Der britische Sänger Myles Smith erreichte mit seinem Hit „Stargazing“ fast 700 Millionen Spotify-Streams und verbrachte 40 Wochen in den britischen Charts. Laut dem Guardian wurde der 26-Jährige für den Song des Jahres sowie als bester neuer Künstler und Pop-Act bei den Brit Awards nominiert, nachdem er bereits den Brits Rising Star Award gewonnen hatte. Diese Auszeichnung, die traditionell an Künstler verliehen wird, denen ein großer Durchbruch bevorsteht, markierte den Beginn seines rasanten Aufstiegs in der öffentlichen Wahrnehmung.
Der kommerzielle Erfolg von „Stargazing“
Myles Smith etablierte sich im vergangenen Jahr als eine der erfolgreichsten britischen Künstlerstimmen. Sein Titel „Stargazing“ knackte die Top 20 der US-Charts, wie der Guardian berichtet. Der Song folgte einem Muster, das in der heutigen Musikindustrie immer häufiger vorkommt: Ein kurzer Ausschnitt auf sozialen Medien generierte ein massives Interesse, das schließlich in Millionen von Streams mündete. Im Januar erweiterte Smith seine Erfolgsliste mit dem Song „Nice to Meet You“, der als sein zweiter Top-10-Hit gewertet wird.
Diese Popularität führte zu einer engen Verbindung mit Ed Sheeran. Sheeran, der Smith als Vertrauten bezeichnet, engagierte den Sänger als Support-Act für eine Stadiontournee. Diese Partnerschaft ist für einen Newcomer von strategischer Bedeutung, da sie den Zugang zu einem globalen Publikum in einem Rahmen ermöglicht, der über digitale Plattformen hinausgeht. Smith nutzt zudem soziale Medien für seine Reichweite; auf TikTok folgen ihm derzeit 1,6 Millionen Menschen, was die Plattform zu einem zentralen Werkzeug für seine Vermarktung und die Interaktion mit seinen Fans macht.
Musikalische Einflüsse und Stilmittel
Smiths Musik unterscheidet sich von anderen schwarzen britischen Popkünstlern durch die Integration von Elementen, die an Country-Musik erinnern. Laut dem Guardian prägen animierte Akustikgitarren und Banjos seinen Sound, was ihn in die Nähe des „stomp-clap“-Stils von Bands wie Mumford & Sons oder den Lumineers rückt. Dieser Stil, der oft durch organische Instrumentierung und rhythmische, perkussive Elemente gekennzeichnet ist, bricht mit den traditionellen Erwartungen an Genre-Zuweisungen basierend auf der ethnischen Herkunft des Künstlers.

Neben diesen Einflüssen finden sich in seinen Produktionen Pianos und ätherische Effekte. Der Guardian nennt Coldplay und Hozier als weitere Referenzpunkte für seinen Stil, der durch insistente Beats und große Breakdowns auch für Fans elektronischer Musik zugänglich ist. Die Kombination aus folkigen Wurzeln und moderner Pop-Produktion ermöglicht es Smith, sowohl in akustischen Settings als auch in großen Arenen zu funktionieren.
Therapeutische Aufarbeitung familiärer Krisen
Die emotionale Tiefe von Smiths Texten ist eng mit seiner persönlichen Biografie in Luton verknüpft. Smith wuchs in einer jamaikanischen Familie in einem Arbeiterviertel auf. Zwischen seinem neunten und dreizehnten Lebensjahr zerbrach die Ehe seiner Eltern, was er als kritische Phase der Beziehungsbildung beschreibt. Der Verlust der stabilen Familienstruktur in diesem Alter prägte sein Verständnis von Bindung und Vertrauen maßgeblich.
Anyone else’s parents divorce and then your dad leaves and then your whole perception of love and relationships is completely screwed up and you don’t know how to trust anyone in your adult life? Myles Smith, Sänger
Smith gibt an, dass diese Erfahrung zu Vertrauensproblemen führte. Zur Bewältigung dieser Traumata nutzte er Therapie, die er als „beautiful tool“ bezeichnet. Er betont, dass die eigentliche Erkenntnis und das Aufarbeiten der Gefühle erst im Erwachsenenalter erfolgten. Dieser Prozess der Selbstreflexion fließt direkt in sein Songwriting ein, wodurch seine Musik oft eine melancholische, aber hoffnungsvolle Grundstimmung erhält, die viele Hörer anspricht.
Soziale Barrieren in der Musikbranche
Trotz seines Erfolgs thematisiert Smith die strukturellen Schwierigkeiten für Menschen aus einfachen Verhältnissen. Er beschreibt sich selbst als jemanden, der sich schon früh als Außenseiter fühlte, da seine Interessen an Rock und Screamo nicht mit denen seiner Peers übereinstimmten. Diese musikalische Nonkonformität führte dazu, dass er seinen Weg außerhalb der etablierten sozialen Normen seiner Umgebung suchen musste.
In Bezug auf den Zugang zur Musikindustrie stellt Smith fest, dass die Möglichkeiten für Menschen aus der Arbeiterklasse „few and far between“ seien, wie der Guardian berichtet. Er weist darauf hin, dass Netzwerke, finanzielle Ressourcen und der Zugang zu bestimmten Brancheninsidern oft eine unsichtbare Barriere bilden. In diesem Zusammenhang wird der Erfolg über soziale Medien wie TikTok oft als demokratisierendes Element gesehen, da es Künstlern ermöglicht, ihr Publikum direkt zu erreichen, ohne auf die traditionellen Gatekeeper der Musikindustrie angewiesen zu sein.
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