Jugendliche in Deutschland diskutieren offen über den Trend, durch extreme Selbstoptimierung wie gezielte Verletzungen der Gesichtsknochen an Social-Media-Aufmerksamkeit zu gewinnen. Laut einem Gespräch im Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Mai 2026 wird „dichte Knochenmasse“ als Statussymbol wahrgenommen, während Experten vor gesundheitlichen Risiken warnen.
„Looksmaxxing“: Wenn Knochenbrüche zum Schönheitsideal werden
Der Trend „Looksmaxxing“ — eine Abkürzung für „maximiere dein Aussehen“ — hat in den letzten Monaten auch in Deutschland an Fahrt aufgenommen. Vor allem junge Männer zwischen 16 und 25 Jahren versuchen, durch gezielte Verletzungen, etwa durch Hammerschläge auf das Gesicht, eine markantere Kinnlinie oder andere Merkmale zu erlangen. Die Folgen sind oft schwerwiegend: Knochenbrüche, Narben und langfristige gesundheitliche Schäden. Doch trotz der offensichtlichen Risiken wird der Trend in sozialen Medien wie TikTok und Instagram als Weg zu Ruhm und Anerkennung beworben.
Laut einem Gespräch mit zwei Jugendlichen, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 25. Mai 2026 veröffentlichte, wird „dichte Knochenmasse“ zunehmend als Statussymbol wahrgenommen.
„Mein Traum wäre es, Profiboxer zu werden, viel Geld zu haben, eine gute Familie, ein gutes Haus und so.
Milen, Jugendlicher (FAZ, 25. Mai 2026)
Doch was genau steckt hinter diesem Trend? Der Begriff „Looksmaxxing“ beschreibt die extreme Selbstoptimierung, bei der junge Menschen bereit sind, körperliche Risiken einzugehen, um ein bestimmtes Schönheitsideal zu erreichen. Laut dem Autor Anıl Altıntaş, der sich mit dem Phänomen beschäftigt, geht es dabei nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern auch um den Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit in einer digitalen Welt.
Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen
Fachleute aus dem Gesundheitsbereich zeigen sich alarmiert über die Entwicklung. Der Rheumatologe Christoph Gorbach von der Universitätsklinik Balgrist in Zürich betonte in einem Interview mit Gesundheit Heute vom 16. April 2026, dass die Knochenmasse bis zum 25. Lebensjahr entscheidend aufgebaut werde. „Bis 25 gilt es, viele Reserven aufzubauen“, sagte Gorbach.
Besonders besorgniserregend ist, dass der Trend nicht nur auf das Gesicht beschränkt bleibt. Einige Jugendliche experimentieren auch mit anderen Körperteilen, etwa durch gezielte Brüche an Armen oder Beinen, um eine bestimmte Silhouette zu erreichen. Experten warnen davor, dass solche Praktiken nicht nur akute Schmerzen und Verletzungen verursachen, sondern auch das Risiko für Infektionen und dauerhafte Bewegungseinschränkungen erhöhen.
Warum gerade jetzt?
Der Aufstieg des „Looksmaxxing“-Trends fällt mit der zunehmenden Bedeutung von sozialen Medien zusammen. Plattformen wie TikTok und Instagram belohnen extreme Äußerlichkeiten mit Likes und Followern. Laut einer Studie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck aus dem Jahr 2024 beeinflussen soziale Medien nicht nur die Körperzufriedenheit, sondern auch das Sportverhalten von Jugendlichen. Viele junge Menschen fühlen sich unter Druck gesetzt, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, um in der digitalen Welt akzeptiert zu werden.
Doch während einige Jugendliche den Trend als Ausdruck von Individualität und Selbstbestimmung sehen, warnen Psychologen und Mediziner vor den psychischen Folgen. Der ständige Vergleich mit idealisierten Bildern kann zu Unsicherheiten, Ängsten und sogar Essstörungen führen. Besonders gefährdet sind junge Menschen, die bereits unter Selbstwertproblemen leiden oder in einer Umgebung aufwachsen, in der Äußerlichkeiten über alles gestellt werden.
Was kommt als Nächstes?
Die Diskussion um „Looksmaxxing“ ist noch in vollem Gange. Während einige Plattformen bereits versuchen, gefährliche Inhalte zu sperren oder zu kennzeichnen, fordern Experten mehr Aufklärung und Prävention. Schulen und Eltern sollten Jugendliche über die Risiken solcher Trends informieren und ihnen helfen, ein gesundes Körperbild zu entwickeln.
Doch die größte Herausforderung bleibt die digitale Welt selbst. Solange soziale Medien extreme Schönheitsideale fördern und belohnen, wird es schwer sein, den Trend vollständig einzudämmen. Dennoch gibt es Hoffnung: Immer mehr Influencer und öffentliche Persönlichkeiten setzen sich für ein realistischeres Schönheitsideal ein und zeigen, dass echte Anerkennung nicht von perfektionierten Selbstbildern abhängt.
Eines ist klar: Der Druck, perfekt auszusehen, wird nicht verschwinden. Doch es liegt an uns allen — Eltern, Lehrern, Medizinern und der Gesellschaft — zu verhindern, dass Jugendliche dabei ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden opfern.