Oktober 2026 vor, während Politiker und Forscher über das Ausmaß möglicher Krawalle und die Sorge vor Zuständen wie in Frankreich uneins sind.
Mehr als 150.000 Menschen haben sich in Online-Netzwerken für Demonstrationen in rund 30 deutschen Städten angemeldet. Auf der Website der Initiative „Gen Z regelt“ ist auf einer Karte markiert, in welchen Städten die Bewegung als Hauptorganisator der Proteste auftritt, darunter Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln und München, während sich weitere 27 Städte angeschlossen haben. Die Initiative setzt sich für Investitionen in Bildung und Klimaschutz, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, den Schutz von Grundrechten statt ständiger Überwachungsausweitung sowie gegen die Wehrpflicht ein. Während die Organisatoren und Mitinitiatoren wie Akram Selo und Amadeo betonen, dass ihr Protest friedlich verlaufen soll und Gewalt gegen Menschen oder Sachen ablehnen, blicken Behörden und Geschäftsleute mit Sorge auf das Halloween-Wochenende. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen teilte mit, dass im linksextremistischen Spektrum vor allem von den „Kommunistischen Jugend- und Kadergruppenmobilisiert werde, wobei zum Teil Bezug auf die Ausschreitungen in Frankreich genommen werde.
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Vorbereitungen und Sicherheitsmaßnahmen in Berlin, Frankfurt und Köln
Von insgesamt 13 angekündigten Versammlungen in der Hauptstadt sollen zwei von der „Initiative Gen Z“ durchgeführt werden, wobei am Brandenburger Tor für 14 Uhr 10.000 Menschen erwartet werden. In Köln hat sich die Zahl der geschätzten Teilnehmer für den Protest auf 15.000 verdreifacht, und es wurde ein Aufzug angemeldet. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes mobilisieren dort auch Akteure aus dem linksextremistischen Spektrum und aus dem auslandsbezogenen Extremismus. Hessens Innenminister Roman Poseck warnte vor einer möglichen Unterwanderung der für Frankfurt angekündigten Kundgebungen durch Linksextremisten, wobei im Mittelpunkt der Sicherheitsplanung mögliche gewaltbereite linksextreme Gruppen sowie sogenannte erlebnisorientierte Jugendliche stehen, die unabhängig von einer politischen Botschaft Konflikte suchen könnten. Für Samstag sind in Frankfurt zwei Demonstrationen geplant, die nach Planungen durch die Innenstadt führen sollen, während eine größere Kundgebung für den Nachmittag vorgesehen ist.”
Auch der Handel reagiert auf die angespannte Sicherheitslage. An der Düsseldorfer Königsallee bereiten sich Ladenbesitzer mit Sperrholz auf mögliche Ausschreitungen am Samstag vor, und Douglas will bundesweit zwölf ausgewählte Filialen vorsorglich schließen. Die Juwelierkette Wempe schließt ebenfalls nach enger Abstimmung mit den Behörden an den Standorten, um die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten. Die City-Gemeinschaft Hannover e.V. hat unterdessen gewaltverherrlichende Nachrichten und Aufrufe zu Plünderungen im Netz an die Behörden gemeldet, rät Händlern jedoch zur Entspanntheit und zu präventiven Maßnahmen wie dem Sichern von Wertsachen, dem Schließen von Passagen und dem Überprüfen von Versicherungen. In München, wo sich über 7.000 Personen auf dem Geschwister-Scholl-Platz für den Start eines Demonstrationszugs in Richtung Münchner Freiheit angemeldet haben, betonte Wolfgang Fischer als Geschäftsführer des Vereins „City-Partner“, dass er nicht mit Krawallen rechne und die Münchner Polizei solche Situationen zu meistern wisse. Aus Sicht der Münchner Polizei sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nicht notwendig; Vorkehrungen wie beim Oberpollinger, der zum KaDeWe Berlin gehört, liegen in der Entscheidung der jeweiligen Gebäudeverantwortlichen.”

Unterschiedliche Einschätzungen von Politik und Jugendorganisationen
Innenminister und Protestforscher bewerten die Lage unterschiedlich. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rechnet in München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg nicht mit einer Eskalation der Gewalt. Hessens Innenminister Roman Poseck und Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul warnten hingegen vor Krawallmachern und machten deutlich, dass an Halloween Recht und Gesetz gelten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und die Innenminister der 16 Bundesländer hatten zuvor einen offenen Brief der Schüler Union erhalten. Protestforscher wie Dieter Rucht, Felix Hampel oder Kolja Welzel geben weitgehend Entwarnung und sehen aktuell keine Anhaltspunkte für ähnliche Ausschreitungen wie in Frankreich, Italien, Spanien, Albanien oder Belgien, da die politische Protestkultur in Deutschland weniger konfrontativ ist und Bildung als Ländersache dezentraler organisiert ist. Die Initiative „Gen Z regeltselbst lehnt Gewalt ausdrücklich ab, und Mitinitiator Akram Selo betonte den Wunsch nach einer friedlichen Demonstration.
Als Linksjugend [’solid] begrüßen wir es, dass junge Menschen gegen die Kürzungspolitik der Merz-Klingbeil-Regierung auf die Straße gehen.Sprecher der Linksjugend [’solid], via Web
Unterstützung erhalten die Proteste von verschiedenen Jugendorganisationen und Politikern. Städtetagspräsident und Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung bekundete seine Unterstützung und betonte, dass Protest zu einer lebendigen Demokratie dazugehöre und die Politik die Anliegen junger Menschen ernstnehmen müsse. Die Grüne Jugend, vertreten durch Bundessprecherin Henriette Held, kündigte an, gemeinsam mit ihrer Generation am 31. Oktober und am 20. November auf die Straße zu gehen, da es um zentrale Forderungen nach einer gerechten Gesellschaft gehe und Spekulationen über Gewalt absurd seien. Ein Sprecher des Bundesvorstandes der Jusos teilte mit, dass Demonstrationen für eigene Anliegen eine funktionierende Demokratie zeigen. Die Linksjugend Solid fordert einen Schutz der Proteste durch die Sicherheitsbehörden und kritisierte die Kriminalisierung bereits im Vorfeld. Die Bundesschülerinnenkonferenz distanzierte sich indessen von den Protesten und kündigte eigene Aktionen im November an, während verschiedene Schweizer Organisationen wie die Juso ebenfalls zu einem Streiktag am 20. November aufgerufen haben.
Wirtschaftliche Folgen und offene Fragen vor dem Aktionstag
Die vorsorglichen Schließungen großer Handelsketten wie Douglas und Wempe verdeutlichen die wirtschaftlichen Sorgen des Einzelhandels. Nach übereinstimmenden Berichten warnen der Handelsverband Deutschland (HDE), der Immobilienverband ZIA und der Handelsimmobilienverband GCSP in einem Brief an Innenminister Alexander Dobrindt vor den Folgen für Innenstädte und den Einzelhandel, der sich weiter in einer schweren Phase befindet. Wie unter anderem aus Medienberichten hervorgeht, bleiben Unternehmen wie Douglas und Wempe im Zweifel auf dem verloren gegangenen Umsatz sitzen, da eine rein vorsorgliche Schließung oder polizeiliche Absperrung ohne konkreten Sachschaden keinen gesetzlichen Leistungsanspruch auf Entschädigung auslöst. Unklar bleibt indes angesichts der online angemeldeten über 153.543 Teilnahmewilligen (Stand Donnerstag, 14 Uhr), wie viele Menschen tatsächlich den Weg auf die Straßen finden werden, inwieweit sich gewaltbereite Gruppen unter die Demonstrierenden mischen und ob die Kundgebungen in den rund 30 Städten friedlich verlaufen.
Über 7.000 Personen haben sich allein für die Demonstration in München angemeldet. Auch in der Schweiz rüstet man sich auf Halloween, wobei die Stadtpolizei Zürich gegenüber Tele Züri erklärte, den Halloween-Aufruf im Kreis 4 auf dem Radar zu haben und mit einem entsprechenden Polizeiaufgebot vorbereitet zu sein.

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