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Gesundheit

BioTAK-Score könnte invasive Herzkatheter beim Takotsubo-Syndrom vermeiden

Ein neuer Risiko-Score aus dem europäischen Fachjournal prognostiziert mit hoher Genauigkeit, ob bei typischen Symptomen des Takotsubo-Syndroms kein Koronararterienverschluss vorliegt. Kardiologen könnten dadurch bei der betroffenen Form der stressbedingten Herzfunktionsstörung in ausgewählten Fällen auf eine invasive Koronarangiografie verzichten.

Der BioTAK-Score im European Heart Journal und die Vermeidung von Herzkathetern

Ein neu entwickelter Risiko-Score, der das Geschlecht der betroffenen Person mit vier Biomarkern kombiniert, soll Kardiologinnen und Kardiologen künftig vor dem Eingriff wertvolle Hinweise liefern. Wie im European Heart Journal (2026; DOI: 10.1093/eurheartj/ehag597) vorgestellt wurde der BioTAK-Score, erreicht das Modell bei einem definierten Schwellenwert einen positiven Vorhersagewert von fast 90 Prozent. Bei einem solchen Vorliegen der stressbedingten Funktionsstörung könnte eine invasive Koronarangiografie in ausgewählten Fällen entbehrlich sein, da trotz typischer Symptome, EKG- und Laborbefunde mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Verschluss einer Koronararterie vorliegt.

Symptome, Pathogenese und die Namensgebung nach der Tintenfischfalle

Das Takotsubo-Syndrom, im Volksmund oft als Broken-Heart-Syndrom bezeichnet, ist eine reversible akute Herzschwäche. Die akute Herzmuskelerkrankung verdankt ihren Namen der auffälligen Silhouette der linken Herzkammer während der Systole. Sie erinnert an die traditionelle japanische Tintenfischfalle, ein bauchiges Gefäß mit engem Hals, bei dem tako für Oktopus und tsubo für Pott steht. Vielfach wird auch vom Broken-Heart-Syndrom gesprochen, weil es oft, aber nicht immer, emotionale Trigger sind, die es auslösen. Letztlich ist es eine Sonderform der akuten Herzschwäche, bei der die Fähigkeit der linken Herzkammer, sich zusammenzuziehen und sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf zu pumpen, eingeschränkt ist.

Klinisch zeigt sich ein Bild, das einem akuten Koronarsyndrom ähnelt. Patientinnen und Patienten leiden unter Brustschmerzen, Dyspnoe und hypotensivem Schock. Elektrokardiogramme offenbaren ST-Strecken-Hebungen oder -Senkungen, T-Wellen-Inversionen sowie ein verlängertes QTc-Intervall. Gleichzeitig steigen kardiale Biomarker wie Troponin und NT-proBNP bemerkenswert an. Die transthorakale zweidimensionale Echokardiographie zeigt regionale Bewegungsstörungen der Herzkammerwand, die sich jedoch nicht auf das Versorgungsgebiet einer einzelnen Koronararterie beschränken. In der Pathogenese scheint es zudem eine Verschiebung hin zum Glukoseweg bei beeinträchtigtem Fettsäurestoffwechsel zu geben, während die genaue Ätiologie weiterhin nicht vollständig bekannt ist.

Internationale Register und epidemiologische Entwicklung seit 1990

Das Krankheitsbild wurde erstmals im Jahr 1990 von einem japanischen Kardiologen beschrieben. Während die Erkrankung anfangs vor allem in Japan registriert wurde, ist sie heute auch in Europa, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und vielen weiteren Ländern wohlbekannt. Zur Erfassung von Epidemiologie und Diagnosekriterien entstanden zahlreiche nationale und internationale Register, darunter das Japanese Takotsubo Multicentre Registry aus dem Tokyo CCU Network, das German Takotsubo Syndrome Registry, das Takotsubo Italian Registry, die Auswertungen des Nationwide Inpatient Sample in den USA sowie das TS Registry Netherland.

BioTAK-Score könnte invasive Herzkatheter beim Takotsubo-Syndrom vermeiden
Photo: Aerzteblatt

Im Jahr 2011 gründete sich zudem das International Takotsubo Registry am University Hospital in Zürich, Schweiz, in Zusammenarbeit mit 25 weltweit anerkannten kardiologischen Zentren across sieben Ländern in Europa und den USA. Die Inzidenz lag im Zeitraum von 2002 bis 2010 bei sehr niedrigen 0,2 bis 0,7 Prozent und macht inzwischen etwa 1,7 bis 2,2 Prozent aller Patienten aus, die zunächst mit dem Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom eingeliefert und schließlich mit Takotsubo-Syndrom diagnostiziert werden. Typischerweise handelt es sich um asiatische oder kaukasische Patienten, wobei statistisch 57,2 Prozent auf asiatische, 40 Prozent auf kaukasische und 2,8 Prozent auf andere Ethnien entfallen. Statistiken aus den USA zeigen, dass das Nationwide Inpatient Sample im ersten Erfassungszeitraum 2007 bis 2008 insgesamt 6.837 Fälle dokumentierte, während die darauffolgende Erfassung von 2008 bis 2012 rund 22.005 primäre und 31.942 sekundäre Fälle verzeichnete; das InterTAK-Registry in der Schweiz identifizierte im Zeitraum 2012 bis 2014 insgesamt 1.750 Patienten.

Klinischer Verlauf, Prognose und akute Komplikationen

Die linke Herzkammer zeigt eine ballonartige Deformierung der Apikalregion, während die Koronarangiographie unauffällige epikardiale Arterien ohne signifikante Obstruktionen durch Thromben oder Plaque-Rupturen offenbart. Die reduzierte Auswurfleistung der linken Herzkammer und die regionalen Wandbewegungsstörungen erholen sich bei den meisten Betroffenen innerhalb von drei bis sechs Monaten beziehungsweise binnen sechs bis zwölf Wochen vollständig.

T. F. Lüscher, Takotsubo syndrome: An under-recognized cardiac emergency

Die Prognose gilt bei mehr als 90 Prozent der Patienten als günstig, allerdings treten bei rund zehn Prozent der Betroffenen Komplikationen auf. Jüngere Metaanalysen beziffern die In-hospital-Mortalität auf etwa 1 bis 4,5 Prozent, während die Rezidivrate im Fünfjahreszeitraum bei 5 bis 10 Prozent liegt. Herzspezialisten betonen, dass das Syndrom keineswegs harmlos ist, da man am gebrochenen Herzen ebenso sterben kann wie an einem klassischen Herzinfarkt, weshalb das Takotsubo-Syndrom ernst genommen werden muss.

Takotsubo Syndrome: Spotting It Before Cath
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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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