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Welt

Schülerproteste in Paris: Ausschreitungen an der Bastille

Frankreichs Schülerproteste haben am Donnerstag mit einer großen Demonstration am Place de la Bastille ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Während der Innenminister 71.500 Teilnehmer im ganzen Land meldete, feierte die politische Linke die Rückeroberung des historischen Platzes.

Die Protestwelle, die im September in den Vororten von Paris ihren Anfang nahm und sich nun auf Eliteuniversitäten wie das Institut Catholique und die Ingenieurschule Mines Paris ausdehnte, richtet sich gegen marode Schulanlagen, stundenlange Ausfälle und einen tiefgreifenden Personalmangel. Am Donnerstag eskalierten die Kundgebungen an der Bastille, nachdem Demonstranten Pflastersteine und Feuerwerkskörper auf Polizeikräfte warfen. Die Behörden reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern.

Politische Reaktionen und die Besetzung der Bastille

Mélenchon lobte den kraftvollen Protest der Jugend und kündigte weitere Aktionen für den kommenden Dienstag an. Kritiker aus dem Regierungslager warfen der harten Linken daraufhin vor, die legitime Wut junger Menschen für parteipolitische Zwecke auszuschlachten.

Schülerproteste in Paris: Ausschreitungen an der Bastille
Foto: DW.com

Bereits am Morgen des Donnerstags hatten Schüler die Hélène-Boucher-Gesamtschule im Nordosten von Paris mit Mülltonnen verbarrikadiert, bevor die Polizei den Protest mit Tränengas auflöste. Sie berichtete zudem von Mängeln an ihrer ehemaligen Schule wie undichten Stellen, Isolationsproblemen und gelegentlichen Sichtungen von Ratten. Eine andere Demonstrantin namens Sofia Ferdials betonte, dass nichts sie aufhalten werde. Die 39-jährige Schimbibliothekarin Dounia Gergeon schloss sich den Kundgebungen an, weil sie sich um die Zukunft der in die Enge getriebenen Jugend sorgt.

Die Schüler haben Forderungen, die denen sehr ähnlich sind, welche Lehrer seit Jahren vorbringen. Das System ist marode, und weil es so lange keine Antwort darauf gab, passiert das jetzt.

Die öffentliche Meinung in Frankreich ist gespalten. Laut einer Umfrage des Instituts Elabe für den Sender BFM TV unterstützen zwar 72 Prozent der Befragten die grundsätzlichen Beschwerden über das Bildungssystem, doch gleichzeitig gaben 55 Prozent an, dass die Proteste inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen seien.

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Regierungspläne und das Krisenmanagement der Ministerien

Um die Wogen zu glätten, kündigte Bildungsminister Edouard Geffray am späten Donnerstagabend ein Notfallprogramm an. Demnach sollen kurzfristig 3.000 Vertretungslehrer, die ihre Arbeit noch nicht aufgenommen haben, in stark benachteiligte Einrichtungen entsandt werden, um die Personallücken zu füllen. Geffray kündigte zudem an, dass langsame Vertretungslösungen und schwere Stundenpläne einer Überprüfung unterzogen werden sollen. Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Vorabend versprochen, dass die Regierung bis Ende Oktober konkrete, rasche und vollständig finanzierte Antworten auf die Proteste vorlegen wird.

Vertreter der Schülerorganisationen reagierten jedoch skeptisch auf die Zusagen der Regierung. Marius Mesnil von einer Schülervereinigung bezeichnete die Blockaden als notwendiges Mittel, um überhaupt einen Vakanzplan zu erreichen. Auch Sabrine Kharbach betonte, dass die Demonstrationen erst dann enden würden, wenn tatsächlich zehn Milliarden Euro für Investitionen bereitgestellt würden.

Schülerproteste in Paris: Ausschreitungen an der Bastille
Foto: ABC News

Zahlen, Festnahmen und internationale Ausweitung

Das Ausmaß der Unruhen spiegelt sich auch in den Statistiken der Behörden wider. Seit dem Beginn der Aktionen im späten September hat die französische Polizei mehr als 6.600 Festnahmen vorgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums gingen insgesamt 71.500 Menschen auf die Straße, darunter 24,500 in der Hauptstadt Paris. Bei den Zusammenstößen wurden zudem 504 Personen festgesetzt und 48 Polizeibeamte sowie Gendarmen verletzt. Innenminister Laurent Nuñez verurteilte die Angriffe scharf und lobte die Einsatzkräfte für ihr Vorgehen.

Ausblick auf die kommenden Protesttage

Ungeachtet der polizeilichen Präsenz und der Regierungszusagen bereiten Gewerkschaften und Schülerverbände bereits die nächsten Schritte vor. Für den kommenden Dienstag, den 13. Oktober geplanten weiteren Großmobilisierung.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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