Alltägliche Verhaltensweisen wie Schlafmangel, chronischer Stress und Bewegungsmangel schädigen langfristig die Gesundheit des Gehirns und erhöhen das Demenzrisiko. Experten wie Dr. Faye Begeti und Dr. Randy D’Amico warnen, dass diese stillen Alltagsfaktoren oft jahrelang unbemerkt bleiben, bevor spürbare kognitive und vaskuläre Probleme auftreten.
Im Januar 2025 beleuchtete die praktizierende Neurologin und Neurobiologin Dr. Faye Begeti im Podcast Vision of Health, wie stark kognitive Funktionen mit dem täglichen Lebensstil verwoben sind. Während die Genetik eine Rolle spielt, zeigen wissenschaftliche Auswertungen, dass steuerbare Faktoren rund 40 bis 45 Prozent des Demenzrisikos ausmachen. Dazu zählen Rauchen, Bluthochdruck, mangelnde Bewegung, soziale Isolation und unzureichender Schlaf.
Chronischer Stress und die Erschöpfung der Gedächtniszentren
„Die Alertness-Hormon-Cortisol-Kurve verläuft statt morgens hoch und nachts tief den ganzen Tag über auf einem gleichbleibenden Niveau.“
Dr. Faye Begeti, Neurologin und Neurobiologin
Diese chronische Ausschüttung greift Regionen wie die Amygdala, den Hippocampus und den präfrontalen Cortex an. Dr. Begeti berichtet aus ihrer klinischen Praxis, dass die Gedächtniszentren durch Dauerstress derart beeinträchtigt werden können, dass Patienten fälschlicherweise wegen des Verdachts auf Demenz in Memory-Kliniken überwiesen werden.
Schlaf als nächtliches Reinigungsprogramm für das Gehirn
Das Gehirn benötigt den Schlaf nicht nur zur Erholung, sondern für lebenswichtige Instandhaltungsarbeiten. Während der Ruhephasen spült das zentrale Nervensystem toxische Proteine wie Amyloid und Tau aus, die als klassische Biomarker für die Alzheimer-Krankheit gelten. Starre Vorgaben wie die pauschalen acht Stunden Schlaf greifen dabei zu kurz, da der individuelle Bedarf stark schwankt.
„In den Nachrichten ist immer vom Durchschnitt von acht Stunden die Rede, aber man muss bedenken, dass das eben der Durchschnitt ist.“
Dr. Faye Begeti, Neurologin und Neurobiologin
Unregelmässige Ruhezeiten und fragmentierter Schlaf stören diesen Prozess massiv. Neuere Untersuchungen unter Leitung von Kristine Yaffe an der UCSF belegen, dass Menschen mit unruhigem Schlaf im mittleren Lebensalter später deutlich schlechtere kognitive Testergebnisse erzielen und ein beschleunigtes Hirnvolumen-Schrumpfen aufweisen. Zur Stabilisierung der inneren Uhr empfiehlt Dr. Begeti, jeden Tag zur exakt gleichen Zeit aufzustehen und morgens kurz natürliches Tageslicht zu tanken.
Kardiovaskuläre Fitness, Ernährung und die Tücken des Alltags
Neben dem Schlaf spielt die körperliche Aktivität eine direkte Rolle für den Erhalt der grauen Zellen. Bewegung kurbelt die Ausschüttung des Proteins BDNF an, das die Neubildung von Neuronen im Hippocampus anregt. Dies deckt sich mit den Empfehlungen von Dr. Randy D’Amico, Direktor für Neurochirurgie am Northwell Lenox Hill Hospital, der betont, dass die American Heart Association wöchentlich 150 Minuten moderates Training zur Unterstützung der Gefässgesundheit anrät.
Ein inaktiver Lebensstil schädigt das Gefässbett und mindert die Sauerstoffzufuhr im Kopf.
Alkohol und die schleichende Abhängigkeit im Abendritual
Auch beim Thema Genussmittel mahnen Fachleute zur Wachsamkeit.
„Alkohol ist eine Droge. Sie beeinflusst unser Gehirn.“
Dr. Faye Begeti, Neurologin und Neurobiologin
Viele Menschen unterschätzen den regelmässigen Konsum kleiner Mengen. Dr. Begeti beobachtet in ihrer Klinik regelmässig, dass bereits ein bis zwei Gläser Wein zum Abendessen über Jahrzehnte hinweg spürbare neurologische Effekte hinterlassen. Ihre Empfehlung lautet daher, Alkohol strikt als gelegentliche Ausnahme zu geniessen, anstatt ihn als festen Bestandteil in die abendliche Routine einzubauen.
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