Jüngere Generationen erkranken weltweit vermehrt an bestimmten Krebsarten wie Darm- und Brustkrebs, wobei Forschende den Grund dafür in einem beschleunigten biologischen Altern vermuten. Eine im Juni 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass Personen der Jahrgänge 1965 bis 1974 ein schnelleres biologisches Altern aufweisen als frühere Generationen.
Der alarmierende Trend, dass Krebs vermehrt bei Menschen unter 50 Jahren auftritt, gibt der medizinischen Forschung seit Jahren Rätsel auf. Während die Gesamtzahl der Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren rückläufig war, verzeichnen Onkologinnen und Onkologen weltweit einen deutlichen Anstieg bestimmter Tumorarten bei jüngeren Jahrgängen. Dies belegen aktuelle Daten und Analysen aus Fachkreisen.
Weltweiter Anstieg und der Generationeneffekt bei Krebserkrankungen
Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Kohorteneffekt. Das bedeutet, dass das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen stark mit dem Geburtsjahrgang ansteigt. Laut Analysen von Harvard-Forschenden weist jemand, der 1990 geboren wurde, im Vergleich zu einer 1950 geborenen Person das vierfache Risiko für Rektumkarzinome und ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Dickdarmkrebs auf. Betroffen sind vor allem einkommensstarke Länder wie die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Australien, Kanada und Neuseeland. In diesen Staaten begann der Anstieg bei Jüngeren in vielen Fällen um das Jahr 1995. Zu den betroffenen Krebsarten gehören neben Darmkrebs auch Brust-, Gebärmutter-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Multiples Myelom.
„Our recent analysis shows that many early-onset cancer types, including colorectal cancer, breast cancer, uterine cancer, kidney cancer, pancreatic cancer, and multiple myeloma have increased more rapidly compared to late-onset cancer types.“
Tomotaka Ugai, Epidemologe an der Harvard T.H. Chan School of Public Health, via news.harvard.edu
Die Rolle des biologischen Alterns und neue Studienergebnisse
Ein möglicher Schlüssel zum Verständnis dieser Entwicklung könnte im biologischen Alter des Körpers liegen. Eine im Juni 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie analysierte Daten von über 154.000 Menschen aus der britischen UK Biobank und kam zu dem Ergebnis, dass Jüngere biologisch schneller altern als frühere Generationen. Mithilfe des PhenoAge-Verfahrens zeigte sich, dass der biologische Altersabstand bei den zwischen 1965 und 1974 Geborenen um 23 Prozent höher lag als bei Menschen der Jahrgänge 1950 bis 1954.

Je stärker das biologische Alter einer Person über ihrem tatsächlichen kalendarischen Alter lag, desto höher fiel laut den Auswertungen das Risiko für Krebs im jungen Alter aus. Pro gemessener Stufe beim beschleunigten biologischen Altern stieg das Risiko um rund acht Prozent. Besonders deutlich zeigte sich diese Verbindung bei Lungen-, Magen-Darm- und Gebärmutterkrebs, wobei das relative Risiko für Lungenkrebs sogar um etwa 57 Prozent anstieg. Die Berechnungen berücksichtigten dabei bereits Faktoren wie den Body-Mass-Index (BMI), Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung sowie die genetische Abstammung.
Ursachensuche bei Ernährung, Lebensstil und Umweltfaktoren
Obwohl genetische Veranlagungen wie das Lynch-Syndrom bei einem Teil der Fälle eine Rolle spielen, machen erbliche Faktoren nach Angaben von Fachleuten nur etwa 10 bis 20 Prozent der früh auftretenden Krebserkrankungen aus. Da sich die Inzidenz von Generation zu Generation verändert, vermuten Forschende die Hauptursachen in Umweltfaktoren und veränderten Lebensumständen.

Experten des National Cancer Institute (NCI) betonen, dass viele Mechanismen der Entstehung noch unklar sind. Phil Daschner, Programmdirektor in NCI’s Division of Cancer Biology, via cancer.gov
Zu den diskutierten Einflussfaktoren, die das beschleunigte biologische Altern und das Tumorwachstum begünstigen könnten, zählen langanhaltendes Übergewicht, ungünstige Ernährung, Bewegungsmangel, Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen sowie Umweltchemikalien. Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien und chronische Entzündungsprozesse rücken verstärkt in den Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen.
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