Mehr als 5000 Menschen haben am Samstag in Mailand gegen steigende Preise und niedrige Löhne demonstriert. Der zunächst friedliche Protest schlug am Nachmittag in schwere Ausschreitungen um. Randalierer verwüsteten dabei Innenstädte, plünderten Geschäfte und griffen Einsatzkräfte mit Steinen und Feuerwerkskörpern an.
Eskalation in der Mailänder Innenstadt
Was als Kundgebung gegen hohe Lebenshaltungskosten, sinkende Reallöhne und Probleme im Bildungs- und Gesundheitswesen begann, nahm am Samstagnachmittag eine gewaltsame Wendung. Mehr als 5000 Personen hatten sich zu dem Protest versammelt. Dieser orientierte sich in seiner thematischen Ausrichtung an ähnlichen Demonstrationen in Frankreich. Doch im Bereich des Mailänder Doms und den umliegenden Einkaufsstraßen kippte die Stimmung rasch.
Teilweise vermummte Jugendliche errichteten Barrikaden. Sie setzten Mülltonnen sowie Fahrzeuge in Brand und bewarfen die Polizei mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik. Augenzeugenberichte sprachen von kriegsähnlichen Szenen im Herzen der italienischen Metropole.
Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte und zahlreiche Verletzte – in Mailand sind Proteste in schwere Ausschreitungen umgeschlagen. https://t.co/VszjvH4iIb pic.twitter.com/NNvwKpIXHy
Passanten und Touristen gerieten in das unübersichtliche Chaos und mussten sich in Sicherheit bringen. Die Polizei reagierte auf die Angriffe mit dem Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken.
Plünderungen und verletzte Einsatzkräfte
Die Ausschreitungen richteten sich gezielt gegen den Einzelhandel im Stadtzentrum. Randalierer stürmten und plünderten mehrere Filialen bekannter Marken. Darunter befanden sich Nike, Foot Locker, Decathlon sowie die Luxusboutiquen Louis Vuitton und Dior. An historischen Gebäuden tauchten zudem Palästina-Flaggen auf.
Zahlreiche Menschen erlitten Verletzungen, und auch Polizeifahrzeuge wurden schwer beschädigt. Die Behörden verzeichneten massive Sachschäden in den Haupteinkaufsstraßen der Stadt, während die Einsatzkräfte versuchten, die Kontrolle über das Zentrum zurückzugewinnen.
Politische Reaktionen im Land
Italiens Premierministerin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt scharf und forderte eine geschlossene Haltung der politischen Kräfte.
Demonstrieren ist ein Recht, aber unsere Städte in Brand zu setzen nicht. Ich wiederhole meinen Appell an die Opposition: Seien Sie in dieser Frage nicht zweideutig. Jedes Zögern wird als Rechtfertigung ausgelegt.
Über die Identität der Randalierer gibt es unterschiedliche Beobachtungen. Laut Medienberichten schlossen sich den Protesten zahlreiche Jugendliche aus Mailänder Vororten und umliegenden Provinzen an, von denen viele einen Migrationshintergrund haben. In diesem Zusammenhang wird in Italien häufig der Begriff „Maranza für eine bestimmte urbane Jugendkultur verwendet.
Die Polizei betont jedoch, dass neben Jugendlichen aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte auch italienische Staatsbürger ohne Migrationshintergrund an den Gewalttaten beteiligt waren. Eine offizielle statistische Aufschlüsselung liegt noch nicht vor.
Parallelen zu Unruhen
Die Ereignisse in Mailand rufen Erinnerungen an die jüngsten Krawalle in Frankreich wach, wo es ebenfalls zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften kam. Beobachter sehen in beiden Ländern ähnliche gesellschaftliche Spannungen im Raum. Dazu gehören soziale Ausgrenzung, fehlende Zukunftsperspektiven für Jugendliche und ein angespanntes Verhältnis zu staatlichen Institutionen.
Ob diese Faktoren die plötzliche Eskalation in Mailand unmittelbar ausgelöst haben, ist derzeit noch unklar.