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Welt

Kanada und EU vereinbaren engere Partnerschaft beim Gipfel in Montreal

Kanada und die Europäische Union haben bei ihrem zweitägigen Gipfel in Montreal eine engere Partnerschaft besiegelt.

Handel und neue Märkte

Premierminister Mark Carney und hochrangige EU-Spitzenpolitiker nutzten das Treffen im historischen Fairmont The Queen Elizabeth Hotel in Montreal, um die transatlantischen Verbindungen massiv auszubauen. Mark Carney bezeichnete Kanada als das am stärksten europäisch geprägte nicht-europäische Land, nachdem die handelspolitischen Spannungen mit den Vereinigten Staaten begonnen hatten. Während der US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen droht und der traditionelle US-Markt für kanadische Exporte durch handelspolitische Unsicherheiten belastet wird, suchen Ottawa und Brüssel engeren Schulterschluss.

Ergänzende Abkommen sollen nun nicht-tarifäre Handelshemmnisse abbauen.

Carney, von der Leyen push Canada-EU ties against Trump threats

Am Donnerstag trafen sich Premierminister Mark Carney, der Präsident des Europäischen Rates Antonio Costa und die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen zu einer Gesprächsrunde mit Wirtschaftsführern im Rahmen des EU-Kanada-Gipfels in Montreal. Schon in den 1950er Jahren, kurz nach den Römischen Verträgen von 1957, war Kanada das erste industrialisierte Land, das ein Abkommen mit der Europäischen Atomgemeinschaft schloss, angetrieben von globalen Krisen wie der damaligen Verunsicherung über Uran- und Energievorräte. Bereits im Februar schloss sich Kanada als einziges nicht-europäisches Land dem Verteidigungsbeschaffungsfonds SAFE an.

Widerstand gegen Technologiemonopole

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte in Montreal vor realen Angriffen auf die Souveränität beider Seiten in einer Welt wachsender Rivalitäten und beschrieb die Partnerschaft als eine Zusammenarbeit, die näher an eine Mitgliedschaft heranreicht als alles bisher Dagewesene, jedoch ohne Beitritt stattfindet. Premierminister Mark Carney erklärte, dass man nicht darauf warten wolle, dass die Zukunft der Künstlichen Intelligenz anderswo von Akteuren entschieden werde, denen man nicht vertraue. Der kanadische Premierminister betonte, dass Kanada und Europa bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz nicht von ausländischen Tech-Interessen abhängig sein dürfen.

Um diese Unabhängigkeit zu untermauern, kündigte die Regierung in Ottawa Investitionen von bis zu 1,6 Milliarden kanadischen Dollar in kanadische KI-Initiativen an. Parallel dazu verständigten sich beide Seiten im Rahmen eines Entwurfs auf eine engere Kooperation bei Satellitendiensten, wozu auch Gespräche über die Beteiligung Kanadas an GovSatCom zur Bündelung von Satellitenkommunikation für Regierungs- und Militärzwecke gehören, sowie auf gemeinsame Initiativen im Bereich kritischer Rohstoffe und der Energieversorgung.

Debatte über den Status

David Plunkett, der ehemalige kanadische Botschafter bei der Europäischen Union, bezeichnete die Debatte um die genaue Bezeichnung als eine unnötige Ablenkung von der substanziellen Arbeit. Ursula von der Leyen hatte diesen Status im September während einer Rede ins Gespräch gebracht. Mehrere EU-Mitgliedstaaten – darunter Deutschland, Frankreich und Griechenland – äußerten jedoch Bedenken, da die bestehenden EU-Verträge einen solchen Status nicht vorsehen. Im Vorfeld des Gipfels sorgte der Begriff eines assoziierten Mitglieds für heftige interne Diskussionen in Europa.

Kanada und EU vereinbaren engere Partnerschaft beim Gipfel in Montreal
Foto: The Globe and Mail

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich im August 2025 bei einem Treffen mit Mark Carney im Kanzleramt in Berlin ähnlich geäußert und betont, dass Kanada aufgrund seiner geografischen Lage zwar kein vollwertiges Mitglied der EU werden könne, man die Beziehungen jedoch auf das höchste Niveau bringen vollen. In den Entwürfen der gemeinsamen Erklärung wurde der genaue Titel daraufhin modifiziert, wobei anstelle einer assoziierten Mitgliedschaft Formulierungen gewählt wurden, die eine Annäherung ohne Vollmitgliedschaft beschreiben. Carney betonte seinerseits, dass die genaue Nomenklatur keine Rolle spiele und die neue Allianz keine Marketingübung sei.

Mark Carney sagte: „Der Name spielt keine Rolle.

Mark Carney salue l’offre de l’Union européenne, Donald Trump mécontent | Première ligne

Sicherheitspolitische Zusammenarbeit

Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, forderte während des Gipfels die Einrichtung eines Sondergerichts für das Verbrechen der Aggression und rief Kanada zur Teilnahme auf. Kanada ist das einzige nicht-europäische Land, das am SAFE-Verteidigungsprogramm der EU teilnimmt, wodurch kanadische Komponenten bis zu 80 Prozent des Beschaffungswertes ausmachen können. Die Vizepräsidentin der Kommission erklärte im Rahmen der Gespräche, dass das Bündnis nicht gegen irgendjemanden gerichtet sei, sondern dem Selbstschutz diene.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und die kanadische Außenministerin Anita Anand unterzeichneten zudem ein Abkommen über den Gastlandstatus, das der EU-Delegation in Kanada den Schutz einer souveränen Botschaft verleiht. Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit wurde auf dem Gipfel vertieft. Schon in den 1950er Jahren, kurz nach den Römischen Verträgen von 1957, war Kanada das erste industrialisierte Land, das ein Abkommen mit der Europäischen Atomgemeinschaft schloss.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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