Eine Boeing 767 von Amazon Air schoss beim Landeanterschied über die Piste hinaus und traf zwei Fahrzeuge. Die Nationale Verkehrssicherheitsbehörde der USA (NTSB) hat die Ermittlungen aufgenommen.
Ein von 21 Air für den Online-Riesen Amazon betriebenes Frachtflugzeug ist am Sonntag gegen 14 Uhr Ortszeit am Internationalen Flughafen Miami über das Ende der Landebahn hinausgeschossen. Der Vorfall führte zu massiven Flugausfällen und -verspätungen an dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, wie aus aktuellen Berichten hervorgeht.
Tragische Bilanz auf der Straße und am Flughafen
Die NTSB bestätigte am Montag, dass alle fünf Todesopfer Insassen der beiden getroffenen Fahrzeuge waren. Nach Angaben der Behördenleitung befanden sich sieben Personen in einem Ford Econoline Transporter aus dem Jahr 2012, der von einem Reinigungsunternehmen für Fluggesellschaften betrieben wurde. Die Maschine räumte den Transporter ab, bevor sie die Umzäunung durchbrach und einen Toyota Corolla auf der Northwest 67th Avenue rammte.
NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy beschrieb die Unfallstelle bei einer Pressekonferenz als utter devastation
und berichtete von Trümmerteilen, beschädigten Airbags und einer zerstörten Reinigungscrew-Fahrbahn. Neben den fünf Toten wurden drei Personen schwer und zwei weitere mit weniger schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Rettungskräfte mussten zudem den Piloten und den Co-Piloten aus dem Cockpit befreien sowie eine Person bergen, die unter einem Fahrzeug eingeklemmt worden war.
Ermittler prüfen Landeposition und Wetterbedingungen
Bundesermittler konzentrieren sich bei ihrer Untersuchung auf die entscheidenden Sekunden des Landeanflugs. Videomaterial des Vorfalls legt nahe, dass die Boeing 767 sehr weit über der Landebahn schwebte, bevor sie aufsetzte. Luftfahrtexperten weisen darauf hin, dass die übliche Aufsetzzone innerhalb der ersten 3.000 Fuß einer Piste liegt. Wenn ein Frachtflugzeug diesen Bereich weit hinter sich lässt, sollte das Landemanöver nach Einschätzung von Fachleuten abgebrochen werden.

Zusätzlich zu Fluggeschwindigkeit und Bremssystemen analysieren Meteorologen die Windverhältnisse zum Zeitpunkt der Landung. Die ehemalige Inspektorin des Verkehrsministeriums, Mary Schiavo, erklärte gegenüber Reportern, dass starker Rückenwind das Flugzeug zusätzlich angetrieben und ein rechtzeitiges Aufsetzen verhindert haben könnte. Schiavo betonte mit Blick auf die verbleibende Restpiste, dass ein Rückenwind die Schwierigkeiten gewiss noch vergrößere, wenn man ohnehin schon einen großen Teil der Landebahn verschenkt habe, indem man nicht gleich aufsetzt und landet.
Sicherheitsvorkehrungen und Infrastruktur in der Diskussion
Der Unfall rückt auch die Frage der Sicherheitszonen am Flughafen Miami in den Fokus. Die Anlage verfügt über keinen sogenannten Engineered Material Arresting System, kurz EMAS. Solche Betten aus leicht zerbrechlichem Material am Ende von Landebahnen sollen überschießende Maschinen sicher abbremsen und sind laut Bundesluftfahrtbehörde FAA an mehr als 120 US-Flughäfen installiert. Vertreter der Behörden erklärten jedoch, dass der Flughafen in Miami aufgrund eines vorgeschriebenen Sicherheitspuffers von 1.000 Fuß am Ende der Pisten nicht zwingend mit einem solchen System ausgestattet sein musste.

Die NTSB hat den Flugdatenschreiber sowie den Stimmenrekorder im Cockpit geborgen und zur Auswertung nach Washington gebracht. Die Untersuchungen an der Unfallstelle werden voraussichtlich noch mindestens eine Woche andauern, während die betroffenen Fluggesellschaften und Passagiere weiterhin mit Einschränkungen und Umleitungen zu anderen Flughäfen im Bundesstaat rechnen müssen.
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