Europäische Gesundheitsbehörden und Fachgesellschaften intensivieren die Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen durch standardisierte Labortests, um Herz-Kreislauf-Risiken frühzeitig zu senken. Das Netzwerk von KI-gestützten fortgeschrittenen Screening-Zentren plant zudem die flächendeckende Implementierung innovativer Diagnostik bis Ende 2029.
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
Chronische Nierenerkrankungen (CKD) gelten in vielen Regionen weiter als Diagnose, die „zu spät“ gestellt wird. Genau daran setzen derzeit Präventions- und Screening-Programme an: Gesundheitsbehörden intensivieren Reihenuntersuchungen und ergänzende Aktivitätsangebote, um Risiken kontinuierlich zu überwachen und Folgeschäden langfristig zu reduzieren. Der Punkt ist dabei nicht nur medizinisch, sondern auch organisatorisch: Sobald CKD als Teil eines größeren Gefäß- und Herzrisiko-Puzzles behandelt wird, müssen Laborlogik, Überweisungswege und Terminplanung enger miteinander verzahnt werden. Im Zentrum steht die Wechselwirkung zwischen Herz und Niere. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) weist im Vorfeld ihrer 18. Jahrestagung, die vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig geplant ist, auf die hohe Dunkelziffer chronischer Nierenkrankheiten hin.”
Europäische Leitlinien und das Zusammenspiel von Herz und Niere
Safe Hearts Plan-Framework
Besonders deutlich wird die Relevanz an einem Kernmuster aus der Praxis: Etwa die Hälfte aller Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche leidet zusätzlich unter einer chronischen Nierenkrankheit, die oft unentdeckt bleibt. Das europäische Safe Hearts Plan-Framework vom 16. Dezember 2025 stuft CKD dabei als einen zentralen Risikofaktor ein, wodurch sich die Forderung nach einem integrierten Ansatz für Herz-Kreislauf-Patienten zusätzlich verfestigt. Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) in Zusammenarbeit mit der European Renal Association (ERA) empfehlen für Herz-Kreislauf-Patienten ein routinemäßiges Screening, bei dem nicht allein der Kreatininwert herangezogen wird. Stattdessen soll die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) über einen Bluttest bestimmt werden, während im Urin der Albumin-Kreatinin-Quotient (uACR) als Indikator für eine Schädigung herangezogen wird. Der technische Kern dahinter: Kreatinin allein kann je nach Ausgangsbedingungen weniger präzise sein, während eGFR und uACR zusammen ein differenzierteres Bild liefern, ob die Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist und ob gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für Gefäß- und Entzündungsprozesse besteht.
Netzwerk von KI-gestützten Screening-Zentren nimmt Arbeit auf
Netzwerk von KI-gestützten fortgeschrittenen Screening-Zentren
Als Vorzeigeprojekt der KI-Strategie werden diese Zentren die klinische Validierung und die lokale Leistungsbewertung von KI-Lösungen in der Praxis erleichtern und Erkenntnisse generieren, die die Einführung in großem Maßstab im gesamten nationalen Gesundheitssystem, einschließlich unterversorgter Gebiete, unterstützen. Mai 2026 statt. Wenn man sich zunächst auf die Früherkennung oder Diagnose von Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen konzentriert, könnte sich das Netzwerk von KI-gestützten fortgeschrittenen Screening-Zentren in Zukunft auf weitere Gesundheitsbereiche ausweiten. Ziel ist es, bis Ende 2029 alle EU-Mitgliedstaaten abzudecken. Die KI-gestützten fortschrittlichen Screening-Zentren werden bei der Implementierung innovativer und skalierbarer KI-Lösungen Pionierarbeit leisten und gleichzeitig Belege für ihre klinischen und organisatorischen Auswirkungen liefern. Als Modelle für eine effektive KI-Integration in Pflegepfade werden sie die Akzeptanz in den nationalen Gesundheitssystemen beschleunigen und dazu beitragen, fortschrittliche Diagnosedienste auf unterversorgte Regionen auszuweiten. Im Bereich Krebs wird Cancer Image Europe die primäre Infrastruktur für multizentrische Entwicklungs-, Test- und Validierungsstudien mit Krebsbilddaten sein. Zentren, die sich mit der klinischen Validierung befassen, werden ermutigt, bewährte Verfahren aus der Europäischen Initiative für die Bildgebung im Krebsbereich anzuwenden und die Plattform Cancer Image Europe für die Bewertung bildgebender Instrumente zu nutzen, um zu ihrem wachsenden Pool hochwertiger Daten für die grenzüberschreitende KI-Forschung und Modellvalidierung beizutragen. Im Bereich der Herz-Kreislauf-Gesundheit wird das Netzwerk die Arbeit des EU4Health-Leitfadens für Herz-Kreislauf-Erkrankungen integrieren und ausweiten, das die digitale, datengestützte und KI-Grundlage für den EU-Plan für Herz-Kreislauf-Gesundheit bildet.
Versorgungssteuerung und regionale Präventionsinitiativen
ZRN Dormagen
Auf der Ebene der Versorgungssteuerung macht die Größenordnung klar, warum das so ernst genommen wird: In Europa sind schätzungsweise 100 Millionen Menschen von CKD betroffen. Eine frühzeitige Diagnose eröffnet damit nicht nur die Möglichkeit für eine gezielte Therapie, sondern auch praktische Anpassungen im Medikationsalltag. Gerade bei verschiedenen Herz-Kreislauf-Programmen können Dosierungen bei eingeschränkter Nierenfunktion nötig werden, um Komplikationen zu vermeiden. Das betrifft in der Realität nicht nur „großeTherapiesprünge, sondern auch das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffe über Jahre hinweg – ein Grund, warum Screening in der Praxis oft die Eintrittskarte für nachhaltige Behandlungspläne wird.
Parallel dazu wird die Früherkennung in anderen Bereichen mit moderner Diagnostik beschleunigt. In der Region Rhein-Kreis Neuss wird etwa ein Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-Computertomografie (CT) eingesetzt, wobei der Scan laut Angaben des Radiologen Julian HägeIe vom ZRN Dormagen in weniger als 20 Sekunden durchgeführt werden kann. Das Programm richtet sich vor allem an aktive oder ehemalige starke Raucher, weil Lungenkrebs häufig in Stadien entdeckt wird, in denen eine Heilung kaum mehr möglich ist.
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