Europa treibt seine technologische Souveränität mit einer im Juli 2025 verabschiedeten Quantenstrategie und dem geplanten EU Quantum Act für 2026 voran. Ziel der Kommission ist es, mit europäischen Großinvestitionen und Spitzenforschung im Bereich der Quantencomputing-Infrastrukturen und der Cybersicherheit den weltweiten Anschluss nicht zu verlieren.
Die zweite Quantenrevolution ist in vollem Gange. Während in der ersten Welle im frühen zwanzigsten Jahrhundert Wissenschaftler lernten, die Eigenschaften der Quantenmechanik zu verstehen und anzuwenden, schufen sie damit die Basis für Transistoren, Laser und Mikroprozessoren. Zielt die aktuelle Entwicklung darauf ab, einzelne Partikel sowie deren physikalische Eigenschaften und Wechselwirkungen gezielt zu detektieren und zu manipulieren, um neue Technologien und Systeme aufzubauen. Die Europäische Kommission hat deshalb eine umfassende Quantenstrategie verabschiedet, um die technologische Führung der EU in diesem strategischen Sektor nachhaltig abzusichern, während weltweit alle großen Regionen stark in dieses Feld investieren.
Fünf Handlungsfelder der EU-Quantenstrategie
Die im Juli 2025 angenommene Strategie setzt auf Europas bestehende Stärken wie weltklasse Forschung, wissenschaftliche Exzellenz, eine lebendige Startup-Basis und eine starke öffentliche Investitionsstruktur. Das Konzept stützt sich dabei auf fünf konkrete Säulen, um die industrielle Transformation voranzutreiben und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu wahren.
Forschung und Innovation: Konsolidierung der wissenschaftlichen Exzellenz in ganz Europa im Bereich der Quantenwissenschaften und ihrer industriellen Transformation. Quanteninfra-Strukturen: Entwicklung skalierbarer, koordinierter Infrastruktur-Knotenpunkte zur Unterstützung von Produktion, Design und Anwendungsentwicklung. Stärkung des EU-Ökosystems: Absicherung von Lieferketten und Industrialisierung von Quantentechnologien durch Investitionen in Startups und Scaleups. Raumfahrt und Dual-Use-Technologien: Integration sicherer, souveräner Quantenfunktionen in europäische Raumfahrt-, Sicherheits- und Verteidigungsstrategien. Fachkräfte: Aufbau einer diversen, erstklassigen Belegschaft durch koordinierte Bildung, Ausbildung und Talentmobilität innerhalb der EU.
Flankiert werden diese Maßnahmen durch eine offene Aufforderung zur Einreichung von Belegen, die den zukünftigen EU Quantum Act gestalten soll, dessen Verabschiedung für das Jahr 2026 geplant ist. Das Gesetz verfolgt drei Hauptziele: Forschung und Innovation anzukurbeln, industrielle Kapazitäten einschließlich Pilotlinien und einer Design-Einrichtung zu skalieren sowie die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und die Governance zu stärken. Dabei baut das Vorhaben auf der Quantenstrategie auf und ergänzt den Chips Act, das EuroHPC Joint Undertaking und IRIS². Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde bereits 2018 das Flaggschiff für Quantentechnologien als großangelegte, langfristige Forschungsinitiative mit einem Budget von einer Milliarde Euro gestartet, das durch die EU finanziert wird und Forschungseinrichtungen, Industrie sowie öffentliche Geldgeber zusammenbringt.
Hybridrechner und europäische Supercomputing-Standorte
Ein zentraler Baustein der europäischen Initiative ist die Verknüpfung von Quanten- und klassischer Rechenleistung. Als Teil des europäischen Gemeinschaftsunternehmens für Hochleistungsrechnen plant die Kommission den Aufbau hochmoderner Pilot-Quantencomputer. Diese Computer sollen als Beschleuniger agieren, die mit den Supercomputern des Gemeinschaftsunternehmens verschaltet sind, wodurch hybride Maschinen entstehen, die das Beste aus Quanten- und klassischen Computertechnologien verbinden.
Bereits im Oktober 2022 gab das EuroHPC JU die Auswahl von sechs Standorten in der EU bekannt, die die ersten europäischen Quantencomputer beherbergen werden, welche in EuroHPC-Supercomputer integriert werden. Die neu erworbenen Quantencomputer basieren auf rein modernster europäischer Technologie und befinden sich an Standorten in Tschechien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Polen. Für diese Investition beläuft sich die Gesamtsumme auf 100 Millionen Euro, wobei 50 Prozent von der EU und 50 Prozent von 17 der an EuroHPC JU teilnehmenden Länder getragen werden.
Sicherheit und Schutz sensibler Daten im Weltraum
Neben Rechenleistung rückt vor allem die Cybersicherheit in den Fokus, da kritische Infrastrukturen sowie sensible Kommunikationsdaten heute anfällig für Cyberangriffe und andere Sicherheitsbedrohungen sind, während Fortschritte bei mathematischen Algorithmen, Supercomputing und das Aufkommen des Quantencomputings aktuelle Verschlüsselungssysteme bald untergraben könnten. Die Satellitendienste sowie die EU-Raumfahrtprogramme müssen diese Chance nutzen und Quantentechnologien strategisch einsetzen, um das tägliche Leben und die Sicherheit der EU-Bürger zu verbessern. Als Reaktion darauf bergen völlig neuartige kryptografische Techniken, die auf den fundamentalen physikalischen Gesetzen der Quantenquellen basieren, ein signifikantes Potenzial zum Schutz sensibler Daten und der digitalen Infrastruktur der EU.

Die Kommission antizipiert damit künftige Herausforderungen und mögliche strategische Abhängigkeiten über die kommenden 20 bis 30 Jahre. Die Kommission reduziert technologische Abhängigkeiten in der EU und stärkt die Widerstandsfähigkeit der Quantenwertschöpfungsketten, auch zur Unterstützung des Weltraums. Sie fördert die Entwicklung von Quantentechnologien für Raumfahrtanwendungen in den Bereichen sichere Kommunikation, Zeit- und Frequenzdienste, Erdbeobachtung sowie die Nutzung von Quantencomputing für die Weltraumdatenverarbeitung und Missionsplanung. Diese besitzen zudem Dual-Use-Potenzial und bieten strategisch signifikante Möglichkeiten für europäische Weltraummissionen sowie wesentliche Vorteile für strategische Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen, wie sie in der Quantenstrategie für Europa adressiert werden.