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Technik und Wissenschaft

Standby-Strom in Haushalten verursacht Milliardenkosten pro Jahr

Viele Elektrogeräte verbrauchen im Standby-Betrieb kontinuierlich Strom und verursachen in deutschen Haushalten erhebliche Kosten. Nach aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes belaufen sich die Leerlaufverluste in Privathaushalten und Büros auf mindestens 22 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr und mindestens vier Milliarden Euro Kosten, während neue EU-Grenzwerte den Verbrauch einschränken sollen.

Wer den Stecker nicht zieht, zahlt im Alltag unsichtbare Energiskosten. Obwohl moderne Elektronik auf einen geringeren Energiebedarf ausgelegt ist, summiert sich der Dauerbetrieb im Ruhemodus über das ganze Jahr hinweg spürbar. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bezifferte für 2024 den durchschnittlichen Schaden je Blitzeinschlag auf 1.760 Euro, was den Schutz durch Netztrennung zusätzlich unterstreicht. Ein Gerät, das vollständig vom Stromnetz getrennt ist, kann von einer solchen Überspannung nicht getroffen werden.

WLAN-Router und TV-Receiver als permanente Dauerläufer

Zu den größten Posten im Haushalt gehören Geräte, die rund um die Uhr am Netz bleiben. Ein WLAN-Router läuft in fast jedem Haushalt 24 Stunden am Tag und zieht dabei circa 8 bis 15 Watt. Das sind 70 bis 130 Kilowattstunden im Jahr, also rund 26 bis 48 Euro. Eine vollständige Trennung vom Netz ist jedoch nicht für jeden Haushalt sinnvoll, da Abschalten auch Smart Home und oft die Telefonie lahmlegt, weshalb hier höchstens eine Zeitschaltung für die Nacht lohnt.

Ähnlich verhält es sich mit TV-Receivern. Ein Telekom Media Receiver 401 zieht im Standby 7 Watt, eine Vodafone Giga TV Box 18 Watt, das sind 23 beziehungsweise 58 Euro im Jahr für ein Gerät, das die meiste Zeit nur blinkt. Wenn keine Aufnahme geplant ist, kann man ihn getrost vom Netz trennen.

Unterschiede bei Fernsehern und Spielekonsolen im Wohnzimmer

Im Wohnzimmer hängt der Energieverbrauch stark vom Alter und Typ der Geräte ab. Fernseher und andere elektronische Geräte dürfen laut Ökodesign-Richtlinie der EU seit 2013 im Standby oder im ausgeschalteten Zustand nicht mehr als 0,5 Watt pro Stunde verbrauchen, was bei modernen Geräten keine zwei Euro im Jahr ausmacht. Ältere Modelle kommen laut verschiedenen Vergleichs- und Beratungsportalen im Standby-Betrieb durchschnittlich auf 10 bis 20 Watt und kosten 32 bis 65 Euro, mehr als der Receiver daneben. Bei modernen OLED-Fernsehern gilt hingegen der Hinweis: Einen OLED-Fernseher lässt man besser eingesteckt, er fährt im Hintergrund seinen Panel-Refresh.

Spielkonsolen verharren oft im Standby-Modus, obwohl sie nicht genutzt werden. Eine PS4 zieht im Ruhemodus 8,6 Watt, eine Xbox One 15,3 Watt, das macht 28 bis 50 Euro im Jahr. Der Ruhemodus lohnt sich nur, wenn nachts wirklich Updates laufen sollen.

Stromfresser am Arbeitsplatz und die Faustformel für den Alltag

Auch das Arbeitszimmer bietet Einsparpotenzial. Computer und Monitor im Bereitschaftsmodus ziehen jeweils rund 10 Watt, wenn sie nicht richtig ausgeschaltet werden; pro Gerät sind das etwa 32 Euro im Jahr. Bei Druckern entscheidet die Verbindung: Ein WLAN-Drucker bleibt in Netzwerkbereitschaft und liegt mit rund 10 Watt auf PC-Niveau, während ein Gerät ohne Netzwerkverbindung im einfachen Standby auf etwa 1 Watt, also 3 Euro im Jahr, fällt. Bei Tintenstrahldruckern kann häufiges Steckerziehen teurer werden, weil nach jedem Einschalten Reinigungszyklen Tinte verbrauchen.

Gerätetyp Standby-Verbrauch Ungefähre Jahreskosten
WLAN-Router 8 bis 15 Watt 26 bis 48 Euro
Vodafone Giga TV Box 18 Watt 58 Euro
Älterer Fernseher 10 bis 20 Watt 32 bis 65 Euro
Xbox One (Ruhemodus) 15,3 Watt Bis zu 50 Euro
PC oder Monitor (Bereitschaft) ca. 10 Watt Je ca. 32 Euro

Als praktische Faustformel gilt: Jedes Watt, das rund um die Uhr fließt, kostet im Jahr etwa 3,24 Euro. Ein Gerät mit 18 Watt im Standby liegt damit bei knapp 60 Euro. Für die Rechnungen nutzen Experten 37,0 Cent pro Kilowattstunde, den Haushalts-Durchschnitt der BDEW-Strompreisanalyse für 2026 (Stand: 11.09.2026). Zusammengerechnet kommen viele Haushalte mit diesen Geräten auf Kosten von 100 bis 200 Euro im Jahr, wobei der schnellste Hebel eine schaltbare Steckdosenleiste pro Zimmer ist, die mehrere Geräte mit nur einem Knopfdruck trennt.

Reisevorbereitungen und gesetzliche Neuregelungen

Vor dem Antritt einer Urlaubsreise empfiehlt es sich, die Checkliste für Elektrogeräte zu erweitern. Wer seine Wohnung für ein oder zwei Wochen verlässt, muss nicht sämtliche Geräte im Bereitschaftsbetrieb lassen. Während Fernseher, Spielekonsole und Kabel- oder Satellitenbox sowie Ladestationen von größeren Akku-Geräten wie Saug- oder Mährobotern problemlos vom Netz getrennt werden können, erfordert das Smart Home eine differenzierte Betrachtung: Geräte, die während des Urlaubs eine Aufgabe erfüllen sollen, dürfen nicht einfach ausgeschaltet werden. Dazu gehören Sicherheitskameras oder smarte Rauchmelder sowie eine Lampe, die über eine Zeitschaltung den Eindruck erwecken soll, dass jemand zu Hause ist.

Fernseher, Router und andere Geräte können auch im Standby Strom ziehen
Photo: Homeandsmart

Für den generellen Standby-Verbrauch gelten inzwischen strengere Vorgaben. Seit dem 9. Mai 2025 ist die EU-Verordnung 2023/826 maßgeblich, die je nach Betriebszustand und Geräteart unterschiedliche Grenzwerte festlegt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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