Eine aktuelle Querschnittsstudie zeigt, dass bis zu 70 Prozent der Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD) betroffen sind. Die Prävalenz steigt mit dem Blutzuckerspiegel und dem Body-Mass-Index, wobei schwerere Fibrosestadien vor allem bei starkem Übergewicht und ausgeprägter Insulinresistenz auftreten.
Hohe Verbreitung bei Typ-2-Diabetes in klinischen Kohorten
Die Häufigkeit von Lebererkrankungen bei Patienten mit Stoffwechselstörungen rückt verstärkt in den medizinischen Fokus. Auf dem SID-Kongress bezifferten Experten die Prävalenz der metabolischen Dysfunktion-assoziierten Fettlebererkrankung sowie der entzündlichen Verlaufsform MASH bei Betroffenen mit Typ-2-Diabetes auf bis zu 70 Prozent, wie aktuelle Auswertungen zum Krankheitsbild belegen.
Diese Größenordnung wird durch internationale Daten untermauert. Im Rahmen einer an der University of Florida durchgeführten Querschnittsstudie mit erwachsenen Teilnehmern zeigte sich bei Typ-2-Diabetes eine MASLD-Häufigkeit von 68 Prozent, bei Prädiabetes von 55 Prozent und bei Personen mit normalen Blutzuckerwerten von 39 Prozent. Gleichzeitig zeigte sich, dass eine klinisch signifikante Leberfibrose in diesen Gruppen bei 1, 6 und 12 Prozent der Patienten auftrat.
Laut einer Publikation in der Fachzeitschrift Diabetology & Metabolic Syndrome, die 759 stationär behandelte Typ-2-Diabetiker untersuchte, korreliert das Ausmaß der Leberverfettung direkt mit der Qualität der Blutzuckereinstellung: Demnach erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen HbA1c-Wert von 7,0 Prozent oder mehr für jeden 5-Prozent-Anstieg der Ultraschall-Leberfettfraktion (UDFF) um den Faktor 1,253.
Daten aus spezialisierten Zentren im Nahen Osten
Spezifische Untersuchungen aus Kuwait verdeutlichen die Situation in der Region. In einer Untersuchung wurden erwachsene Patienten mit Typ-2-Diabetes mittels vibrationskontrollierter transienter Elastographie und Controlled Attenuation Parameter untersucht.
Die Steatosegraduierung korrelierte dabei stark mit klinischen und metabolischen Parametern wie Taillenumfang, Triglyceriden sowie den Leberenzymen ALT, AST und GGT. Zudem stieg mit dem Schweregrad der Verfettung auch das Risiko für Bluthochdruck und Lebersteifigkeit an. Die beobachtete Prävalenz der Lebersteifigkeit beziehungsweise Leberverfettung steht dabei im Einklang mit den im Nahen Osten und Nordafrika (MENA) berichteten Werten, wo Prävalenzraten von bis zu 36,5 Prozent bei schätzungsweise 162 Millionen betroffenen Menschen verzeichnet werden, was die zweithöchste globale Last nach Lateinamerika darstellt.
Rolle von Adipositas und Insulinresistenz bei Leberfibrose
Die bloße Anwesenheit von Diabetes oder Prädiabetes führt jedoch nicht linear zu schweren Leberschäden. Bei Patienten im Prädiabetesstadium blieb eine signifikante Fibrose in schlanken oder übergewichtigen Personen selten, selbst wenn die meisten von ihnen damit verbundene kardiometabolische Risikofaktoren aufwiesen. Das Risiko stieg jedoch bei Betroffenen mit Adipositas und ausgeprägter Insulinresistenz – insbesondere bei schwerer Adipo-IR und systemischer Insulinresistenz – um das Vierfache an. Patienten mit Adipositas und gleichzeitigem Typ-2-Diabetes wiesen mit 16 Prozent die höchste Prävalenz einer signifikanten Leberfibrose auf, wobei dies vor allem in Verbindung mit einer Insulinresistenz auftrat.
Epidemiologische Daten zeigen zudem, dass die Prävalenz von MASLD bei Typ-2-Diabetes-Patienten über die vergangenen Jahrzehnte stetig gestiegen ist – von 55,9 Prozent in den frühen 2000er Jahren auf 68,8 Prozent im Zeitraum zwischen 2016 und 2021. Forscher betonen in diesem Zusammenhang die Bedeutung laborchemischer Marker zur Risikostratifizierung in der Primärversorgung. Neben dem HOMA-Index zur Bestimmung der hepatischen Insulinresistenz spielt die Adipo-IR für die Fettgewebs-Insulinresistenz eine zentrale Rolle. Die meisten Teilnehmer mit signifikanter Fibrose befanden sich in den höchsten Quintilen dieser Resistenzen (Q4–Q5).
Nicht-invasive Diagnostik und neue Leitlinienempfehlungen
Angesichts der hohen Fallzahlen setzen medizinische Fachgesellschaften verstärkt auf nicht-invasive Testverfahren und strukturierte Diagnosepfade, um invasive Leberbiopsien zu reduzieren. Ein empfohlener sequenzieller Testpfad beginnt mit einer Ersttriage, gefolgt von bildgebenden Verfahren zur Bestimmung der Lebersteifigkeit mittels Lebersteifigkeitsmessung, während zur Einschätzung der Fibroseschwere in unklaren Fällen ergänzend bildgebende Verfahren wie MRT oder Biopsien eingesetzt werden können.
Hinweis: Bei gesundheitlichen Fragen oder dem Verdacht auf Lebererkrankungen sollten Betroffene stets qualifizierte medizinische Fachkräfte oder behandelnde Ärzte konsultieren.
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