Flavio Cobolli musste sein Achtelfinale beim ATP-Turnier in Wien am 29. Oktober 2026 gegen Matteo Berrettini beim Stand von 2:5 im ersten Satz wegen einer Hüft- und Beinverletzung aufgeben. Auf der Spielerbank brach der 24-jährige Italiener in Tränen aus, während sein Kindheitsfreund und Gegner ihn tröstete.
Das verletzungsbedingte aus in der Wiener Stadthalle
Das italienische Achtelfinal-Duell bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle endete am Donnerstagabend abrupt. Flavio Cobolli trat mit einem Verband am linken Oberschenkel gegen Matteo Berrettini an. Beim Stand von 2:5 im ersten Satz ging es für den 24-Jährigen nach einem Seitenwechsel nicht mehr weiter. Er blieb auf der Bank sitzen und musste das Match wegen einer Verletzung an Hüfte und Bein vorzeitig beenden.
Auf der Spielerbank brachen bei Cobolli alle Dämme. Er weinte hemmungslos, hielt sich ein Handtuch über das Gesicht und war kaum zu beruhigen. Die Zuschauer in der Arena erhoben sich und applaudierten dem Italiener, als er schließlich den Centre Court verließ.
Die enge Freundschaft der römischen Kindheitswoche
Für Matteo Berrettini ging der Sieg im Turnier damit einher, doch die sportliche Seite trat sofort in den Hintergrund. Der 30-jährige Römer setzte sich umgehend zu seinem langjährigen Weggefährten auf die Bank, nahm ihn in den Arm und sprach ihm Mut zu. In einer bemerkenswerten Geste verstaute er im Anschluss sogar die Sachen seines Gegners in dessen Tasche.
Die Verbindung der beiden Profis reicht weit in ihre Kindheit in Rom zurück. Sie spielten bereits als kleine Jungs an den Wochenenden gemeinsam Tennis. Berrettini erinnerte sich im Gespräch mit Eurosport an den genauen Moment, als sich sein heutiger Tour-Kollege für den Tennissport entschied.

Ich kann mich an den Tag erinnern, als er sich für das Tennis und gegen den Fußball entschieden hat. Ich erinnere mich an seine Augen, es sind dieselben Augen, die er auch heute noch hat.
Matteo Berrettini, via Eurosport
Berrettini betonte, wie sehr ihm das Schicksal seines Freundes naheging. Er selbst habe zu oft in ähnlichen Situationen gesteckt, um kalt zu bleiben.
Es tut mir so leid für ihn. Ich war schon so oft in dieser Situation, vielleicht zu oft, deshalb bin ich emotional geworden. Ich weiß, wie hart es sein kann, ich weiß, wie sehr er in Turin sein will. Das Letzte, was du willst, ist eine Verletzung ein paar Wochen davor. Hoffentlich ist es nichts allzu Ernstes.
Matteo Berrettini, via Eurosport
Der Schatten von Turin und die Parallelen zu 2021
Der Zeitpunkt des Rückschlags könnte für Cobolli kaum bitterer sein. Der French-Open-Finalist belegt im aktuellen Race den sechsten Platz und kämpft um seine erstmalige Teilnahme an den ATP Finals in Turin, die vom 15. bis 22. November 2026 ausgetragen werden. Zudem steht das Aufgebot für die Davis-Cup-Finalrunde an, in der Titelverteidiger Italien auf Südkorea trifft.
Berrettini kennt diesen Schmerz aus eigener Erfahrung. Im Jahr 2021 qualifizierte er sich ebenfalls für das Saisonfinale in Turin, musste das Turnier jedoch nach einer Verletzung im Auftaktmatch gegen Alexander Zverev abbrechen.
Es ist wahrscheinlich noch immer der schmerzhafteste Moment meiner Karriere, die Gruppenphase nicht zu Ende gespielt zu haben.
Matteo Berrettini, via Eurosport
Das sportliche Weiterkommen in Wien
Während Cobolli die Halle mit einem Handtuch über dem Gesicht verließ, geht das Turnier für Berrettini weiter. Im Viertelfinale der Erste Bank Open wartet der Australier Alex de Minaur auf den 30-or-older Italiener, der im Ranking auf Platz 48 geführt wird. Dennoch blieb von diesem Abend vor allem das Bild zweier Freunde auf einer Spielerbank in Erinnerung.