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Welt

Italien: Generalstreik und Proteste führen zu Polizeieinsätzen

Italien hat am 30. Oktober 2026 einen landesweiten Generalstreik erlebt, der in mehreren Städten zu Verkehrsbehinderungen, Kundgebungen und Zusammenstössen führte. Die Regierung unter Premierministerin Giorgia Meloni reagierte auf wochenlange soziale Unruhen mit der Entsendung von Fallschirmjägern nach Mailand und scharfen Sicherheitsgesetzen.

Landesweite Proteste und Zusammenstösse in Rom und Turin

Die von der Gewerkschaft Unione Sindacale di Base (USB) ausgerufenen Aktionen richteten sich gegen steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und hohe Rüstungsausgaben. Während die Kundgebungen in vielen Regionen friedlich blieben, kam es in Rom und Turin zu Spannungen. In Rom versammelten sich mindestens 20.000 Menschen am Hauptbahnhof Termini und zogen zum Kolosseum, wo Demonstranten das Areal besetzten und ankündigten, bis zum Sonntag auszuharren.

Dabei warfen Demonstranten auch Flaschen auf Polizeibeamte, während im Umfeld der Regierungszentrale um die Piazza Montecitorio und die Piazza Colonna Kontrollpunkte eingerichtet wurden. Acht Personen wurden festgenommen. In Turin warfen Demonstrierende in der Nähe des Rathauses Mülltonnen und Behälter um, und es kam zu kleineren Handgemüssen mit den Sicherheitskräften zu Beginn des Marsches. Landwirte in Turin kippten zudem Mist auf die Strassen. Die Proteste schlossen sich einer Welle ähnlicher Bewegungen in Ländern wie Frankreich und Spanien an.

Italien: Generalstreik und Proteste führen zu Polizeieinsätzen
Foto: la Repubblica

Laut Stefano De Angelis haben sich „Arbeiter, Arbeitergemeinschaften, Obdachlose und landwirtschaftliche Erzeuger gegen die Wirtschaftskrise mobilisiert, die diese Regierung uns aufzwingt, um Aufrüstung und Militärausgaben zu finanzieren, die nichts mit den Interessen der Bevölkerung zu tun haben, wie er gegenüber teleSUR English erklärte.

Militärpräsenz und scharfe Sicherheitsgesetze in Mailand

Die landesweiten Proteste folgten auf schwere Ausschreitungen in der Vorwoche, bei denen Gruppen von überwiegend jungen Demonstranten und Minderjährigen – von der Mailänder Polizei auf rund 2.000 Personen geschätzt, darunter viele der zweiten Generation sowie ausländische Staatsangehörige – in Mailand und anderen Städten Geschäfte plünderten und Sicherheitskräfte mit Wurfgeschossen angegriffen hatten.

Italien: Gewerkschaft ruft zum Generalstreik auf, Proteste in vielen Städten, Polizei alarmiert

Zusätzlich verlegte die Regierung 500 Soldaten der Eliteeinheit Folgore-Fallschirmjägerbrigade nach Mailand, um die rund 5.000 Polizisten und Sicherheitskräfte bis Ende des Jahres zu unterstützen. Am darauffolgenden Samstag blieb die Situation in Mailand weitgehend friedlich, obwohl vereinzelte Zusammenstösse und Festnahmen von Minderjährigen gemeldet wurden.

Wirtschaftlicher Druck und internationale Solidaritätsstreiks

Hintergrund der Proteste ist eine spürbare Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte. Die Energieinflation in Italien stieg um 4,4 Prozent, die Lebensmittelpreise kletterten um knapp sechs Prozent, und die kumulierte Inflation seit dem Jahr 2000 liegt bei 67 Prozent, was zu einem realen Lohnrückgang von fünf Prozent führte. Viele Demonstrierende beklagten, dass die Löhne nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten und dass die Regierung die Belange junger Menschen ignoriere.

Italien: Generalstreik und Proteste führen zu Polizeieinsätzen
Foto: DW.com

Die Frustration entlud sich in vielfältigen Forderungen, darunter auch Bildungsthemen und Antikriegsinitiativen. In Genoa blockierten Hafenarbeiter Teile des Hafenareals mit Autoreifen und Rauchsafis, um gegen italienische Rüstungsexporte in Konfliktgebiete wie Israel zu protestieren. Auch in Triest versammelten sich hunderte Demonstrierende am Hafeneingang. Die Aktion war Teil eines internationalen Streikaufrufs von Gewerkschaften in etwa 20 Ländern gegen den Transport von Waffen über Seehäfen, der von über 25 Gewerkschaften in 113 Städten weltweit unterstützt wurde.

Weitere Streikpläne und politische Reaktionen

Die Aktionen vom Freitag bilden den Auftakt zu einer neuen Welle sozialer Konflikte in Italien. Die grösste Gewerkschaftskonföderation des Landes, die CGIL, hat für den 20. November einen branchenübergreifenden Generalstreik über alle Sektoren hinweg angekündigt, während für den 14. Dezember Arbeitsniederlegungen im Taxi-Sektor geplant sind. Ursprünglich hatten auch Beschäftigte im Transportwesen und im öffentlichen Nahverkehr Streikpläne angekündigt, diese jedoch nach behördlichen Androhungen von Sanktionen durch Verkehrsminister Matteo Salvini teilweise modifiziert.

Ministerpräsidentin Meloni lehnte jede politische Rechtfertigung für die gewaltsamen Ausschreitungen ab. Giorgia Meloni erklärte in einer Stellungnahme in den sozialen Medien, nachdem die Gesetzgebung zur Bekämpfung der Unruhen beschlossen worden war: „Es ist absolut nichts Revolutionäres daran, zu vandalisieren und zu stehlen. Vandalismus und Diebstahl sind kein Protest, sie sind Kriminalität.

Innenminister Matteo Piantedosi stufte das gesamte Wochenende aufgrund der anhaltenden Spannungen und der drohenden Infiltration gewaltsamer Gruppen als problematisch ein. Während studentische Verbände, linke Organisationen und Basisgewerkschaften ihre Mobilisierung fortsetzten, wurde hervorgehoben, dass die breite sozioökonomische Unzufriedenheit eine ganze Generation betrifft.

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Foto: HuffPost

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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