Carlos Alcaraz tritt bei den Erste Bank Open in Wien an, nachdem die Verschiebung des Six Kings Slam in Saudi-Arabien seinen Turnierkalender kurzfristig geöffnet hat. Turnierdirektor Herwig Straka fixierte den Start per Handschlagdeal, während Alexander Zverev in der Wiener Stadthalle vor dem Einzug ins Viertelfinale und dem Sprung an die Weltranglistenspitze steht.
Wie der Handschlagdeal mit Alcaraz in Wien zustande kam
Der unerwartete Start von Carlos Alcaraz bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle brauchte keinen langwierigen Vertrag. Wegen der enormen Kurzfristigkeit einigten sich die Beteiligten auf eine mündliche Vereinbarung. Das Turnier investiert insgesamt rund 4,5 Millionen Euro allein in die Besoldung der Spieler.
Turnierdirektor Herwig Straka reagierte sofort, als er davon hörte, und nutzte seine guten Kontakte. Alcaraz reist damit nach der verletzungsbedingten Absage von Jannik Sinner an, der seit seinem Wimbledon-Sieg Anfang Juli keine Partie mehr bestritten und seine Saison nun vorzeitig beendet hatte. Österreichs größtes Tennisturnier und auch höchstdotierte Sportveranstaltung steht diesmal ganz im Zeichen dieser prominenten Besetzung, für die sechs Top-Ten-Spieler in der Wiener Stadthalle gemeldet haben.
Straka betonte, dass Alcaraz keineswegs nur als Ersatz für Sinner geholt wurde, sondern man den Spanier selbst bei einem Verbleib der Nummer eins im Tableau und sogar für eine gleichzeitige Verpflichtung der Top 3 gerne geholt hätte. Zwar war das Turnier laut Straka auch ohne den Spanier bereits ausverkauft, weshalb eine Verpflichtung rein wirtschaftlich nicht notwendig gewesen wäre, doch man tat es für die Marke und für das Turnier. Straka gab zudem an, dass Alcaraz im Jahr 2021 bereits jung in Wien war, und hofft, den Spanier nach den diesjährigen Erfahrungen in Zukunft öfter in der österreichischen Bundeshauptstadt begrüßen zu dürfen. Ein gleichzeitiger Auftritt von Alcaraz und Novak Djokovic wäre für die Veranstalter allerdings illusorisch gewesen. Mit Djokovic gab es ebenfalls konkrete Gespräche, doch der Rekord-Grand-Slam-Sieger und Wien-Sieger von 2007 hatte nach körperlichen Problemen und einem Zusammenbruch bei den US Open wochenlang gezögert, wusste nicht, ob er im Herbst überhaupt noch spielt, und schlug letztlich in Basel auf. Aufgrund der extremen Kurzfristigkeit von Alcaraz‘ Zusage existierte zu Beginn nicht einmal ein schriftlicher Vertrag.
Zverev greift in der Wiener Stadthalle nach der Weltrangliste
Für Alexander Zverev bietet die Wiener Hartplatz-Halle die Bühne für einen historischen Meilenstein. Nach seinen ersten beiden Grand-Slam-Titeln bei den French Open in Paris und den US Open in New York lief es in dieser Saison immer besser für den 29-jährigen Deutschen. Der 198 Zentimeter große und rechtshändige aggressive Grundlinienspieler gilt als erfahrener Profi, der es versteht, seine Energie und Taktik über eine lange und kräftezehrende Saison hinweg einzuteilen. Bereits im Jahr 2021 feierte er in der Wiener Stadthalle den Turniersieg, nachdem er Frances Tiafoe in einem harten Finale bezwungen hatte, und musste sich im Vorjahr erst im Endspiel Jannik Sinner knapp im dritten Satz mit 5:7 geschlagen geben.
Nun steht der Deutsche ausgerechnet in Wien vor dem letzten Schritt zur Nummer eins der Weltrangliste. Turnierdirektor Straka unterstrich, dass Zverev diese Position absolut verdient habe und keine Zufalls-Nummer-eins sei, da er das gesamte Jahr über extrem konstant gespielt habe. Für den Einzug an die Spitze reicht dem Schützling aus Deutschland im Turnierverlauf ein Einzug ins Viertelfinale, wobei Straka sogar auf noch mehr hofft. Der 60-jährige Steirer ist zudem überzeugt, dass Zverev mit dem Bonus der baldigen Nummer eins im Rücken auf dem Platz noch schwerer zu schlagen sein wird, und sieht für ihn selbst in einem eventuellen Traumfinale gegen Alcaraz gute Chancen auf den Titel. Finanziell muss das Turnier für dieses hochkarätige Teilnehmerfeld, bei dem die Organisatoren tief in die Tasche greifen, enorme Summen aufwenden.

Verpasste Chancen bei Djokovic und Österreichs lokale Aussichten
Während an der Spitze internationale Superstars wie Zverev und Alcaraz um den Titel kämpfen, müssen Österreichs Tennis-Herren im Einzel aktuell kleinere Brötchen backen und kommen größtenteils auf Challenger-Ebene zum Einsatz. Für den Hauptbewerb in Wien erhalten heimische Akteure jedoch Unterstützung, während die Fans im Doppel deutlich größere Hoffnungen auf einen rot-weiß-roten Triumph hegen dürfen. Das österreichische Davis-Cup-Doppel nährt spürbare Hoffnungen auf einen Heimsieg in Wien, und der langjährige Manager von Thomas Muster zeigt sich zuversichtlich, dass heimische Duos in der Stadthalle ganz nach vorne spielen können. Das Event selbst setzt auf den festen Termin in den Herbstferien und nutzt dabei auch die Zweitlocation Marxhalle als Zusatzangebot für kurzentschlossene Zuschauer, wobei bereits fix feststeht, dass das Turnier auch über das Jahr 2028 hinaus diesen Herbsttermin beibehalten wird.