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Technik und Wissenschaft

NASA-Rover Perseverance stellt neuen Fahrrekord auf dem Mars auf

Der NASA-Rover Perseverance hat am 11. Oktober 2026 einen neuen Weltraumrekord aufgestellt und ist mit einer Gesamtdistanz von 28,10 Meilen (45,22 Kilometer) das am weitesten gefahrene Fahrzeug auf einem anderen Himmelskörper. Damit übertraf er den bisherigen Rekord des Opportunity-Rovers, der zwischen 2004 und 2018 eine Strecke von 28,06 Meilen (45,16 Kilometer) zurücklegte.

Die sechsrädrige Forschungsstation erreichte diesen Meilenstein an ihrem 2.006. Martianischen Tag (Sol). Während der Vorgänger Opportunity fast 15 Jahre benötigte, um diese Distanz zu bewältigen, schaffte Perseverance dies in etwa fünf ein halb Jahren. Der Rover, der am 18. Februar 2021 landete, befindet sich derzeit auf dem Weg zu einem Gebiet namens Idubi in der Region Lac de Charmes am westlichen Rand des Jezero-Kraters. In diesem Gebiet analysiert er Terrains, die aufgrund des Fehlens von tektonischen Platten auf dem Mars nicht erodiert wurden und daher möglicherweise die ältesten jemals direkt untersuchten Landschaften des Sonnensystems darstellen.

AutoNav: die technologische Basis für 90 Prozent autonome Fahrten

Der massive Sprung in der Geschwindigkeit der Distanzgewinnung resultiert primär aus dem autonomen Navigationssystem AutoNav. Laut NASA-Angaben legte Perseverance etwa 90 Prozent seiner gesamten Strecke autonom zurück. Im Vergleich dazu stützten sich die früheren Rover Spirit und Opportunity nur zu etwa fünf Prozent auf eine erste Version dieses Systems.

Das System funktioniert durch die Erstellung von 3D-Softwarekarten aus Stereobildern des Geländes, um den sichersten Weg zu einem Zielpunkt zu wählen. Ein entscheidender Faktor ist dabei das Vision Compute Element, ein schneller Co-Prozessor, der die Bildverarbeitung fast kontinuierlich während der Fahrt ermöglicht. Steven Lee, Projektmanager für die Rover Perseverance und Curiosity am Jet Propulsion Laboratory (JPL), erklärte dazu, dass frühere Modelle vor jedem Fahrtabschnitt pausieren mussten, um den Weg zu überdenken.

NASA-Rover Perseverance stellt neuen Fahrrekord auf dem Mars auf
Foto: Reuters

Die Rechenleistung hat sich drastisch gesteigert: Während der erste Mars-Rover Sojourner im Jahr 1997 lediglich 20 Messpunkte zur Pfadanalyse nutzte, verarbeitet Perseverance laut NASA-Daten 600.000 Punkte bei jedem Blick auf das Terrain. Der Rover kann dabei eine Geschwindigkeit erreichen, mit der er bis zu 1.351 Fuß (412 Meter) an einem einzigen Sol zurücklegt.

Trotz dieser Fortschritte gibt es Herausforderungen. Die Navigation wird beispielsweise durch Blendeffekte in den Kameras erschwert, weshalb der Rover bei Fahrten in Richtung Sonne meist bis zum mittleren Nachmittag parkt. Zudem lernten die Teams, dass der Rover in sandigen Bereichen mit kreuzenden Wellen oder Kämmen einsinken kann, weshalb solche Zonen gemieden werden.

Vergleich der extraterrestrischen Distanzrekorde

Perseverance hat damit nicht nur Mars-Rekorde gebrochen, sondern übertrifft auch alle bisherigen Mondfahrzeuge. Er überholte sowohl die 22,2 Meilen (35,7 Kilometer), die die Apollo-17-Astronauten Gene Cernan und Harrison Schmitt im Jahr 1972 zurücklegten, als auch die 24,2 Meilen (39 Kilometer) des sowjetischen Lunokhod-2-Rovers aus dem Jahr 1973.

Fahrzeug / MissionDistanz (Meilen / km)Himmelskörper
Perseverance28,10 mi / 45,22 kmMars
Opportunity28,06 mi / 45,16 kmMars
Lunokhod 224,2 mi / 39 kmMond
Apollo 17 (Astronauten)22,2 mi / 35,7 kmMond
Curiosityca. 23,7 mi / 38,1 kmMars
Spirit4,8 mi / 7,7 kmMars
Sojourner~330 ft / 100 mMars

Obwohl der Curiosity-Rover bereits seit 2012 aktiv ist, liegt er mit etwa 23,7 Meilen hinter Perseverance zurück, da Curiosity für detaillierte Untersuchungen in einem vergleichsweise kleinen Gebiet konzipiert wurde. Im Gegensatz zu Opportunity verzichten sowohl Curiosity als auch Perseverance auf Solarzellen und nutzen stattdessen einen Radioisotopengenerator.

Zustand der Hardware und Erweiterung bis 2028

Trotz der enormen Belastung befindet sich die Technik in einem Zustand, der weit über die ursprünglichen Planungen hinausgeht. Das ursprüngliche Design sah eine Reichweite von nur etwa 12,4 Meilen (20 Kilometer) vor.

„Wir haben das bereits mehr als verdoppelt … und es sieht sehr gut aus, dass wir insgesamt bis zu 100 Kilometer schaffen könnten.“

Mark Maimone, Rover-Fahrer am Jet Propulsion Laboratory (JPL)

Eine aktuelle Systembewertung ergab, dass die Hardware und Instrumente in einem exzellenten Zustand sind und alle redundanten Systeme noch zur Verfügung stehen. Laut Steven Lee ist der Rover fähig, bis weit in die 2030er Jahre hinein zu operieren. Die NASA hat die Mission bereits verlängert, sodass die Erkundung des Kraterrandes etwa bis Ende 2028 fortgesetzt wird. Auch das plutoniumbasierte Stromsystem arbeitet erwartungsgemäß und verfügt über viele Jahre nützlicher Energie.

NASA-Rover Perseverance stellt neuen Fahrrekord auf dem Mars auf
Foto: Space

Im Sommer 2025 zertifizierte das JPL zudem, dass die Aktuatoren, welche die Räder drehen, für mindestens weitere 60 Kilometer optimal funktionieren werden. Die Hardware wird in Tests auf eine Belastung von 150 bis 300 Kilometern geprüft. Mark Maimone betonte, dass das Team aus Erfahrungen früherer Missionen gelernt habe, den Rover auch nach Motorausfällen zu steuern, wie es etwa bei Spirit, Opportunity oder Curiosity der Fall war.

Wissenschaftliche Ziele: von Biosignaturen zu Rainbow Falls

Die Fähigkeit zu längeren Fahrten ermöglicht es den Wissenschaftlern, eine größere geologische Vielfalt schneller zu erreichen. Perseverance hat bereits eine potenzielle Biosignatur in einem Gestein entdeckt, was Steven Lee als eine der größten Errungenschaften der Mission bezeichnet.

NASA-Rover Perseverance stellt neuen Fahrrekord auf dem Mars auf
Foto: The Independent

Nach der Durchquerung von Lac de Charmes wird der Rover weiter südlich entlang des Kraterrandes ziehen.

Es gibt Belege aus orbitalen Messungen, dass einige Bereiche des Randes einst hydrothermale Systeme mit warmem oder heißem Grundwasser waren. Diese Gebiete könnten einst eine warme, wasserreiche unterirdische Umgebung geboten haben, die für Leben günstig war.

Vivian Sun, stellvertretende Projektwissenschaftlerin der Mission, betont, dass insbesondere die Untersuchung von Tonmineralien die Frage nach der Habitabilität und die Suche nach Biosignaturen immer aktuell hält, insbesondere beim Erreichen von Rainbow Falls oder beim Fund von Kaolinit.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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