Zum Inhalt springen
Nachrichten

Hamburg: Gen Z regelt-Demo eskaliert mit 120 Festnahmen

Rund 6.700 Menschen demonstrierten am 31. Oktober 2026 in Hamburg gegen die Wehrpflicht und forderten soziale Gerechtigkeit. Nach einem zunächst friedlichen Verlauf eskalierten die Proteste am Abend am Steindamm, wo die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray gegen brennende Barrikaden und Böllerwürfe einsetzte und 120 Personen in Gewahrsam nahm.

Eskalation am Hamburger Steindamm und 120 Festnahmen

Die Demonstration unter dem Motto Gegen Wehrpflicht – Gen Z regelt! begann am Nachmittag des Reformationstages am Jungfernstieg und verlog sich zunächst weitgehend friedlich. Die Polizei zählte in der Spitze rund 6.700 Teilnehmer, während das Organisationsteam ebenfalls von 6.000 bis 7.500 Demonstranten ausging. Doch mit dem Einbruch des Abends kippte die Stimmung in der Nähe des Hauptbahnhofes am Steindamm.

Schwarz gekleidete und teils vermummte Personen zündeten Pyrotechnik, rissen Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und errichteten brennende Barrikaden. Schwerpunkte nächtlicher Brandstiftungen lagen im Hamburger Osten in den Stadtteilen Hammerbrook und Billstedt, wo mehrere Autos und Papiercontainer Feuer fingen. Die Polizei beendete die Veranstaltung vorzeitig, setzte Wasserwerfer zum Löschen der Barrikaden und nach wiederholten Böllerwürfen auf die Einsatzkräfte auch gegen die Menge ein. Insgesamt nahmen die Beamten in Hamburg 120 Menschen in Gewahrsam.

Bundesweite Krawalle in Frankfurt, Köln und weiteren Städten

Nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen deutschen Großstädten eskalierten die von der Initiative Gen Z regelt organisierten Jugendproteste am Abend. In Frankfurt am Main sperrte die Polizei die zentrale Einkaufsstraße Zeil ab, nachdem Randalierer Fensterscheiben einschlugen, Geschäfte plünderten und Einsatzkräfte angriffen nach einer friedlichen Demonstration. Auch aus Köln, Bremen und Berlin wurden Flaschen-, Böller- und Eierwürfe sowie teils tumultartige Szenen gemeldet.

Der hessische Ministerpräsident Rhein zeigte sich schockiert über die Gewalt. Die CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann kritisierte die Krawalle scharf und erklärte, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich gewesen sei. Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich – für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten, sagte Hoppermann der Deutschen Presse-Agentur. Der Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Roßkopf, betonte gegenüber der Rheinischen Post, dass die Proteste zwar sehr friedlich begonnen hätten, die Gewalt nach Veranstaltungsende jedoch von autonomen und zum Teil vermummten Personen ausgegangen sei.

Ziele der Initiative und Distanzierung der Bundesschülerkonferenz

Die Initiative hatte im Vorfeld in mehr als 30 Städten zu Kundgebungen aufgerufen, um für bessere Bildung, Klimaschutz, Suchthilfe, Psychotherapie und Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten zu demonstrieren. In einem Positionspapier formulierte das Bündnis seine zentralen Forderungen:.

Hamburg: Gen Z regelt-Demo eskaliert mit 120 Festnahmen
Foto: NDR.de
  • Mehr Geld für das Schulsystem und Bekämpfung des Investitionsstaus
  • Investitionen in soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben statt Sparen bei der Jugend
  • Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen über die Zukunft der jungen Generation

Reaktionen und Bilanz der Veranstalter

Trotz der gewaltsamen Ausschreitungen zog die Initiative Gen Z regelt am späten Abend eine positive Bilanz des ersten Protesttages und sprach von mehr als 100.000 Teilnehmenden bundesweit, wobei zu diesem Zeitpunkt noch Zahlen aus mehreren Städten ausstanden. Ein Sprecher namens Amadeo kündigte an, die Proteste fortzusetzen und sich am 20. November an europaweiten Demonstrationen zu beteiligen.

Zu den Krawallen nach Veranstaltungsende erklärte der Sprecher: Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss. Die Hamburger Einzelhändler hatten sich unterdessen aus Sorge vor Zuständen wie bei früheren Unruhen in Frankreich bereits im Vorfeld vorbereitet und Schaufenster entlang der Route am Neuen Wall mit Holzplatten verbarrikadiert. Wegen des Feiertags zum Reformationstag blieben die Geschäfte am Samstag geschlossen; Plünderungen gab es in der Hansestadt der Polizei zufolge nicht.

GEN Z REGELT DEMOS: Polizei setzt bei Protesten in Köln und Hamburg Wasserwerfer ein
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.