Zum Inhalt springen
Unterhaltung

EU-Kommission lehnt neue Gesetze für Stop Killing Games Initiative ab

Die Europäische Kommission lehnt neue gesetzliche Verpflichtungen ab, Videospiele nach dem kommerziellen Ende ihrer Bereitstellung spielbar zu halten. Trotz einer Petition mit über einer Million Unterschriften der Initiative Stop Killing Games setzt die EU auf einen freiwilligen Industriekodex und bestehende Verbraucherschutzrechte, statt die Gesetzgebung zu ändern.

Es ist ein herber Schlag für die digitale Eigentumsbewegung: Die Europäische Kommission hat entschieden, dass sie keine neuen gesetzlichen Anforderungen vorschlagen wird, um zu verhindern, dass Publisher Videospiele durch das Abschalten von Servern unbrauchbar machen. Die Entscheidung folgt auf parlamentarische Anhörungen zur Initiative Stop Destroying Videogames, die darauf abzielte, einen rechtlichen Rahmen für die langfristige Erhaltung von Spielen zu schaffen.

Urheberrecht als Blockade: Die Begründung der Kommission

Die Kommission begründet ihre Ablehnung primär mit dem geltenden EU-Urheberrecht. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es, dass Rechteinhaber exklusive Rechte an ihren Schöpfungen genießen und die Kommission zum jetzigen Zeitpunkt keine rechtliche Verpflichtung zur dauerhaften Spielbarkeit vorschlagen könne.

Stop Killing Games logo featuring a shattered game controller in front of the EU flag
Photo: eurogamer.net

Statt einer neuen Gesetzgebung verweist die EU auf bestehende Verbraucherschutzgesetze, die bereits important Schutzmaßnahmen bieten, so die Kommission laut Eurogamer. Ein konkreter Zugeständnis ist die Bestätigung, dass Anbieter Konsumenten vor Vertragsabschluss über die Dauer und die Bedingungen einer Vertragskündigung informieren müssen. Wie diese Transparenz in der Praxis durchgesetzt wird, bleibt jedoch unklar.

„The EU Commission has come out with their answer and unfortunately, it’s about what I expected. They’re not going to propose new legislation.“

Ross Scott, Stop Killing Games founder

Vom Gesetz zum Verhaltenskodex: Die Strategie der EU

Anstelle von verbindlichen Gesetzen plant die Kommission, Gespräche mit der Spieleindustrie und Verbrauchervertretern zu führen. Ziel ist die Erarbeitung eines freiwilligen Verhaltenskodex (Code of Conduct) für das sogenannte End-of-Life-Management von Videospielen.

EU-Kommission lehnt neue Gesetze für Stop Killing Games Initiative ab
Photo: gamestar.de

Die EU hofft, dass eine stärkere Sensibilisierung für bestehende Rechte die Anbieter dazu incentivieren wird, längere Lebenszyklen für Spiele anzubieten und Lösungen zu finden, die den Erwartungen der Kunden entsprechen. Kritiker aus der Stop Killing Games-Bewegung sehen darin jedoch lediglich eine Verstärkung des Status quo, statt einer echten Änderung der Rechtslage.

The Crew und das Problem der geplanten Obsoleszenz

Der Auslöser für die Kampagne von Ross Scott war die Abschaltung der Server von Ubisofts Rennspiel The Crew im Jahr 2023. Das Spiel war ausschließlich online spielbar und wurde damit für alle Kunden komplett unbrauchbar.

Die Bewegung bezeichnet diese Praxis als eine Form der geplanten Obsoleszenz. Es geht nicht darum, Publisher zu zwingen, Server ewig zu betreiben, sondern sicherzustellen, dass Spiele am Ende ihres Lebenszyklus in einem spielbaren Zustand verbleiben – etwa durch Offline-Modi oder die Freigabe für private Server.

Alternative Wege: Digital Fairness Act und Kalifornien

Trotz des Rückschlags durch die Kommission sieht Ross Scott weitere Möglichkeiten. Scott betont, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit für diese Ziele gebe und die Kommission lediglich ein Hindernis darstelle.

Ars Live: Ross Scott discusses the Stop Killing Games movement

Parallel dazu gibt es Fortschritte außerhalb Europas.

Die Fronten zwischen der Industrie und den Aktivisten bleiben verhärtet. Die Lobbygruppe Video Games Europe argumentiert, dass solche Anforderungen die Entwicklung von Spielen unverhältnismäßig teuer machen würden. Scott weist dies als bad faith argument zurück und schlägt vor, Endnutzer-Lizenzvereinbarungen (EULAs) so zu ändern, dass Publisher nicht für Probleme haftbar gemacht werden können, die durch die Nutzung privater Server nach dem offiziellen Support entstehen.

Während die Kommission die Verantwortung an die Gerichte delegiert, bleibt die rechtliche Unsicherheit bestehen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.