Nach den ersten Masern-Todesfällen in Pennsylvania seit 35 Jahren prallen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Gouverneur Josh Shapiro aufeinander. Shapiro wirft der Regierung vor, durch Impfskepsis das Virus zu befördern. Kennedy bezweifelt im Gegenzug die Existenz der Todesfälle und wirft dem Gouverneur mangelnde Zusammenarbeit vor.
Die Veröffentlichung von zwei Masern-Todesfällen im US-Bundesstaat Pennsylvania hat einen scharfen politischen Konflikt zwischen der Landesregierung und der Bundesgesundheitsbehörde ausgelöst. Wie die Pennsylvania Department of Health mitteilte, handelt es sich um die ersten Todesfälle in Verbindung mit Masern im Bundesstaat seit 35 Jahren. Beide Verstorbenen waren den Angaben zufolge nicht geimpft.
Konfrontation zwischen Gouverneur Shapiro und Gesundheitsminister Kennedy
Kurz vor einer Pressekonferenz am Dienstag führte der demokratische Gouverneur Josh Shapiro ein heftiges Telefonat mit dem US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Vor laufenden Kameras warf Shapiro dem Minister vor, durch seine Rhetorik und Skepsis gegenüber Impfungen zur Rückkehr einer Krankheit beizutragen, die in den Vereinigten Staaten vor mehr als einem Vierteljahrhundert als eliminiert galt.
Kennedy reagierte prompt über die sozialen Medien und warf dem Gouverneur Panikmache sowie eine weaponization of infectious disease
für politische Zwecke vor. Zudem äußerte er den Verdacht, die Todesfälle könnten von Mitarbeitern des Gouverneurs altogether fabricated
worden sein. Kennedy betonte, dass der zuständige Gerichtsmediziner in Lancaster County keinerlei offizielle Aufzeichnungen über Masern-Todesfälle vorliegen habe.
Masern-Ausbruch in Pennsylvania und sinkende Impfquoten
Hintergrund des Streits ist ein massiver Anstieg der Infektionszahlen in der Region. CBS News Philadelphia berichtet, dass Pennsylvania mittlerweile 424 Infektionen verzeichnet, davon allein 94 in der Woche vor den Berichten. Das Epizentrum liegt in Lancaster County mit 197 Fällen, wo auch die beiden Todesfälle registriert wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 meldete der Staat insgesamt 16 Fälle, im Jahr 2024 lediglich sechs.

Gouverneur Shapiro verwies auf rückläufige Impfquoten als Ursache. Laut Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC waren vor dem Schuljahr 2025/2026 rund 92,7 Prozent der Schulanfänger in Pennsylvania gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) geimpft – ein Rückgang im Vergleich zu 95,5 Prozent ein Jahrzehnt zuvor. Erst ab einer Impfquote von 95 Prozent greift die Herdenimmunität.
Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania, erklärte, es gebe reale Konsequenzen, wenn man den Menschen Angst einjage und sich nicht auf echte Ärzte und tatsächliches medizinisches Fachpersonal verlasse, um unvoreingenommene Informationen zu liefern.
Streit um Obduktionsbefunde und Bundesbehörden
Die Verwirrung um die Todesursachen vertiefte sich durch widersprüchliche Aussagen von Behörden und Medizinern. Der Gerichtsmediziner von Lancaster County, Dr. Stephen Diamantoni, erklärte, sein Büro untersuche den Todesfall eines Neugeborenen, bei dem nach dem Tod Masern-Antikörper nachgewiesen wurden. Der behandelnde forensische Pathologe sah den Nachweis jedoch nicht als Todesursache an, da das Kind kurz nach der Geburt an einer Milzruptur starb. Diamantoni erklärte ferner, ihm lägen keine weiteren Fälle mit positivem Masernbefund vor.
Die Gesundheitssekretärin von Pennsylvania, Dr. Debra Bogen, entgegnete dem jedoch entschieden und bestätigte die Opfer nach einer gründlichen Prüfung der Untersuchungsergebnisse. Bogen teilte laut 6abc Philadelphia mit, sie könne traurigerweise bestätigen, dass es kürzlich zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Masern in Lancaster County gegeben habe, die am frühen Dienstagmorgen dem Masern-Einsatzteam der CDC gemeldet worden seien. Der Begriff measles-associated
bedeutet nach Angaben des Gesundheitsministeriums, dass zwar Laborbelege für eine Maserninfektion vorliegen, die Krankheit von den Medizinern jedoch möglicherweise nicht als unmittelbare Todesursache eingestuft wurde.
Die US-Seuchenschutzbehörde CDC erklärte daraufhin über soziale Medien, man arbeite an der Aufklärung der Vorfälle. Zugleich kritisierte die Behörde, das Büro des Gouverneurs habe relevante Informationen vorenthalten und Hilfeersuchen abgelehnt. Das Gesundheitsministerium in Pennsylvania wies diesen Vorwurf als unzutreffend zurück und betonte, man stehe in regelmäßigem Datenaustausch mit den CDC-Mitarbeitern.