Der frühere Senatspräsident von Maine, Troy Jackson, stellt sich bei den Midterms 2026 als demokratischer Herausforderer gegen die republikanische Amtsinhaberin Susan Collins. Umfragen zeigen ein extrem knappes Rennen, während neue US-Zölle auf kanadische Waren die politische Debatte im Bundesstaat dominieren.
Vom Holzfäller zum Senatskandidaten: Der politische Werdegang von Troy Jackson
Troy Jackson lenkt seinen silbernen Dodge Grand Caravan durch den US-Bundesstaat Maine, während ein Parteimitglied im Fond die Routenkarte liest. Der 58-jährige frühere Senatspräsident und gelernte Holzfäller blickt auf eine jahrzehntelange politische Laufbahn zurück, die zunächst in anderen Lagern begann. Er kandidierte im Jahr 2000 als Republikaner, trat 2002 als Unabhängiger an und schloss sich 2004 den Demokraten an.
Im Frühsommer rückte Jackson als demokratischer Senatskandidat nach, um gegen die etablierte Republikanerin Susan Collins anzutreten. Dennoch gibt er sich im Wahlkampf ungewohnt bodenständig. Bei Treffen mit Wählern betont er offen, dass er diese Spitzenkandidatur ursprünglich gar nicht angestrebt hatte. Kritiker aus dem gegnerischen Lager halten ihm seine lange Präsenz im Parlament vor. Shawn Roderick, ein Sprecher des Wahlkampfteams von Collins, bezeichnete es als lächerlich, dass Jackson sich als einfachen Angestellten darstelle, nachdem er zwei Jahrzehnte in der Gesetzgebung und sechs Jahre als Präsident des Staatssenats tätig war.
Trumps Zölle auf kanadische Waren belasten Maines Wirtschaft
Die politischen Kräfteverhältnisse in Maine stehen stark unter dem Eindruck der nationalen Handelspolitik. Die US-Regierung kündigte Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von 20 Milliarden US-Dollar an. Kanada reagierte darauf mit Gegenmaßnahmen, die unter anderem Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte und Landmaschinen betreffen.
Neue Umfragedaten des kanadischen Meinungsforschungsinstituts Abacus Data belegen, dass 70 Prozent der Wähler in Maine davon ausgehen, dass diese Zölle der Wirtschaft des Bundesstaates schaden werden. Lediglich 11 Prozent glauben demnach an einen positiven Effekt. Die Befragung wurde zwischen dem 26. und 28. August 2026 unter 500 registrierten Wählern und 327 wahrscheinlich teilnehmenden Wählern durchgeführt; die Fehlertoleranz bei registrierten Wählern liegt bei plus/minus 4,4 Prozentpunkten.

Fast 90 Prozent von Maine sind bewaldet. Dieser Wirtschaftszweig unterstützt ungefähr 30.000 Arbeitsplätze und trägt mehr als 8 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaft des Bundesstaates bei. Susan Collins, US-Senatorin für Maine, in einer Erklärung vom 28. August 2026, zitiert von Newsweek
Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem direkten nördlichen Nachbarn sind eng. Die Holz- und Forstwirtschaft sowie Papierfabriken sehen sich laut Branchenvertretern mit stark steigenden Kosten konfrontiert. Als direkte Folge kündigte das Unternehmen Great Northern Salmon an, den Bau einer Lachsfarm in Millinocket vorübergehend zu pausieren.
Konfrontation zwischen Collins und Jackson im Wahlkampfendspurt
Die handelspolitische Lage prägt die Auseinandersetzung zwischen den beiden Kandidaten. Senatorin Collins distanzierte sich von den protektionistischen Maßnahmen und verwies darauf, dass betroffene Papierfabriken sie bereits wegen der drastischen Kostensteigerungen kontaktiert hätten. Mark Brewer, Professor für Politikwissenschaft an der University of Maine in Orono, analysierte die Situation gegenüber Newsweek: Fast alles, was mit Trump zu tun hat, schadet Collins. Sie versuche klarzustellen, dass sie diese Zölle nicht unterstütze, sehe jedoch kaum andere Wege zur Distanzierung.

Herausforderer Jackson greift die Amtsinhaberin wegen ihres Abstimmungsverhaltens scharf an. Auf der Plattform X bezeichnete er die Zölle als Verrat an unseren arbeitenden Familien und warf Collins vor, im Kongress gegen Initiativen zur Begrenzung der Präsidentenpolitik gestimmt zu haben.
Gleichzeitig gerät Jackson selbst wegen seiner früheren Entscheidungen in die Kritik. Harold „Trey Stewart III, der republikanische Führer im Senat von Maine, warf seinem ehemaligen Parlamentskollegen vor, während seiner Zeit als Senatspräsident eine progressive Energiepolitik durchgesetzt zu haben, die die Stromkosten der Bürger in die Höhe trieb. Unter anderem führte Stewart an, dass in Jacksons Amtszeit rund 20 Gesetzesentwürfe zur Deckelung der Netto-Stromeinspeisung gestoppt wurden, während Jacksons politisches Aktionskomitee finanzielle Zuwendungen aus der Solarbranche erhalten habe.
Umfragen sehen ein offenes Rennen in Maine
Die demoskopischen Daten spiegeln die Intensität des Duells wider. Die Erhebung von Abacus Data zeigt unter den voraussichtlichen Wählern einen Vorsprung für Jackson von 52 zu 43 Prozent. Unter allen registrierten Wählern hingegen führt Collins knapp mit 46 zu 45 Prozent. Eine frühere Fox-News-Umfrage, die vom 6. bis 10. August 2026 mit einer Fehlertoleranz von 3 Prozentpunkten durchgeführt wurde, sah Jackson mit 48 zu 46 Prozent vorne.

Für die Demokraten gilt Maine als eine der zentralen Chancen, den Republikanern im Kongress einen Sitz abzunehmen, um die Mehrheit in der Kammer zurückzugewinnen. Neben diesem Bundesstaat stehen umkämpfte Wahlen in Regionen wie North Carolina, Alaska und Ohio im Fokus.