beschäftigte das Unternehmen in Edmonton bis zu 600 Mitarbeiter und bezog 2019 moderne Räumlichkeiten im Epcor Tower, die sich über drei Etagen erstreckten und Besonderheiten wie ein voll ausgestattetes Bewegungsverfassungsstudio sowie einen Arcade-Bereich boten.
Die Schließung beendet auch die frühen Entwicklungsarbeiten an einem neuen Mass Effect, das sich seit 2020 in der Vorbereitung befand. Die Reihe zählt neben Titeln wie Baldur’s Gate, Neverwinter Nights und Star Wars: Knights of the Old Republic zu den bekanntesten Werken des Studios. Der Mitbegründer Trent Oster äußerte sich gegenüber Medien tief betroffen über das plötzliche Aus. It’s a pretty sad day
, sagte Oster im Gespräch mit dem Sender CBC und erinnerte an die Anfänge mit einer Handvoll Entwicklern, die zu weltweiten Branchenführern aufgestiegen seien. Dabei erinnerte er sich daran, wie man von einer Gruppe ahnungsloser Jugendlicher zu den Besten der Welt aufstieg, während die Belegschaft von anfangs sechs Personen auf 420 anwuchs.

Nun, nach mehr als drei Jahrzehnten gemeinsamer Abenteuer, schließt BioWare, und die frühe Entwicklung am nächsten Mass-Effect-Projekt wird beendet.
BioWare, über offizielle Social-Media-Kanäle
Weltweite Entlassungen bei EA nach der Milliardenübernahme
Die Schließung des Standorts in Edmonton ist Teil einer umfassenden Restrukturierung bei Electronic Arts, die insgesamt rund 400 Arbeitsplätze weltweit abbaut, was etwa 3 Prozent der globalen Belegschaft entspricht. Davon sind ungefähr 50 Mitarbeiter direkt bei BioWare betroffen. Die Kürzungen treffen den Publisher nur wenige Monate, nachdem das Unternehmen im August 2026 durch einen Leveraged Buyout im Wert von 55 Milliarden US-Dollar privatisiert wurde.
Der milliardenschwere Kauf hinterließ das Unternehmen nach Angaben aus internen Firmenkreisen mit einer Schuldenlast von rund 18 Milliarden US-Dollar sowie jährlichen Zinszahlungen von etwa 1,8 Milliarden US-Dollar. Um die angekündigten jährlichen Einsparungen von 700 Millionen US-Dollar zu erreichen, griff das Management unter der Führung von Chief Operating Officer David Tinson und Chief Studios Officer Cam Weber zu harten Einschnitten. In einem internen Memo an die Belegschaft erklärten die Manager, dass man in den vergangenen Monaten die geschäftliche Ausrichtung grundlegend überprüft habe.
pic.twitter.com/TicSujMWps
— https://x.com/bioware/status/2112953618093535510
Veränderte Prioritäten im Portfolio und Reaktionen aus der Branche
Während Traditionsmarken wie BioWare dem Rotstift zum Opfer fallen, setzt Electronic Arts in Zukunft verstärkt auf seine etablierten Sportspiele, den Online-Shooter Apex Legends sowie auf lizenzierte Großprojekte. Dazu gehören der nächste Teil der Star Wars Jedi-Reihe und ein neues Spiel um Marvels Iron Man. Auch eine Zusammenarbeit zwischen den Studios Respawn Entertainment und DICE ist für ein unbenanntes Projekt geplant, bei dem es sich Berichten zufolge um einen neuen Ableger von Star Wars: Battlefront handeln dürfte.
BioWares jüngstes Projekt, das 2024 veröffentlichte Rollenspiel Dragon Age: The Veilguard, blieb hinter den kommerziellen Erwartungen des Mutterkonzerns zurück. Dies hatte bereits im Vorjahr zu ersten Einschnitten am Studio geführt. Auch das im Jahr 2019 veröffentlichte Multiplayer-Spiel Anthem konnte seinerzeit nicht an den Erfolg früherer Singleplayer-Titel anknüpfen.

Weiterlesen