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Sport

FIS-Präsidentschaftswahl: Eine Stimme Unterschied – Johan Eliasch ist abgewählt

Der Liechtensteiner Rechtsanwalt Alexander Ospelt wurde am Donnerstag, den 11. Juni 2026, beim FIS-Kongress in Belgrad zum neuen Präsidenten des internationalen Ski- und Snowboardverbandes gewählt. Mit einem Ergebnis von 65 zu 64 Stimmen wurde der amtierende Präsident Johan Eliasch hauchdünn abgewählt, nachdem eine Opposition aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegen ihn mobilisiert hatte.

Ein einziges Votum: Wie Alexander Ospelt das Amt übernahm

Ein einziges Votum: Wie Alexander Ospelt das Amt übernahm
Photo: sportschau.de

Die Präsidentschaftswahl beim Ski-Weltverband FIS entwickelte sich in Belgrad zu einem politischen Krimi. Am Ende entschied eine einzige Stimme über die Führung des Verbandes. Laut einem Bericht der Sportschau erhielt Alexander Ospelt 50,39 Prozent der Stimmen und ist damit für mindestens vier Jahre der neue Kopf des internationalen Ski- und Snowboardverbandes.

Der FIS-Kongress ist das höchste beschlussfassende Organ des Verbandes, bei dem die nationalen Skiverbände über die strategische Ausrichtung und die Führung entscheiden. Dass die Wahl so knapp ausging, unterstreicht die tiefe Zerrissenheit innerhalb der Mitgliedsverbände.

Johan Eliasch, der schwedisch-britische Milliardär, verlor die Wahl mit 64 zu 65 Stimmen. Trotz der Niederlage präsentierte er sich auf dem Podium als fairer Verlierer. Er bezeichnete die Entscheidung als eine Win-Win-Situation für sich persönlich.

„Ich habe immer gesagt, dass dies eine Win-Win-Entscheidung für mich ist. Entweder bekomme ich mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl. Mit beidem bin ich sehr glücklich.“
Johan Eliasch, abgewählter FIS-Präsident

Eliasch warf dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) jedoch vor, die Wahl beeinflusst zu haben. Er behauptete, von vielen Seiten gehört zu haben, dass das IOC versucht habe, in den Prozess einzugreifen, und mahnte die Organisation an, unabhängig zu bleiben.

Zentralvermarktung und Gerichtskosten: Die Bilanz von Johan Eliasch

Zentralvermarktung und Gerichtskosten: Die Bilanz von Johan Eliasch
Photo: DIE ZEIT

Eliasch trat 2021 mit dem Versprechen an, den FIS wie ein modernes Unternehmen zu führen. Als Inhaber des Skiherstellers Head wollte er verkrustete Strukturen aufbrechen und die Vermarktung der Weltcups zentralisieren, anstatt externe Dienstleister zu nutzen. Dieser Ansatz führte laut DIE ZEIT zu massiven internen Konflikten.

Unter der traditionellen Struktur hatten einzelne Rennorganisatoren und nationale Verbände oft eine größere Kontrolle über die Vermarktungsrechte ihrer jeweiligen Events. Die von Eliasch forcierte Zentralisierung bedeutete, dass die FIS die Rechte bündelte, um sie als Gesamtpaket an globale Sponsoren zu verkaufen. Dies stieß insbesondere bei den traditionsreichen Veranstaltern auf Widerstand, da sie befürchteten, an Einfluss und Einnahmen zu verlieren.

Die Strategie der Zentralvermarktung löste jahrelange Machtkämpfe und kostspielige Gerichtsprozesse aus, die der Verband größtenteils verlor. Dies hinterließ den FIS in einer prekären finanziellen Lage mit geschrumpften Reserven. Die Kritik an Eliasch beschränkte sich nicht nur auf die Finanzen; ihm wurden ein autoritärer Führungsstil sowie mangelnde Transparenz vorgeworfen.

Auch die sportliche Elite des Wintersports distanzierte sich von der Führung. Top-Athleten wie Mikaela Shiffrin aus den USA, Marco Odermatt aus der Schweiz und Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien kritisierten Egoismus und eine fehlende Offenheit in der Verbandsführung.

Der georgische Pass als letzter Ausweg

Ski: So kommentiert Eliasch seine Abwahl als FIS-Präsident

Die Isolation von Eliasch innerhalb der Skinationen war bereits vor der Wahl vollkommen. Weder sein Heimatverband in Schweden noch der britische Verband wollten ihn für eine weitere Amtszeit nominieren. Gemäß den Statuten der FIS ist eine Nominierung durch einen nationalen Verband zwingende Voraussetzung, um als Kandidat für das Amt des Präsidenten antreten zu können.

Um dennoch eine Chance auf die Wiederwahl zu haben, griff der Milliardär zu einem ungewöhnlichen Mittel: Er besorgte sich kurzfristig die georgische Staatsbürgerschaft. Nur durch die Nominierung durch den georgischen Verband konnte er überhaupt als Kandidat antreten. Auf die Frage nach seiner plötzlichen Verbindung zu Georgien erklärte Eliasch gegenüber der dpa, dass er bereits dort gewesen sei und das Land ihm sehr gut gefalle.

Das Ende eines „langjährigen Albtraums“ für den DSV

Das Ende eines "langjährigen Albtraums" für den DSV
Photo: Spiegel

In den großen Skinationen wurde das Ergebnis mit massiver Erleichterung aufgenommen. Besonders deutlich wurde dies beim Deutschen Skiverband (DSV). Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied des DSV, bezeichnete die Ära Eliasch gegenüber dem Spiegel und der Nachrichtenagentur SID als eine Zeit der Stagnation.

„Dieser jahrelange Albtraum ist vorbei. Nach all dem, was die Fis in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, ist die Erleichterung riesig.“
Stefan Schwarzbach, Vorstandsmitglied des DSV

Schwarzbach betonte, dass die internen Konflikte der letzten Jahre zu viel Energie gekostet hätten und die Folgen dieser Zeit noch eine Weile spürbar sein würden. Die Hoffnung des DSV liegt nun darin, dass der Verband wieder in seine Rolle als Vorzeigeverband zurückkehrt, der die Interessen seiner Mitglieder und den Sport in den Mittelpunkt stellt.

Die tiefe Spaltung zwischen Ski-Großmächten und kleinen Verbänden

Das knappe Wahlergebnis verdeutlicht eine strukturelle Spannung innerhalb der FIS. Auf der einen Seite stehen die sogenannten Ski-Großmächte wie Österreich, Deutschland und die Schweiz. Diese Nationen stellen die meisten Top-Athleten, generieren die höchsten TV-Quoten und bringen die bedeutendsten Sponsoren in den Sport ein. Für sie war die Führung unter Eliasch aufgrund der finanziellen Instabilität und der konfrontativen Strategie untragbar.

Auf der anderen Seite stehen die kleineren Verbände, die oft weniger sportlichen Einfluss haben, aber bei Wahlen im Kongress das gleiche Stimmgewicht besitzen wie die Großmächte. Viele dieser kleineren Nationen hatten Eliasch unterstützt, da sie von einer zentralisierten Struktur und einer neuen Verteilung von Ressourcen profitierten. Alexander Ospelt, ein erfahrener Jurist aus Liechtenstein, muss nun die Aufgabe übernehmen, diese tiefen Gräben zwischen den unterschiedlichen Interessenlagern zu schließen und die finanzielle Stabilität des Verbandes wiederherzustellen.

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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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