Eskalation der Unruhen nach dem Halbfinal-Erfolg
Die Qualifikation von Paris Saint-Germain für das Finale der Uefa Champions League führte in der französischen Hauptstadt und Umgebung zu schweren Unruhen. Nachdem PSG ein 1-1-Unentschieden in München erreicht und damit den Einzug ins Finale geschafft hatte, eskalierte die Stimmung in den Straßen. Laut Angaben von Innenminister Laurent Nuñez gegenüber dem französischen Radio wurden insgesamt 127 Personen in der weiteren Pariser Region festgenommen, wobei 107 dieser Verhaftungen allein im Stadtzentrum erfolgten.
Die Bilanz der gewaltsamen Auseinandersetzungen ist besorgniserregend. Elf Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Zudem erlitten 23 Polizeibeamte leichte Verletzungen. Während ein Großteil der Feierlichkeiten friedlich verlief – so beobachtete auch der kürzlich gewählte Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire das Spiel gemeinsam mit hunderten Menschen, darunter viele Kinder, in seinem Hauptquartier im Hôtel de Ville –, verwandelten sich andere Stadtteile in Kampfzonen.
Im Zentrum von Paris zündeten Randalierer Dutzende Mülltonnen und mehrere Autos an. Die Polizei setzte Tränengas ein, um zu verhindern, dass Gruppen das PSG-Stadion, den Parc des Princes, stürmen.
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Ich verurteile diese Exzesse, die leider zu einer gewöhnlichen Erscheinung an Abenden werden, an denen Paris Saint-Germain gewinnt.
Laurent Nuñez, Innenminister
Zerstörung öffentlicher Ausstellungen und gezielte Angriffe
Die Unruhen beschränkten sich nicht auf bloße Fan-Ausschreitungen, sondern nahmen die Form gezielter Zerstörung an. Ein besonders prominentes Opfer war eine Freiluftausstellung des Fotografen Yann Arthus-Bertrand auf der Place de la Concorde. In einem Video dokumentierte Arthus-Bertrand die Zerstörung seiner Arbeit: Alle ausgestellten Paneele waren umgestoßen und zahlreiche Bilder waren vandalisiert worden.
Innenminister Nuñez berichtete zudem, dass hunderte Menschen versucht hatten, die Polizei gezielt anzugreifen und lokale Geschäfte zu plündern. Ein Versuch, die Pariser Ringstraße, die Périphérique, zu blockieren, konnte laut dem Minister jedoch vereitelt werden. Ein schwerverletzter Zivilist wurde dabei auf den Einsatz eines Mörtel-Feuerwerks zurückgeführt.
Konflikt zwischen Stadtverwaltung und Sicherheitsbehörden
Die Ereignisse führten zu einem öffentlichen Dissens zwischen der Stadtverwaltung und der nationalen Sicherheitsebene. Bürgermeister Emmanuel Grégoire äußerte den Wunsch, auch das Finale am 30. Mai in Budapest als großes Fest zu gestalten und eine entsprechende Fan-Zone einzurichten. Obwohl er die potenziellen Risiken anerkannte, betonte er gegenüber dem Radio, dass er an einer sicheren, aber groß angelegten Feier arbeite.
Diese Pläne stießen beim Innenminister auf wenig Gegenliebe. Nuñez bezeichnete das Vorgehen des Bürgermeisters als unilateral
und warnte ausdrücklich vor der Gefahr weiterer Unruhen während des Finalspiels gegen Arsenal in Budapest.
Chronik der Ausschreitungen bei PSG-Spielen
Die jüngsten Ausschreitungen sind Teil einer besorgniserregenden Tendenz bei sportlichen Erfolgen des Vereins. Die Gewalt nach dem Halbfinale gegen Bayern München wurde zwar als weniger schwerwiegend eingestuft als die Ereignisse nach dem Sieg im Champions-League-Finale der Vorsaison gegen Inter Mailand, doch die Parallelen sind deutlich.
In der vergangenen Saison wurden nach dem Triumph gegen Inter Mailand hunderte Menschen festgenommen. Die damaligen Unruhen forderten in Frankreich zwei Todesopfer. Zur Sicherung dieses Spiels waren mehr als 5.000 Polizisten in Paris im Einsatz gewesen, und das Parc des Princes-Stadion war in eine Fan-Zone verwandelt worden, wobei es auch damals zu Zusammenstößen in unmittelbarer Nähe des Stadions kam.
Die wiederholten Vorfälle werfen Fragen über die Sicherheitsstrategien in der Hauptstadt auf, insbesondere wenn es darum geht, die Grenze zwischen sportlicher Begeisterung und organisierter Kriminalität zu ziehen. Während die Stadtverwaltung auf Integration und Fan-Zonen setzt, sieht das Innenministerium die Notwendigkeit einer strikteren Kontrolle, um die öffentliche Ordnung in Paris zu gewährleisten.