Eine verheerende Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll hat Dörfer entlang der Grenze zwischen Nepal und Tibet getroffen. Nach Angaben von UPR sind bei der Katastrophe mindestens 400 Menschen ums Leben gekommen, während mehr als tausend weitere Personen vermisst werden. Die US-amerikanische Erdbebenwarte USGS teilte mit, dass das Ereignis durch einen Gletscherabbruch ausgelöst wurde, der zu einem massiven Erdrutsch und schweren Überschwemmungen führte.
Tödliche Sturzfluten nach Gletscherabbruch in Nepal und Tibet
Der Eis- und Gesteinskollurs war so stark, dass er ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 auslöste und eine gewaltige Flutwelle in das Bhotekoshi-Flusssystem lenkte. Behörden und Wissenschaftler stellten fest, dass der Erdrutsch die seismische Energie erzeugte und kein Erdbeben stattgefunden hatte. Satellitenbilder aus China zeigten zudem, dass ein Eiserdrutsch einen Abschnitt des Flusses Lhende Khola blockiert und einen temporären See gebildet hatte, der in der Folge ausbrach.
Auswirkungen des Klimawandels und schrumpfende Gletscher
Wissenschaftler erklären, dass schmelzende Gletscher und auftauender Permafrost im Himalaya zu solchen Ereignissen beitragen. Alton Byers von der University of Colorado Boulder erklärte, dass sich die Region durch den Klimawandel stark erwärmt und die dortigen Gefahren zunehmen. Auch Twila Moon vom National Snow and Ice Data Center betonte, dass derartige Gletschergefahren durch die Erwärmung wahrscheinlicher werden.
Die Heftigkeit der Überschwemmungen wurde laut Mohammad Farooq Azam von der Umweltorganisation ICIMOD dadurch verstärkt, dass das Ereignis während der schweren Regenfälle der Monsunzeit stattfand, in der Flüsse ohnehin stark angeschwollen sind. Experten weisen darauf hin, dass die Zerstörungen auch deshalb so massiv ausfielen, weil zahlreiche Gebäude in gefährdeten Überschwemmungsgebieten errichtet worden waren und die wachsende touristische Nutzung mehr Menschen der Gefahr aussetzt.
Einsatzkräfte im Kampf gegen die Zeit und Hilfsmaßnahmen
In den betroffenen Regionen läuft ein Wettlauf gegen die Zeit. Pascal Morf, Leiter der Abteilung Not- und Katastrophenhilfe beim Schweizerischen Roten Kreuz (SRK), erklärte gegenüber 20min.ch, dass die Rettung von Menschen und die Bereitstellung von Trinkwasser und Notunterkünften oberste Priorität haben. Zu den größten Herausforderungen zählen demnach verwüstete Straßen und Überschwemmungen, die den Zugang stark erschweren.

Das nepalesische Rote Kreuz ist vor Ort im Einsatz, sucht nach Vermissten und versorgt Verletzte. Da die Regierung bislang keine internationale Hilfe angefordert hat, sind keine Schweizer Einsatzkräfte vor Ort angefragt. Mit Unterstützung des Bundes plant das SRK jedoch 500.000 Franken für die akute Nothilfe und den späteren Wiederaufbau bereitzustellen.
Kritik an Frühwarnsystemen und Ausblick
Erste Berichte werfen Fragen zur Leistungsfähigkeit der lokalen Schutzmechanismen auf. Wie Recherchen unter anderem von Zeit Online zeigen, weisen Forscher darauf hin, dass ein funktionierendes Frühwarnsystem Menschenleben hätte retten können. Demnach war das nepalesische Warnsystem trotz jahrelanger Investitionen der Regierung nicht ausreichend auf derartige Fluten vorbereitet, da die Instandhaltungskosten die Möglichkeiten überstiegen.
Fachleute fordern daher verstärkte Investitionen in Frühwarntechnologien für gefährdete Bergregionen, um künftige Opferzahlen angesichts der steigenden Risiken durch den Klimawandel zu minimieren.
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