Tausende Demonstranten haben am Wochenende in Mailand, Turin, Bologna und Rom gegen steigende Lebenshaltungskosten und Kriege demonstriert, während die italienische Regierung unter Premierministerin Giorgia Meloni 500 Soldaten in die Finanzmetropole entsandte und schärfere Gesetze gegen Demonstrationsgewalt erließ.
Mailand und Rom im Ausnahmezustand nach heftigen Krawallen
Schwer bewaffnete Polizeikräfte und militärische Einheiten prägten am Wochenende das Stadtbild in Mailand und anderen italienischen Großstädten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters kam es bei Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten und Kriege zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, besonders in Turin, Rome und Bologna, während Berichterstatter von Reuters in Mailand keine geplünderten Geschäfte oder beschädigtes Eigentum beobachteten. Die Journalistin Martina Miccichè wurde laut Berichten von The Guardian in Mailand am Piazza del Duomo von einem fliegenden Gegenstand getroffen, als sie filmte, wie Bereitschaftspolizisten einen Jugendlichen traten und schlugen, während die von Agence France-Presse und Getty Images übermittelte Beobachtung von Protesten der Bewegung Italia in Piazza
sprach.
Bereits am Wochenende zuvor hatte es schwere Ausschreitungen gegeben, bei denen Geschäfte geplündert, Fensterscheiben eingeworfen und Barrikaden in Brand gesetzt worden waren. Die US-Botschaft in Rom warnte vor anhaltenden Protesten für das Wochenende des 24. Oktober 2026 und riet Bürgern dringend, die angemeldeten Demonstrationsrouten wie den Marsch der Bewegung Fuori l’Italia dalla guerra am Kolosseum oder Kundgebungen am Circus Massimo zu meiden; zu den dort gemeldeten Umzügen gehörten laut der US-Vertretung auch Kundgebungen von Azione Universitaria und Azione Studentesca mit dem Titel Sblocchiamo tutto
.
Das Notfallpaket der Regierung Meloni und die Stationierung von Soldaten
Als Reaktion auf die Straßenkrawalle hat das Kabinetz von Premierministerin Giorgia Meloni ein weitreichendes Sicherheitsdekret auf den Weg gebracht. Die neuen Bestimmungen, die unmittelbar in Kraft traten, ahnden die gewaltsame Teilnahme an Demonstrationen von Gruppen ab fünf Personen mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren sowie Geldstrafen von bis zu 20,000 Euro (entsprechend 22,460 US-Dollar, wie The Independent ergänzt).

Es gibt nichts Revolutionäres daran, zu verwhusten und zu stehlen. Vandalismus und Diebstahl sind kein Protest, sie sind Kriminalität.
Zusätzlich zu den verschärften Strafen entsandte das italienische Verteidigungsministerium 500 zusätzliche Soldaten nach Mailand, die bis zum Ende des Jahres 2026 kritische Punkte sichern, Bahnhöfe bestreifen und sensible Orte überwachen sollen. Das Gesetz sieht zudem vor, dass Eltern für Sachbeschädigungen und Plünderungen ihrer minderjährigen Kinder finanziell zur Verantwortung gezogen werden können und die Polizei Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren präventiv in Gewahrsam nehmen darf, selbst wenn diese noch keine Straftat begangen haben, sofern eine Gefahrenlage vorliegt.
Soziale Spannungen und die Debatte um Italiens Jugend
Hinter den Protesten stehen tiefe wirtschaftliche Sorgen. Neben den städtischen Kundgebungen kämpft die Regierung im Süden des Landes mit landesweiten Straßenblockaden von Lkw-Fahrern, die gegen Dieselpreise und Lebenshaltungskosten protestieren, wodurch Lieferketten für Supermärkte gestört wurden, während einige Pastaproduzenten die Produktion einstellen mussten und Landwirte vor verrottendem Obst warnten.

Soziologen und Journalisten wie der Chefredakteur von Libero, Alessandro Sallusti, weisen laut dem Spectator darauf hin, dass ein Großteil der festgenommenen Randalierer aus Jugendlichen der sogenannten zweiten Generation (di seconda generazione) besteht, die vor allem per TikTok und WhatsApp mobilisiert wurden und teils aus Randgebieten stammen. Mailand-Bürgermeister Giuseppe Sala erklärte gegenüber Nachrichtenmedien, dass die Gründe für die ursprünglichen Proteste zwar verständlich seien, die Gewalt gegen Polizeibeamte und die Zerstörungen in der Stadt jedoch durch nichts zu rechtfertigen seien.
Ermittlungen zu möglicher digitaler Einflussnahme
Italienische Behörden gehen parallel zu den Sicherheitsmaßnahmen Hinweisen nach, ob ausländische Akteure die Proteste über digitale Plattformen verstärkt haben. Verteidigungsminister Guido Crosetto warnte in Rom vor den Gefahren der hybriden Kriegsführung und erklärte, dass soziale Medien gezielt genutzt würden, um Jugendliche zu radikalisieren und in einen Gegensatz zu demokratischen Institutionen zu treiben. Nach Angaben von EU Today gibt es jedoch bislang keine öffentlichen Beweise dafür, dass Moskau die Ausschreitungen direkt orchestriert hat.
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