Ein aktueller Masernausbruch in Pennsylvania mit fast 400 bestätigten Fällen hat zwei Todesfälle gefordert – die ersten im US-Bundesstaat seit 35 Jahren. Unter den Verstorbenen ist ein Neugeborener aus Lancaster County. Während Experten die Bedeutung von Impfungen betonen, lieferten sich Bundesgesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Gouverneur Josh Shapiro scharfe Auseinandersetzungen.
Todesfälle durch Masern in Lancaster County erschüttern Pennsylvania
Zwei Menschen sind im US-Bundesstaat Pennsylvania im Rahmen einer heftigen Masernwelle gestorben. Es handelt sich dabei um die ersten Masern-Todesfälle in dem Bundesstaat seit 35 Jahren sowie um die ersten gemeldeten Todesfälle dieser Art in den gesamten USA im laufenden Jahr laut Berichten über den Vorfall. Das Infektionsgeschehen hat sich seit April auf mehr als 400 bestätigte Fälle in 29 Countys ausgedehnt, wobei Lancaster County das Epizentrum der Welle bildet.
Lokale Behörden und Ärzte gehen davon aus, dass die tatsächliche Fallzahl noch deutlich höher liegt. Zunächst hielten sich die Gesundheitsbehörden mit Details zu den Verstorbenen unter Verweis auf den Schutz der Privatsphäre zurück wie das Blatt in seiner Berichterstattung anmerkte. Am Mittwoch wurde jedoch bekannt, dass es sich bei einem der Opfer um ein neugeborenes Baby handelt.
Gerichtsmedizin und Gesundheitsministerium uneins über Todesursache
Der Fall des verstorbenen Neugeborenen sorgt unter Medizinern und Behörden für Unklarheiten. Stephen Diamantoni, der als Arzt und Koroner für Lancaster County tätig ist, erklärte öffentlich, dass das Kind kurz nach der Geburt an einer Milzruptur verstarb nach Angaben der lokalen Presse. Eine postmortale Untersuchung des Lungengewebes habe zwar eine Maserninfektion nachgewiesen, die das Kind bereits im Mutterleib erworben hatte, doch laut Diamantoni war nicht das Virus selbst die unmittelbare Todesursache.

Das zuständige Gesundheitsministerium in Pennsylvania erklärte dazu, dass Todesfälle immer dann als measles-associated
beziehungsweise masernassoziiert geführt werden, wenn entsprechende Laborbefunde vorliegen, auch wenn die Erkrankung nicht zwingend die primäre Todesursache war. Paul Offit, Direktor des Vaccine Education Center am Children’s Hospital of Philadelphia, wies darauf hin, dass Masern zu einer Vergrößerung der Milz führen können, was das Organ bei der Geburt anfälliger für Risse macht.
Politische Auseinandersetzung zwischen Robert F. Kennedy Jr. und Gouverneur Shapiro
Begleitet werden die Todesfälle von heftigen politischen Kontroversen. Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro machte sinkende Impfquoten für die Tragödie verantwortlich und warf dem Bundesminister für Gesundheit und Soziales, Robert F. Kennedy Jr., vor, durch die Verbreitung von Fehlinformationen das Vertrauen in Schutzimpfungen zu untergraben wie aus Fachmeldungen hervorgeht.

Kennedy reagierte im Onlinedienst X mit scharfer Kritik an Shapiro und warf der Landesregierung vor, die Situation für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Später ging er noch weiter und äußerte den Verdacht, die Todesfälle könnten möglicherweise erfunden worden sein berichten Medien übereinstimmend. Das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) teilte daraufhin mit, man arbeite daran zu klären, was sich exakt zugetragen habe, und merkte an, dass dem Bundesamt bisher nicht alle relevanten Informationen aus dem Gouverneursbüro vorliegen.
Fachleute mahnen zur Bedeutung des Impfschutzes
Inmitten der politischen Auseinandersetzungen betonen Experten die Gefahren der hochansteckenden Viruserkrankung und den Nutzen der Masern-Mumps-Röteln-Schutzimpfung. Amesh Adalja, ein in Pittsburgh tätiger Experte für Infektionskrankheiten am Johns Hopkins Center for Health Security, betonte, dass eine Infektion in utero die Milz vergrößern und anfälliger machen könne so die Analyse des Fachportals. Gleichzeitig kritisierte er die Informationspolitik der Behörden als unglücklich, da sie Raum für Spekulationen biete.
Angesichts sinkender Immunisierungsraten in den USA bleibt die Lage für Säuglinge und immungeschwächte Personen angespannt.